02:47 16 November 2018
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    Tierschutz per Drohne

    Rehkitze per Drohne retten: In Schleswig-Holstein wird Tierschutz futuristisch

    © Foto : Dethleffsen-Jürgensen
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    Hundert Rehkitze wurden in Schleswig-Holstein bereit mithilfe von Drohnen vor den Mähwerken gerettet. Das ist einfacher und effektiver als das Absuchen von großen Flächen mit Hunden – und könnte bei breiter Anwendung in Zukunft knapp 100.000 Rehkitzen das Leben retten.

    Philipp Dethleffsen-Jürgensen aus dem schleswig-holsteinischen Ort Twedt ist Jäger und Landwirt. Die knapp 600 Menschen zählende Gemeinde ist vorwiegend landwirtschaftlich geprägt und so verwundert die Berufswahl nicht. Doch er ist auch technisch auf der Höhe der Zeit, denn er ist Inhaber der Firma Dornhöh Skytech und bietet in diesem Rahmen Windkraftinspektionen und Solaranlagenkontrollen an, die er mithilfe von Drohnen vornimmt.

    Als Landwirt wusste Dethleffsen-Jürgensen schon lange, dass bei der Mahd regelmäßig Rehkitze von den Mähwerken getötet werden, denn den jungen Tieren fehlt der Fluchtinstinkt, stattdessen pressen sie sich ängstlich gegen die Erde und werden von der Maschine mitgenommen. Der technikaffine Landwirt kam also auf die Idee sein Wissen um Drohnen und um dieses Problem zu vereinen – und begann vor rund einem Jahr, Rehkitze mithilfe von Drohnen zu sichten und zu retten.

    Im hohen Gras ist ein Rehkitz fast nicht zu sehen
    © Foto : Dethleffsen-Jürgensen
    Im hohen Gras ist ein Rehkitz fast nicht zu sehen

     

    Nach Dethleffsen-Jürgensen ist das Ganze recht einfach:

    „Man steht vor dem Feld und sucht sich das Feld auf einer Karte aus, die Google Earth ähnelt. Dann klickt man am Laptop die Eckpunkte ab, damit das Feld einmal umrundet ist und gibt dem Laptop vor, in welcher Höhe und mit welcher Geschwindigkeit die Drohne dann fliegen soll. Der Laptop rechnet automatisch die kürzeste Flugbahn aus und dann fliegt die Drohne mit der Thermalkamera übers Feld.“

    Wo sich etwas von der Wärme her vom Umfeld abhebt, zeige die Kamera dann in Form von roten Flecken an.

    So sieht ein Rehkitz im Wärmebild aus
    © Foto : Dethleffsen-Jürgensen
    So sieht ein Rehkitz im Wärmebild aus

    Auf diese Weise wurden dieses Jahr schon knapp 100 Rehkitze vor der Mahd gerettet. Das ist natürlich nur ein Tropfen auf den heißen Stein, denn die Deutsche Wildtierstiftung schätzt die Zahl der Rehkitze, die auf diese Weise verenden auf 100.000 im Jahr. Aber der Drohnenpilot arbeitet bisher allein und außerdem müssen vorher die Bauern verständigt werden, deren Felder auf diese Weise durchsucht werden. Dabei mache es Sinn, mehrere angrenzende Grundstücke in einem zu überfliegen, denn so könne man auch verhindern, dass ein Rehkitz von einem Feld zum anderen hinüber laufe und zudem erspare es unnötige Arbeit und sei günstiger.

    Während der Mahd halten sich die Rehkitze in Kartons mit Gras auf
    © Foto : Dethleffsen-Jürgensen
    Während der Mahd halten sich die Rehkitze in Kartons mit Gras auf

    Momentan wird diese Zusammenlegung angrenzender Grundstücke von Jägern besorgt. Zu denen zählt auch Christopher von Dollen, Revieroberjäger vom Hegelehrrevier Grönwohld, der bei den Drohnenaktionen dabei ist und die neue Methode sehr schätzt. „Früher haben wir mit Jagdhunden die Flächen in mühevoller Kleinarbeit abgesucht und versucht, die Kitze zu finden oder von den Flächen zu vergrämen“, sagt er vergleichend. Dabei hätte man dennoch keine so guten Resultate erbringen können, mit den Drohnen betrage für ihn die Erfolgsrate hingegen „annähernd 100 Prozent“.

    Das Hauptinteresse an der Rehkitzsuche liege derzeit noch bei der Jägerschaft, aber man hoffe, mit der Zeit auch die Bauern stärker zu gewinnen, damit sie bei dieser Aufgabe ebenfalls aktiver mithelfen, denn auf deren Hilfe sei man angewiesen, so der Jäger Christopher von Dollen.

    Das Interview mit Philipp Dethleffsen-Jürgensen:

     

    Das Interview mit Christopher von Dollen:

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    Tags:
    Tierschutz, Landwirte, Jäger, Drohne, Deutschland