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    Tag des Sieges 2017 (29)
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    Hunderte Menschen gedachten neben Diplomaten, Politikern und Veteranen am 9. Mai in Berlins Mitte des Sieges der Roten Armee über den deutschen Faschismus und der Opfer des Zweiten Weltkrieges. Der Berliner Kultursenator Klaus Lederer erinnerte an den „Blutzoll der Völker Russlands“. Das „Unsterbliche Regiment“ marschierte durchs Brandenburger Tor.

    Mit einer Kranzniederlegung am Sowjetischen Ehrenmal in Berlin-Tiergarten gedachte der Botschafter der Russischen Föderation, Wladimir Grinin, am 9. Mai der Gefallenen der Roten Armee im Kampf gegen den Hitlerfaschismus. Neben ihm Diplomaten der anderen ehemaligen Sowjetrepubliken, Vertreter von Politik und Gesellschaft, der Bundeswehr, die Militärattachés anderer Länder, zum Beispiel Japans, Vietnams und Griechenlands, Kriegsveteranen sowie viele Bürgerinnen und Bürger aus Russland, Deutschland und anderen Ländern. Sie gedachten der Toten und Veteranen des Krieges und legten Blumen nieder. Inmitten der offiziellen Kränze zahlreicher Botschaften und Organisationen vor dem Ehrenmal fanden sich neben dem der Bundesregierung und der Jüdischen Gemeinde in Deutschland, mit dem Band „Dank den Befreiern“, auch solche der Ukraine und der USA.

    „Wie jedes Jahr“ verneigte sich Lothar de Maiziére, letzter DDR-Ministerpräsident und CDU-Politiker, „vor den Opfern, die die Sowjetvölker im Zweiten Weltkrieg gebracht haben“. Walter Momper, ehemaliger Regierender Bürgermeister von Berlin, gehörte ebenfalls zu jenen, die zum Ehrenmal gekommen waren, „um der Opfer des großen Weltkrieges zu gedenken“. Er beschrieb gegenüber Sputnik als sein Motiv, dabei zu sein, dass „das Elend, das wir Deutsche über die Sowjetunion damals gebracht haben, nie wieder passieren möge“. Ihm gehe es darum, „dass  wir weiterhin friedlich leben und gerade in diesen Zeiten, wo es im deutsch-russischen Verhältnis nicht so gut steht, die Bande und die Freundschaften, die bestanden, zu bewahren und zu entwickeln“. Der Sozialdemokrat hofft auf bessere Beziehungen zu Russland, warf aber zugleich Moskau vor, mit der „Einverleibung der Krim“ den Grund für das verschlechterte Verhältnis geliefert zu haben. Es gehe aber darum, miteinander im Gespräch zu bleiben und die freundschaftlichen Kontakte zu erhalten: „Eine gute Freundschaft muss solche Belastungen aushalten.“

    Miteinander im Gespräch bleiben und Kontakte erhalten

    Klaus Lederer, Kultursenator von Berlin und Landesvorsitzender der Linkspartei, sprach gegenüber Sputnik von einer Selbstverständlichkeit, dabei zu sein. „Es geht einfach schlicht darum, dieses historische Ereignis zu würdigen, und auch die Alliierten zu würdigen, wie auch die Völker Russlands, die den größten Blutzoll im Zweiten Weltkrieg bei der Niederwerfung der Nazis getragen haben.“ Die deutsche Hauptstadt wolle mit mehr Kulturaustausch dazu beitragen, miteinander im Gespräch zu bleiben und die Kontakte zwischen beiden Ländern zu erhalten, erklärte Lederer. Auf Nachfrage meinte er ebenfalls, Russland für das derzeit schlechte Verhältnis verantwortlich erklären zu müssen, und sagte, „dass dabei die Annexion der Ukraine auch eine Rolle spielt“.

    Über diese Äußerung seines Parteigenossen schüttelte Wolfgang Gehrcke, Vizevorsitzender der Linksfraktion im Bundestag, nur den Kopf: „Das ist schlichtweg Unsinn.“ Selbst wenn Lederer nur die Krim gemeint habe, gehe es darum, bei diesem Thema zu begreifen, dass die Rückkehr der Halbinsel nach Russland „eine Mehrheitsentscheidung der Bevölkerung“ war. Der Linkspartei-Parlamentarier schlug vor, vom Verhalten der SPD bis 1989 gegenüber der DDR zu lernen: „Die SPD war nie für eine völkerrechtliche Anerkennung der DDR, hat dieses Problem aber nie zum Anlass genommen, nicht zu verhandeln. Selbst wenn man in der Krimfrage unterschiedlicher Auffassung ist, muss man den Weg zueinander finden.“ Gehrcke sprach sich am Ehrenmal dafür aus, dass „möglichst auch aus den Parlamenten eine deutliche Botschaft kommt: Wir wollen eine gute Nachbarschaft zu Russland!“ Dazu zähle das Ende der Sanktionen, der Abzug der Bundeswehr von der russischen Westgrenze sowie zu verstehen, „dass die Rote Armee nicht nur die Sowjetunion, nicht nur Russland, sondern Europa und auch unser Land vom Faschismus befreit hat“. Er bedauerte, dass  er nur fünf weitere Bundestagsmitglieder, unter anderem von der SPD, bei der Kranzniederlegung sah: „Eigentlich müsste es hier eine offizielle Delegation des Bundestages geben und alle Abgeordneten hätten sich drängeln müssen, daran teilnehmen zu können.“

    • Unsterbliches Regiment am Brandenburger Tor
      Unsterbliches Regiment am Brandenburger Tor
      © Sputnik / Tilo Gräser
    • Unsterbliches Regiment am Brandenburger Tor
      Unsterbliches Regiment am Brandenburger Tor
      © Sputnik / Tilo Gräser
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    Unsterbliches Regiment am Brandenburger Tor

     

    Zuvor hatten der russische Botschafter Grinin und seine diplomatischen Begleiter am Sowjetischen Ehrenmal in Berlin-Treptow Kränze niedergelegt und der Opfer des Sieges über den deutschen Faschismus gedacht. Die Feierlichkeiten aus Anlass des Tages des Sieges wurden mit einem Empfang in der Russischen Botschaft Unter den Linden fortgesetzt. Zum gleichen Zeitpunkt, gegen Mittag, setzte sich am Brandenburger Tor das „Unsterbliche Regiment“ in Richtung Ehrenmal in Tiergarten in Marsch. Hunderte Menschen aller Generationen trugen Bilder von Familienangehörigen mit sich, die in der sowjetischen Armee kämpften, um so auch an die unbekannten Helden des Krieges zu erinnern. Mit den Porträts, Fahnen, auch der sowjetischen, und Liedern starteten sie neben der US-Botschaft, um am Ehrenmal Blumen niederzulegen und der Toten der Roten Armee zu gedenken.

    Tilo Gräser

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