21:03 27 Januar 2020
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    Der südkoreanische Militärexperte Kim Dongyeop hat in einem Interview mit Sputnik den Test der nordkoreanischen Boden-Boden-Rakete des Typs Hwasong-12 ausgewertet, der am Sonntagmorgen stattfand und nach Angaben von Nordkorea erfolgreich verlief.

    Eine Nuklearbombe explodiere normalerweise noch in der Luft, ehe sie die Erdoberfläche erreiche, erläuterte Kim, der als Professor des Forschungsinstituts für Studien im Bereich Ferner Osten bei der Universität Kyungnam tätig ist. Dies geschehe mit Hilfe eines sehr genauen Gerätes, das die Kernspaltreaktion auslöst. Sollte es eine Abweichung von auch nur einer Millionstel Sekunde geben, werde der Sprengsatz nicht explodieren, so der Militärexperte. Die Atombombe, die beispielsweise auf Nagasaki abgeworfen worden sei, sei in 500 Meter Höhe explodiert.

    „Wie groß die „Nuklearfüllung" einer Bombe auch sein mag, sie wird nicht explodieren, selbst wenn der Stromkreis durch hohe Temperaturen, Druck oder Vibrationen gestört wurde", sagte Kim.

    Der Experte verwies darauf, dass die Maximalhöhe, die die am Sonntag getestete nordkoreanische Rakete erreicht hatte, 2111,5 Kilometer betrug, während ihre Reichweite 787 Kilometer ausmachte. Dies sei schon ein Erfolg, denn die im vergangenen Jahr getestete Rakete vom Typ Musudan habe eine Maximalhöhe von lediglich 1412 Kilometer erreicht. Da sich die obere Grenze der Erdatmosphäre in der Höhe von etwa 1000 Kilometer befinde, seien die Raketen also wieder in die Atmosphäre eingetreten.

    Allerdings seien die Reichweite solcher Raketen und die Höhe, die sie erreichen könnten, relativ gering, und deswegen sei dieser Wiedereintritt in die Atmosphäre an sich keine bedeutende Leistung, betonte der Experte. Schließlich könnten Lang- und Mittelstreckenraketen, die eine Reichweite von 6.000 bis 10.000 Kilometer hätten, eine deutlich größere Höhe erreichen und, anders als Raketen vom Typ Musudan, deutlich stärkere Erhitzung, Vibrationen und Druck aushalten.

    Zudem hätten die Raketen mit einer Reichweite von 10.000 Kilometern beim Wiedereintritt in die Atmosphäre eine Geschwindigkeit, die etwa anderthalb Mal so groß sei, wie die Geschwindigkeit der Raketen vom Typ Musudan. Der Zünder in einer Musudan-Rakete sei bei solchen Verhältnissen einer gewaltigen Überhitzung von etwa 3000 — 4000 Grad Celsius ausgesetzt, die er aushalten müsse — sonst werde er nicht funktionieren.

    Es sei bekannt, dass der Zünder einer nordkoreanischen Kurzstreckenrakete mechanisch und mit entsprechendem Material gesichert sei, so Kim weiter. Was aber Raketen mit einer Reichweite von 6.000 bis 7.000 Kilometer anbetreffe, so würden entsprechende Informationen fehlen, so Kim weiter.

    „Diesmal war die Höhe sehr groß, und der Antrieb hat sich gut bewährt, was einen großen Fortschritt bei der Entwicklung von Interkontinentalraketen bestätigt", gab der Experte zu. Dennoch sei der gelungene Wiedereintritt in die Atmosphäre nicht das einzige Kriterium des Erfolgs in diesem Fall: „Das wichtigste Kriterium für die Einschätzung des Tests ist in diesem Fall die Luftexplosion", betonte er abschließend.

     

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    Tags:
    Raketentest, Südkorea, Nordkorea