22:08 30 März 2020
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    Die städtische Polizei von Odessa hat den Platz „Kulikowo Pole“ evakuiert, wo sich am Dienstag Einwohner der Stadt versammelten, um der Opfer des Massakers vom 2. Mai 2014 zu gedenken. Dies berichten Korrespondenten vor Ort. Die Organisatoren der Veranstaltung werden überprüft.

    Kurz vor Beginn der Gedenkfeier in Odessa ist der Platz demnach abgesperrt worden. Es wurden Informationen über eine angebliche Verminung des Gewerkschaftshauses am Kulikowo Pole überprüft, hieß es. Außer Polizisten seien Sprengstoffkommando und Rettungsdienst vor Ort eingesetzt worden.

    Sankt-Georgsbänder abgenommen

    Seit dem Morgen trugen Menschen Blumen zum Platz, um der Opfer des Odessa-Massakers im Gewerkschaftshaus 2014 zu gedenken.  Der Platz wurde abgesperrt. Polizisten haben nur einen Eingang gelassen und diesen mit Metalldetektoren ausgestatten, hieß es. Aber nicht nur auf Metallgegenstände werden die Menschen gecheckt.  Angeblich sei auch verbotene Symbolik ins Visier der Polizisten geraten, darunter kommunistische Flaggen und provokative Materialien. Der Polizei zufolge ist einer Frau ein Sankt-Georgsband abgenommen worden, das in Russland als Symbol für das Gedenken der im  Zweiten Weltkrieg gefallenen Helden steht.

    Den Teilnehmern sei es außerdem verboten worden, Fotos der Opfer und Plakate jeder Art zu dem Meeting mitzubringen. Die Veranstaltung finde ohne Mikros und Lautsprecher statt, da diese auch verboten worden waren.

    Außerdem durchsucht der Sicherheitsdienst der Ukraine (SBU) die Wohnungen von Aktivisten der Bewegung „Kulikowo Pole“, die genauere Ermittlungen zu der Tragödie von 2014 fordert. Dies berichtet am Dienstag das lokale Portal „Timer“. Derzeit werde von drei solchen Razzien gesprochen.

    Odessa gedenkt nicht?

    In Odessa hängen zwar Nationalflaggen mit schwarzen Trauerbändern, aber offizielle Gedenkfeiern seien nicht geplant, berichten Menschen vor Ort. Nachdem Meldungen über die mögliche Verminung überprüft worden waren, wurden die Einwohner immerhin wieder auf den Gedenkplatz gelassen.

    „Die Stadtverwaltung wird keine Trauerzeremonien veranstalten, aber Einwohner  von Odessa kommen am 2. Mai zum Platz ‚Kulikowo Pole‘“, so die Chefin der öffentlichen Organisation „Mütterrat des 2. Mai“, Wiktoria Matschulko.

    Dieser Verband hat um 14 Uhr zum Gedenken an die Opfer gerufen. Außerdem hatte die Partei „Oppositionsblock“ vorgeschlagen, eine allukrainische Aktion durchzuführen und zum Andenken an die Opfer am Dienstag um 19 Uhr Kerzen anzuzünden.

    Ermittlung verzögert

    Die Ermittlungen zur Tragödie vom 2. Mai 2014 ist laut Medienberichten noch nicht abgeschlossen. Das Verfahren gegen die ukrainischen Sicherheitskräfte werde dadurch gebremst, dass sich der Hauptverdächtige – der ehemalige stellvertretende Leiter der Miliz von Odessa, Dmitri Futschedzhi – vor der Untersuchung verstecke. Nach Kiews Angaben befindet er sich in Pridnestrowien, dem abtrünnigen Teil der Republik Moldawien, aber die Behörden vor Ort dementieren das.

    Das Verfahren gegen Feuerwehrleute, die nach Ermittlern unzeitgemäß zum Gewerkschaftshaus gekommen waren und nicht alle notwendigen Mittel zum von Menschenleben zur Verfügung gestellt hatten, bremse noch weiter.

    „Es ist einfach ungünstig für jemanden, dass die Wahrheit ans Licht kommt. Seit drei Jahren versuchen die Mütter der Gestorbenen, dass sie als Betroffene anerkannt werden. Laut Ermittlern sind viele Beweise verloren gegangen. Das Gewerkschaftshaus selbst wird derzeit renoviert. Was für eine Ermittlung ist das?“, fragt Matschulko.

    Verbranntes Gewissen

    Eine Aktion von „Antimaidan“-Aktivisten am 2. Mai 2014 in Odessa hatte in einer Tragödie geendet, als Mitglieder des extremistischen „Rechten Sektors“ und Fußball-„Ultras“ gegen die Aktionsteilnehmer vorgingen. Dutzende „Antimaidan“-Teilnehmer kamen bei einem Brand im Gewerkschaftshaus ums Leben, in dem sie sich in Sicherheit zu bringen versuchten. Nach offiziellen Angaben waren dabei rund 50 Menschen getötet und mehr als 200 verletzt worden.

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    Tags:
    Maidan, Tragödie, Odessa-Massaker, Gewerkschaftshaus, Odessa, Ukraine