18:26 19 November 2018
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    Emmanuel Macron gegen Marine Le Pen

    Experte: Viele Franzosen können Macron nicht leiden

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    Die Stichwahl hat Marine Le Pen zwar verloren, doch insgesamt habe sie gewonnen, sagt Frankreich-Experte Prof. a.D. Dr. Etienne François von der FU Berlin. Die Unterstützung für Emmanuel Macron sei trotz des Wahlsieges nicht sehr groß und ob er die nötigen Stimmen bei den Parlamentswahlen im Juni bekommen werde, sei fraglich.

    Er sei davon ausgegangen, dass Macron die Stichwahl gewinnen werde, jedoch sei er überrascht gewesen, wie groß am Ende der Vorsprung des Kandidaten von En Marche gegenüber der Kontrahentin vom Front National war, so der Experte. Ein Grund dafür könnte seiner Ansicht nach die letzte Debatte vor der Stichwahl gewesen sein, in der Marine Le Pen zu aggressiv aufgetreten sei ohne echte Vorschläge für die Zukunft Frankreichs zu liefern.  Dennoch haben 11,5 Millionen Franzosen für Le Pen gestimmt und das sei ein sehr starkes Ergebnis.

    „Marine Le Pen hat die Stichwahl verloren, aber insgesamt hat sie eher gewonnen. Ich vergleiche das gern den Ergebnissen ihres Vaters bei den Wahlen 2002. Damals kam Jean-Marie Le Pen überraschend in die Stichwahl. Der Anteil der Stimmen, die er im zweiten Wahlgang erhalten hatte, war fast identisch mit dem aus dem ersten Wahlgang. Dieses Mal war das nicht der Fall: Marine Le Pen hat in der Stichwahl viel mehr Stimmen erhalten, als noch im ersten Wahlgang. Das zeigt, dass sie für viele Franzosen nicht so abschreckend wirkt, wie ihr Vater. Und dass viele Franzosen das Vertrauen in sie haben, dass sie eine bessere Opposition machen wird als ihr Vater damals.“

    Was den gewählten Präsidenten Emmanuel Macron angeht, so rechnet der Experte damit, dass dieser große Schwierigkeiten haben wird. Um regieren zu können, brauche Macron eine Mehrheit oder eine regierungsfähige Koalition im Parlament. Es sei zum jetzigen Zeitpunkt noch völlig unklar, ob er die nötigen Stimmen dafür bei den Parlamentswahlen im Juni bekommen wird können. 

    Es gebe viele Menschen in Frankreich, die von Macron nicht überzeugt seien, so Prof. Dr. François.

    „Sein Programm und seine Vorstellungen entsprechen ziemlich stark dem, was man in Skandinavien sieht: eine Mischung aus liberaler Wirtschaftspolitik und realer Sozialpolitik. Ob es ihm gelingen wird, Frankreich mit sich selbst zu versöhnen, wird vom Ergebnis der Parlamentswahlen und auch von seinen eigenen Initiativen abhängen. Der Anteil der Franzosen, die Macron überhaupt nicht leiden können, ist hoch. Und das sind nicht nur diejenigen, die ihre Stimme Le Pen gegeben haben, sondern auch die Wähler und Wählerinnen, die nicht an der Wahl teilgenommen haben. Die Wahlbeteiligung war bei der Stichwahl geringer, als im ersten Wahlgang. Viele Franzosen dachten, wenn sie die Wahl zwischen Le Pen und Macron haben, wählen sie lieber gar nicht. Das heißt, für Macron und sein Team wird es eine sehr große Herausforderung sein, Gehör bei den Millionen von Franzosen zu finden, die überhaupt kein Vertrauen in ihn haben.“

    Die Parlamentswahlen finden am 11. Juni (1. Wahlgang) und 18. Juni (2. Wahlgang) in Frankreich statt.

    Bericht: Ilona Pfeffer

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    Tags:
    Parlament, Wahlen, En Marche, Front National, Jean-Marie Le Pen, Marine Le Pen, Emmanuel Macron, Frankreich