09:01 06 Dezember 2019
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    Vororte von Tschernobyl heute

    Jahrestag der Tschernobyl-Katastrophe: Ehemalige Einwohner zieht es nach Prypjat

    © Sputnik / Igor Kostin
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    Der 26. April ist der Internationale Gedenktag an die Opfer der Tschernobyl-Katastrophe, die sich vor 31 Jahren ereignete. Diese schwerste technische Katastrophe des 20. Jahrhunderts setzte acht Millionen Menschen der Strahlung aus, Hunderttausende wurden evakuiert. Aber die Sehnsucht führt sie immer wieder hierher, berichtet der TV-Sender NTV.

    Ein Kontrollpunkt vor der Sperrzone. Nur wenige Tage im Jahr wird ohne Sondergenehmigung Zugang in diese Zone gewährt,  eine Ausweis- und Fahrzeugkontrolle ist obligatorisch. Aber wie der russische TV-Sender berichtet, kommen die Menschen immer wieder hierher, um die Gräber ihrer Nächsten und ihre alte Heimat aufzusuchen, genauer das, was  31 Jahre nach der  Tschernobyl-Tragödie davon erhalten geblieben ist. An solchen Tagen kehrt dann auch wieder Leben in die einst evakuierten Ortschaften ein. Das natürlich bei verstärkter Kontrolle an den Kontrollpunkten, auch die Miliz und die Feuerwehr sind im Einsatz.

    Die Tiere von Tschernobyl
    © REUTERS / Vasily Fedosenko
    Für Michail Jadtschenko ist es bereits ein Ritual geworden, jedes Jahr aus Tschechow bei Moskau, wo er nun wohnt, in die Sperrzone zu fahren, wie er NTV gegenüber sagte. Er besuche dort zuerst den Friedhof, um die Gräber in Ordnung zu bringen, und sich dann mit anderen Menschen auszutauschen. Selbst nach mehr als drei Jahrzehnten finden ehemalige Bewohner einander wieder. Wie der NTV-Korrespondent Sergej Sawin berichtet, steht der Besuch des ehemaligen Wohnsitzes, egal in welchem Zustand er sich jetzt befindet, bei jedem Übersiedler, der in diesen Tagen in die Sperrzone kommt, mit auf dem Programm.

    Die radioaktive Belastung sei in der Sperrzone nicht überall gleich. Da gebe es relativ saubere Abschnitte, wo die Werte nur um das  Fünf-, Sechs- oder Siebenfache über den Normwerten liegen. Komme man den Häusern aber näher, so steigen diese Werte stark, besonders unter den Dächern. Der Regen spüle den radioaktiven Staub zwar weg, aber dann sammle er sich um das Fundament. Dies schrecke jedoch niemanden ab.

    Tschernobyl-Reaktor unter neuem Schutz-Panzer der Welt
    © Foto : President of the Ukraine Press-Service/Mikhail Palinchak
    Nach der Explosion im AKW Tschernobyl soll es damals nicht einmal Gerüchte gegeben haben. Erst eine Woche später, in den Mai-Feiertagen, seien die Behörden aktiv geworden. Mit kleinen Bussen hätten sie die Leute aus der ganzen Umgebung eingesammelt und zu den Evakuierungs-Sammelstellen gebracht. Alle Busfahrer seien zuvor gewarnt worden, dass diese Arbeit lebensgefährlich sei. Heute kommen Menschen aus Weißrussland, Russland und der Ukraine  wieder an den Ort des Geschehens, um jener Tragödie zu gedenken.

    Die Nuklearkatastrophe von Tschernobyl ereignete sich am 26. April 1986 in Block 4 des Kernkraftwerks nahe der ukrainischen Stadt Prypjat. Auf der siebenstufigen internationalen Bewertungsskala für nukleare Ereignisse wurde sie als erstes Ereignis der Kategorie katastrophaler Unfall eingeordnet.

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    Heimreise, Tschernobyl-Katastrophe, Folgen, Tschernobyl, Ukraine