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17:01 19 Oktober 2019
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    Ukrainische Militärs in der Ostukraine

    „Aus Verlangen nach Krieg“: Österreichische Deserteure kämpften im Donbass - Medien

    © AP Photo / Evgeniy Maloletka
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    Vier ehemalige Soldaten aus Österreich haben im Donbass an der Seite der Ukraine gekämpft. Wie die Zeitung „Kurier“ am Sonntag unter Berufung auf eigene Recherchen berichtet, handelt es sich dabei um Deserteure des österreichischen Jägerbataillons 18, das in St. Michael in der Steiermark beheimatet ist und als Vorzeigeeinheit gilt.

    Einer der vier Deserteure ist Benjamin F. Wie berichtet wurde, war der 25-Jährige vor genau einer Woche in Polen wegen mutmaßlicher „Kriegsverbrechen gegen Personen“ in der Ostukraine verhaftet worden. Er habe von dort aus erneut in den Donbass reisen wollen, um dort gegen die Russen zu kämpfen. Zuvor war er übrigens nicht alleine: Zwei ehemalige Bundesheerkollegen seien im Frühjahr 2015 in Polen und unterwegs in die Ukraine gewesen – F.  habe sich ihnen angeschlossen und sie an die Front gebracht. Ein vierter sei kurz darauf gefolgt.

    Wie der „Kurier“ berichtet, bestätigte das österreichische Bundesheer, dass mindestens zwei der vier Kämpfer desertiert hatten bzw. „dem Dienst unerlaubt ferngeblieben“ waren. Allesamt seien sie im Jägerbataillon 18 auf Auslandseinsätze vorbereitet worden.

    Der Pressesprecher des Verteidigungsministeriums des Landes, Oberst Michael Bauer, räumte jedoch ein, dass es „nicht unsere Aufgabe“ sei, nachzuforschen, was die Männer während ihres unerlaubten Fernbleibens getan hätten. Das Verhalten der vier Ex-Soldaten könne „dem Bundesheer nicht angelastet werden“, fügte er hinzu. Für ihn bleibe das Jägerbataillon 18 „ein sehr guter Verband“.

    „Dennoch: Sie sind als Angestellte des österreichischen Bundesheeres aufgebrochen, um sich den Milizen der ukrainischen Partei ‚Rechter Sektor‘ anzuschließen“, heißt es.

    Haftbefehl

    Am 30. April wurde Benjamin F. nach Angaben der österreichischen Presseagentur APA in Dorohusk, einem Dorf im Osten Polens, gefasst. Laut der zuständigen Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt in Niederösterreich soll der Österreicher im Donbass „gegnerische Soldaten, die sich bereits ergeben hatten, beziehungsweise Zivilisten getötet“ haben. Wie ein Sprecher Behörde gegenüber der APA mitteilte, soll dies „im Zuge der Kampfhandlungen um den Flughafen Donezk“ geschehen sein.

    Der Europäische Haftbefehl erfolgte laut der Agentur aufgrund des Vorwurfs der „Kriegsverbrechen gegen Personen“. Darüber hinaus laufe noch ein zweites Verfahren wegen „Vergehen nach dem Suchtmittelgesetz“.

    Verlangen nach Krieg

    „Als Soldat nicht in den Krieg zu ziehen, das wäre, wie wenn jemand zehn Jahre Medizin studiert hätte und er würde nie einen Patienten behandeln. Das Verlangen kommt einfach bei Soldaten nach einer Zeit“, sagte F. im Januar dem „Kurier“.

    Derzeit sitzt der Österreicher in Polen in Haft. Seine Auslieferung wird laut APA in ein paar Wochen erwartet. Ihm droht lebenslange Haft. Die Identität der anderen drei Fahnenflüchtigen sei der zuständigen Staatsanwaltschaft nicht bekannt, heißt es.

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    Tags:
    Deserteure, Kriegsverbrechen, Fahnenflucht, Bundesheer, Rechter Sektor, Donbass, Österreich, Russland, Ukraine