08:58 24 Januar 2018
SNA Radio
    Sieger der ersten Halbfinale, ESC-2017, Kiew

    A la Ukraine: Frankreich mit Song über Nazi-Nachbarn beim ESC? – Zeitung

    © REUTERS/ GLEB GARANICH
    Panorama
    Zum Kurzlink
    9597

    Der Eurovision Songcontest (ESC) positioniert sich als politikfrei, aber das gelingt ihm offenbar nicht. Die Ukraine hat zum Misserfolg dieser Mission 2016 und 2017 zusätzlich beigetragen, schreibt die Zeitung „El Mundo“. Sie geht der Frage nach, ob es möglich wäre, dass Frankreich beim ESC mit einem Song über Nazi-Nachbarn würde auftreten dürfen.

    Dem Bericht zufolge ist Politik überall auf diesem Wettbewerb zu sehen. Ihre Spuren könne man sowohl in Songtexten als auch an den Reisen erkennen, die Teilnehmer des Wettbewerbs zuvor unternommen hätten.

    Dieses Jahr kämpfen auf dem musikalischen Olymp Europas 42 Länder. Russland nimmt daran nicht teil. Es sei das erste Mal in der ESC-Geschichte, dass ein Gastgeberland einen Vertreter eines anderen Teilnehmerlandes nicht einreisen lasse, schreibt „El Mundo“.

    Zuvor hatte der Sicherheitsdienst der Ukraine (SBU) ein dreijähriges Einreiseverbot gegen die Sängerin Julia Samojlowa verhängt hatte, die Russland beim ESC-2017 in Kiew vertreten sollte. Zur Begründung wies SBU auf einen „illegalen Auftritt der Sängerin auf der von Russland 2014 annektierten Halbinsel Krim“ hin. Kiew bestraft Reisen auf die Krim über russisches Gebiet mit Einreiseverbot in die Ukraine. Daraufhin beschloss Russland, auf seine Teilnahme am ESC 2017 zu verzichten.

    „Wir haben Russland vorgeschlagen, einen anderen Teilnehmer zu schicken, aber gerade sie (die Russen – Anm. d. Red.) wollten nicht kommen“, so der ESC-Moderator in Kiew Wladimir Ostaptschuk im Gespräch mit „El Mundo“.

    Laut der Zeitung löste die Krim nicht nur bei den Russen Kopfschmerzen aus. Am vergangenen Donnerstag hatte Kiew nun die Situation mit Kristian Kostow zu klären.

    Der 17-Jährige, der in Moskau geboren wurde und sowohl die russische als auch die bulgarische Staatsbürgerschaft besitzt, vertritt in diesem Jahr Bulgarien beim ESC und gilt bei den Wettbüros als klarer Favorit. Nach Angaben ukrainischer Medien war er allerdings im Jahr 2014 auf der Krim aufgetreten.

    Schon im vorigen Jahr sorgte laut dem Blatt die Ukraine für „politische Spuren“ beim ESC. Die Sängerin Jamala trat mit dem Song „1944“ auf, der laut der Frau selbst der „Vertreibung der Krimtataren“ zu Sowjetzeiten gewidmet war.

    „Es ist schwierig, sich einen Teilnehmer aus Frankreich vorzustellen, der an diesem Festival mit einem Song über ein Massaker auftreten würde, das von den deutschen Nachbarn in Nazizeiten angerichtet worden war“, schreibt „El Mundo“ und bezeichnet den Auftritt von Jamala als „frech“.

    Zuvor war berichtet worden, dass die Chefin der Europäischen Rundfunkunion, Ingrid Deltenre, dem russischen Portal Lenta.ru zufolge im Gespräch mit den russischen Prankern den Auftritt der ukrainischen Teilnehmerin Jamala am ESC 2016 als Verletzung der Wettbewerbsregeln bezeichnet hatte. Demnach will die EBU-Chefin den Inhalt des Songs „1944“ vor Beginn der Show nicht gekannt haben. Wenn sie seine Bedeutung gekannt hätte, hätte sie diesen Song nicht an den Contest teilnehmen lassen, hieß es. Demnach sei eine apolitische Einstellung eines der Grundprinzipien des Wettbewerbs.

    Zum Thema:

    Kiewer Polizei vernichtet illegales Bordell für ESC-Gäste
    Trotz Krim-Besuchs: Bulgarischer ESC-Favorit darf nach Kiew
    ESC in Kiew: Ukraine verweigert russischen Reportern Einreise – trotz Akkreditierung
    Tags:
    Musik, Politik, Wettbewerb, Eurovision Song Contest, Eurovision Song Contest (ESC), Julia Samoilowa, Krim, Ukraine, Russland
    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren