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    Finanzexperten für Revolution statt politisch falscher Richtung: „Sonst knallt’s“

    © Fotolia/ Andrey Burmakin
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    Nicht weniger als eine Revolution in Wirtschaft und Politik fordern die selbsternannten „Querdenker“ Marc Friedrich und Matthias Weik in ihrem neuen Buch: „Sonst knallt’s – Warum wir Wirtschaft und Politik radikal neu denken müssen“. Co-Autor Friedrich erklärt im Interview die Visionen für eine neue Finanzwelt und warum eine Steuer ausreicht.

    Für ihr viertes Buch haben sich die beiden Finanzexperten den Gründer der Drogeriekette DM und Aktivisten für ein Grundeinkommen, Götz Werner, an die Seite geholt. Im Gespräch mit Sputnik-Korrespondent Bolle Selke stellte Co-Autor Friedrich fest: „Es läuft so einiges schief. Leider hat sich seit 2008, seit der Finanzkrise, nichts geändert. Ganz im Gegenteil – die Probleme wurden ja nur mit viel billigem Geld überdeckt. Man darf nicht vergessen, die Europäische Zentralbank (EZB) hat bis zum heutigen Tag 1,75 Billionen Euro ins System gepumpt, um Anleihen von Unternehmen zu kaufen, die eigentlich bankrott sind und Länder zu stützen die eigentlich in die Insolvenz gehen müssten und das ganze Geldkarussell am Laufen zu halten. Damit hat man sich lediglich Zeit erkauft.“

    Parallel sei zu sehen, dass die EU von einem Problem ins nächste schlittere. In Deutschland, einem der reichsten Länder der Welt, würden die Kluft zwischen Arm und Reich immer größer und der Wohlstand immer unfairer verteilt, betonte der Finanzexperte. „Die Warnsignale sind also nicht mehr zu übersehen und an allen Ecken und Enden bröckelt es." 

    Die drei Autoren habe „das ungute Gefühl, dass wir uns politisch in die falsche Richtung entwickeln“, beschlichen, so Friedrich. „Diese Gemeinsamkeit hat uns dazu gebracht, diesen politischen Weckruf, dieses Büchlein zu schreiben. Wir merken: Von oben wird es keinen Wandel geben, der Wandel muss von unten kommen, von den Menschen – ansonsten knallt‘s. Deswegen auch der Titel: 'Sonst knallt‘s'.“

    Ohne Grundeinkommen keine Zukunft

    Die Experten halten das bedingungslose Grundeinkommen (BGE) für unumgänglich. Durch die Digitalisierung unter dem Stichwort „Industrie 4.0“ würden zum Beispiel laut UN und Weltbank 50 bis 75 Prozent der bisherigen Jobs wegfallen. „Dann müssen wir uns überlegen: Was machen wir mit diesen Millionen an Menschen, die erstmal keine Arbeit haben? Dann müssen wir den Wohlstand einfach gerechter verteilen. Das heißt, ohne das BGE wird es die Digitalisierung überhaupt nicht geben, weil sie sonst nicht möglich ist."

    Die Autoren versuchen laut Friedrich im Buch zu zeigen, wie das bedingungslose Grundeinkommen finanziert werden könnte. Am Anfang müsse eine „Steuerrevolution“ stehen: „Wir würden alle Steuern abschaffen, bis auf eine“: die Mehrwertsteuer. Der Co-Autor meinte, das Grundeinkommen sei zum Großteil dadurch finanzierbar, dass die „anderen überbürokratisierten Sozialleistungen“ wie Arbeitslosengeld, Hartz IV, Kindergeld wegfallen. „Wir alle haben ja schon eigentlich ein Grundeinkommen“, meinte Friedrich im Gespräch, „weil jeder von uns einen Steuerfreibetrag von knapp 8820 Euro im Jahr bekommt, das sind 735 Euro im Monat“. Parallel solle die Konsumsteuer, die Mehrwertsteuer, erhöht werden – „von momentan 19 Prozent auf 30, 40 oder 50 Prozent“. Die Preise würden gleich bleiben, weil alle anderen Steuern aus den Preisen der Produkte herausfallen würden und nur durch diese Konsumsteuer ersetzt würden. „Damit ist das Kind finanziert“, zeigte sich der Experte sicher.

    Entscheidung über Geld der Politik entziehen

    „Im Endeffekt glauben wir, dass sich der Staatshaushalt sogar positiv entwickeln würde, weil wir alle konsumieren müssen.“ Die vorgeschlagene Konsumsteuer habe einen schönen Nebeneffekt: „Deutschland würde zur Steueroase werden und es gäbe keine Möglichkeit mehr für große Konzerne und für die sehr reichen Personen unserer Gesellschaft Steuern zu vermeiden, oder sogar zu hinterziehen, weil sie an der Ladenkasse die Steuer ganz transparent abgeben.“ Um das Ziel zu erreichen, müsse „die vierte Einheit im Staat“ gegründet werden: Statt der „politisch nicht wirklich unabhängigen Bundesbank oder Notenbank, die EZB,“ solle die „Monetative“ als eine „demokratisch gewählte vierte Säule im Staat“ über das Geld entscheiden und eine „Vollgeldreform“ durchführen. „Wir Bürger dürften entscheiden, wer Chef dieser ‚Monetative‘, dieser Notenbank, wird“, versprach der Co-Autor und kritisierte: „Herr Draghi zum Beispiel, der ehemalige Goldman Sachs-Manager, wurde ja eingesetzt. Es kann ja nicht sein, dass wir jeden Bürgermeister und Gemeinderat wählen dürfen, aber wenn es ums Wichtigste geht, um unser Geld, da werden Leute einfach eingesetzt, ohne dass wir dazu gefragt werden. Das ist ein Unding und hat mit Demokratie nichts zu tun."

    Der Wandel werde nicht von oben kommen, sind sich die Autoren laut Friedrich sicher. „Den müssen wir von unten initiieren. Weder Macron noch ein Herr Schulz oder Frau Merkel werden die notwendigen tiefgreifenden Strukturreformen initiieren.“ Der Wandel komme von den Menschen, sagte der Co-Autor und fügte hinzu: „Und wenn wir Glück haben, so wie 1989 in Leipzig friedlich. Und wenn wir Pech haben so wie 1789 in Paris.“ Doch das geschehe nicht im Selbstlauf: „Wir müssen politisch aktiv werden. Wir müssen es einfordern. Wir müssen auf die Straße gehen. Wir müssen vielleicht sogar Parteien gründen oder eine neue politische Bewegung initiieren. Die jetzigen Partien werden den Wandel nicht anstoßen."

    Das Interview zum Nachhören:

    Tags:
    Finanzen, Buch