17:40 27 Juni 2017
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    Polizei in Manila

    Philippinen: Polizei tötet Alkoholkranke und Drogensüchtige für einen Hungerlohn

    © AFP 2017/ Noel Celis
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    Rund 200 US-Dollar bekommen philippinische Ordnungshüter, wenn sie einen Alkoholabhängigen töten. Oder einen Taschendieb. Für einen Drogenabhängigen gibt es das Doppelte. Dies steht im Bericht eines ehemaligen Mitarbeiters der philippinischen Polizei, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters.

    Wenn es darum geht, Drogenkriminellen ein für allemal das Handwerk zu legen, geizt die philippinische Polizei nicht mit Belohnung: Tötet ein Polizist einen großen Dealer, erhält er 20.000 US-Dollar – auf den Philippinen ein Vermögen. Für einen Drogenbaron gibt es unvorstellbare 100.000 Dollar, geht aus dem Bericht des Insiders hervor. Das Leben eines einfachen Drogenkranken ist der Behörde hingegen nur ein paar Hundert-Dollar-Scheine wert.

    Der Insiderbericht ergänze und vervollständige Informationen unabhängiger Beobachter über die Methoden der philippinischen Regierung im Kampf gegen die Kriminalität, schreibt die Agentur. Seit dem Machtantritt Rodrigo Dutertes im Sommer letzten Jahres seien rund 9.000 Drogensüchtige und Drogenhändler bei außergerichtlichen Hinrichtungen durch die Polizei getötet worden.

    Doch die Polizisten beteiligen sich nicht nur des schnellen Geldes wegen an den außergerichtlichen Hinrichtungen: Viele hätten schlicht Angst, der Komplizenschaft mit dem Drogenmilieu bezichtigt zu werden, sagte laut der Nachrichtenagentur ein philippinischer Polizist, der nicht genannt werden wollte.

    Am 30. Januar 2017 stellte die Polizei ihren Drogenkampf zeitweise ein, nachdem Duterte persönlich erklärt hatte, 40 Prozent der Polizisten seien korrupt und ebenso niederträchtig wie die Drogenbosse. Daraufhin versprach der philippinische Polizeichef Ronald dela Rosa, seine Behörde umgehend von „Verbrechern in Uniform“ und „Mistkerlen“ zu säubern.

    Laut der Agentur erklärte er dann Ende Februar, die Drogendealer seien in die Straßen der Städte zurückgekehrt, nachdem die Polizei ihre Anti-Drogen-Operationen eingestellt habe. Daraufhin erlaubte Staatschef Duterte der Polizeibehörde die Teilnahme am Drogenkampf erneut.

    Im Herbst letzten Jahres versprach der philippinische Präsident, er werde zum Adolf Hitler für all jene, die Drogen in seinem Land in Umlauf bringen und konsumieren würden. Seitdem berichten Medien über Todesschwadronen, die Menschen ohne Ermittlungen auf bloßen Verdacht des Rauschmittelhandels oder —konsums hin töten.

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    Tags:
    Anti-Drogen-Kampf, Belohnung, Mord, Polizei, Rodrigo Duterte, Philippinen
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