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    Anschlag in Manchester: Viele Tote durch Explosion bei Popkonzert (35)
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    Warum ging Salman Abedi, der Attentäter von Manchester, den Terrorfahndern durch das Netz? War es nicht engmaschig genug? „The Daily Mail“ berichtet, dass selbst Abedis Mutter die Polizei vor ihrem Sohn gewarnt hatte. Laut Experten liegt der Fehler im System: Gekürztes Personal, offene Grenzen und etwa rund 400 Rückkehrer aus den Kriegsgebieten.

    Er reiste mehrmals in den Nahen Osten, unterhält Verbindungen zur Al-Qaida, absolviert Terrortrainings… Selbst die engsten Verwandten von Abedi warnen die Polizei, er sei radikalisiert, gefährlich, und sie hätten Angst vor ihm.

    Jetzt aber müssen britische Sicherheitsdienste erklären, warum der 22-jährige Terrorist den Anschlag dennoch verüben konnte. Die britische Innenministerin Amber Rudd hat laut der Zeitung bereits eingeräumt, Salman Abedi sei den Behörden „bis zu einem gewissen Grad“ bekannt gewesen.

    Dabei ist er sicherlich nicht der einzige, der zu so einer Tat nicht nur willens, sondern auch fähig ist. Rund 850 Briten sind laut der Zeitung ins Ausland gegangen, um dem IS beizutreten, als die Terrormiliz große Gebiete in Syrien und im Irak eroberte. Inzwischen erleiden die Terroristen eine Niederlage nach der anderen, werden vertrieben: Extremisten mit britischen Pässen fliehen zurück nach Großbritannien, wo die Sicherheitsbehörden eine weitere Welle von Anschlägen befürchten müssen.

    Zwar sind laut der Zeitung mehr als 100 britische IS-Kämpfer getötet worden, doch ist rund die Hälfte der einst Ausgereisten, also etwa 400 Mann, zurückgekehrt – mit Waffentraining und Kampferfahrung im Gepäck. Die Zahl dieser Rückkehrer überfordert die britischen Geheimdienste, sind doch 34 Fahnder notwendig, um nur einen einzigen Verdächtigen rund um die Uhr überwachen zu können. Die Kapazitäten von MI-5, dem britischen Inlandsgeheimdienst, sind indes unlängst gekürzt worden: 50 Terrorverdächtige kann die Behörde mit ihren heutigen Möglichkeiten überwachen, mehr ist Zeitungsinformationen zufolge nicht drin.

    Und dann ist da noch das Problem mit den Landesgrenzen. Ein Sprecher der britischen Unabhängigkeitspartei UKIP sagte laut dem Blatt, die schwachen Grenzkontrollen öffneten Tür und Tor für Terrorattacken in Großbritannien.

    Der Fall von Salman Abedi zeige die ganzen Schwächen des Systems, betonte indes der Labour-Abgeordnete Khalid Mahmood laut der Zeitung: „Ich bin sehr besorgt darüber, dass wiedermal ein ehemaliger Kämpfer bei seiner Rückkehr durch unsere Grenzkontrollen durchkam“, so der Politiker.

    Doch wen wundert´s: „Das Grenzschutzpersonal ist seit 2010 um 50 Prozent gekürzt worden“, sagte Mahmood. „Wir haben keine sicheren Grenzen und hatten sie auch noch nie. Diese Person kam zurück – mit vernichtenden Folgen.“

    Wenn ehemalige Kämpfer aus dem Ausland zurückkehren, prüfen die Sicherheitsbehörden, ob sie sich von der IS-Ideologie losgesagt haben oder weiterhin ihrer extremistischen Gesinnung anhängen. Dann können auch Gegenmaßnahmen verhängt werden, wie die Zeitung schreibt: Elektronische Überwachung zum Beispiel. Doch neben den Rückkehrern müssen sich MI-5 und die Polizei auch um jene Extremisten kümmern, die sich bereits im Land befinden. Ein Beispiel: Allein in 2015 wurden laut dem Blatt 150 extremistisch motivierte Ausreisen nach Syrien und in den Irak verhindert.

    „Jetzt müssen sich die Sicherheitsbehörden zehn Mal mehr anstrengen, um der Zahl der Rückkehrer hinterherzukommen“, sagt Mahmood. Biometrische Ausweise seien dabei keine große Hilfe, denn sie prüften ja nur die Einreiseerlaubnis. „Wo man und wie lange man dort gewesen ist, prüft ein biometrischer Pass überhaupt nicht. Man geht an der Grenzkontrolle also einfach durch“, sagt der Politiker und betont: „Durch digitale Methoden allein können wir unsere Grenzen nicht schützen“.

    „Wohin auch immer man sonst fährt: Es gibt eine volle Prüfung, wer rein- und wer rausgeht. Das ist doch wenigstens eine Art von Schutz… Wir aber haben keinen blassen Schimmer, wer raus- und wer reingeht“, empört sich der Politiker.

    Die Premierministerin Teresa May müsse die Verantwortung für dieses Chaos an den Grenzen übernehmen, fordert Mahmood laut dem Blatt. Schließlich sei sie sechs Jahre lang Innenministerin gewesen.

    Dass die Lage katastrophal ist, räumt auch der ehemalige Sicherheitsminister Lord West ein. Es gebe keine Zweifel, dass „unsere Sicherheitslage seit dem Anschlag in London am 7. Juli 2005 nicht wirklich besser geworden ist“, sagt er laut der Zeitung. „Und es hat ja noch den Arabischen Frühling gegeben. Das hat im Nahen Osten alles verworfen. Die Bedrohung ist immer nur schlimmer geworden.“

    Auch die Zukunftsprognose des ehemaligen Ministers fällt düster aus: Je wahrscheinlicher es werde, dass der IS sein Kalifat nicht bekomme, desto „mehr Menschen auch aus Großbritannien – höchst radikalisiert und an der Waffe ausgebildet – werden ihre eigenen Wege suchen“, prophezeit der Sicherheitsexperte.

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    Polizei, Mi-5, Salman Abedi, Manchester, London, Großbritannien