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    Wie und wo Dritter Weltkrieg beginnen könnte: Visionen russischer Sci-Fi-Autoren

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    Wäre ein Großkrieg in absehbarer Zukunft vorstellbar? Wenn ja, wie könnte er sich gestalten? Die Onlinezeitung lenta.ru wagt keine analytische Prognose zu dem Thema, richtet die Frage aber an diejenigen, die die Zukunft sozusagen berufsmäßig schildern, und zwar an russische Science-Fiction-Autoren. Hier einige Auszüge aus ihren Antworten.

    Sergej Lukjanenko:

    Die Wahrscheinlichkeit eines „Großkrieges“ bewerte ich als ziemlich hoch. Erstens haben sich leider sehr viele verschiedenste Wiedersprüche in der Welt angehäuft. Jemand könnte einen ‚Großkrieg‘ für einen logischsten Weg halten, um diese Widersprüche zu lösen. Zweitens haben die Großmächte (darunter auch die USA, Russland, China, Deutschland, Großbritannien und so weiter) jene Erinnerung an die Schrecken des Krieges verloren, die während der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ein Abschreckungs-Faktor war. Drittens gibt es mittlerweile ziemlich viele Kräfte (sowohl staatlich als auch anti- und quasistaatlich), die an einem globalen Krieg interessiert wären, um ihre Interessen wahrzunehmen und die bestehende Weltordnung zu zerstören. Zu diesen Kräften zählt vor allem der internationale Terrorismus.

    Ich würde von einem „mosaikartigen Krieg“ oder von „mosaikartigen Kampfhandlungen“ sprechen. Es wäre etwa durchaus möglich, dass zwei Drittel Europas oder zwei Drittel des Nahen Ostens in Flammen stehen würden, während in nicht betroffenen Enklaven ein durchaus friedliches Leben weiter gehen würde, und zwar sogar im betonten Wohlstand (…) Der Einsatz von Massenvernichtungswaffen wäre praktisch unvermeidlich – zumindest auf Ebene von Dirty Bombs, selbstgebastelten Kampfstoffen, Angriffen auf strategische Infrastruktur-Anlagen wie Staudämme, Atomkraftwerke, Chemiefabriken.

    Kirill Benediktow:

    Die Wahrscheinlichkeit einer „Großkrieges“ im nächsten Jahrzehnt betrachte ich leider als ziemlich hoch (…) Er würde erstens aus der zunehmenden Konkurrenz um die Ressourcen resultieren (vor allem um die Arktis) und zweitens aus jenem zunehmenden Druck, den der Westen im weiteren Sinne (in diesem Fall zählen auch Russland und China dazu) vonseiten der islamischen Welt empfindet. Der islamische Terrorismus wurde nicht gestern geboren, sondern mindestens vor einem halben Jahrhundert, doch nun erstarkte er und nahm quasistaatliche Formen an. In einem gewissen Sinne läuft ein „Großkrieg“ schon – nicht nur in Syrien und im Irak, sondern auch auf den Straßen europäischer Städte, in Russland und in den USA.

    Wenn wir aber von einem Weltkrieg sprechen, würden keine quasistaatlichen Gebilde, sondern eher traditionelle Staaten ihn anstiften. Ausführungen zum Thema, welcher konkrete Staat dies wagen könnte, sind aus meiner Sicht inkorrekt. Derzeit gibt es eine einzige Supermacht auf dem Planeten, die das Risiko eines neuen „Großkrieges“ eingehen könnte. Und es gibt keine Gründe zu vermuten, dass sich diese Situation in den nächsten zehn Jahren ändert. Das Problem besteht nicht darin, wer konkret den Krieg beginnen würde, sondern darin, ob alles nach einem im Voraus entworfenen Plan laufen oder außer Kontrolle geraten wird, was dann einen Dominoeffekt verursachen würde.

    Was globale Szenarien betrifft, wirkt ein möglicher Konflikt zwischen den USA und China am gefährlichsten (…) Wenn es zu einem groß angelegten Zusammenstoß der US-Navy und der chinesischen Kriegsmarine irgendwo im Südchinesischen Meer kommt, wird es nicht auszuschließen sein, dass ein dritter Weltkrieg daraus resultiert. Ein weiteres Szenario, das erwähnt werden muss, wäre eine Attacke auf iranische Atomanlagen – entweder durch die israelische und die US-Luftwaffe gemeinsam oder durch die israelische Luftwaffe mit diplomatischer Unterstützung Washingtons (…) Dieses Szenario rückt leider erneut in den Bereich des Möglichen – angesichts der äußerst negativen Einstellung von Donald Trump zum Iran und zu dessen Atomprogramm. Russland hat jedoch alle Chancen, um seinen politischen Einfluss zu nutzen und ein solches Szenario zu verhindern.

    Dmitri Gordewski (Künstlername Alexander Soritsch, gemeinsam mit Jana Bozman):

    Als Science-Fiction-Autor soll ich wohl imaginieren, dass der Weltkrieg von Aliens entfesselt wird, die mit großen schwarzen Raumschiffen kommen. Selbstverständlich würden sie zunächst alle Weltmetropolen zerstören, doch die Nato, Russland und China würden sich vereinigen und alle Eindringlinge töten, um den Weg zu einer technokratischen Utopie und zu einem Mars-Terraforming zu ebnen. Man muss jedoch zugeben, dass die Wahrscheinlichkeit dieses Geschehensablaufs nicht besonders hoch ist.

    Der Einsatz taktischer Kernwaffen durch die USA in einem Regionalkrieg wirkt in den nächsten zehn Jahren sehr wahrscheinlich. Nicht auszuschließen wäre ein Atomwaffeneinsatz in einem Krieg zwischen Indien und Pakistan (…) Leicht vorstellbar wäre ein Atombombeneinsatz durch Israel im Nahen oder Mittleren Osten. Ein groß angelegter Einsatz strategischer Kernwaffen durch die USA und Russland wäre nur in einem „klassischen“ dritten Weltkrieg möglich, der allerdings relativ wenig wahrscheinlich ist (höchstens 25 Prozent in den nächsten zehn Jahren, denke ich).

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    Tags:
    Prognose, Dritter Weltkrieg, Schriftsteller, Russland