05:28 29 September 2020
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    “Deutsche Polizisten schützen die Faschisten” – dieser Schlachtruf war aus den Reihen der Gegendemonstranten, die sich am Samstag in Berlin der Demonstration der Identitären Bewegung entgegenstellten, immer wieder zu vernehmen. Mittendrin war die Aktivistin Irmela Mensah-Schramm und wurde vor laufenden Kameras festgenommen.

    Mit einem Filmteam ist Irmela Mensah-Schramm am Samstag zu den Protesten gegen die Demonstration der Identitären Bewegung in Berlin-Wedding erschienen. Die Rentnerin, die durch das Entfernen von Nazi-Graffiti und Aufklebern bundesweit bekannt geworden ist, wird nicht müde, gegen Rechts auf die Straße zu gehen. Sie sei Jahrgang 1945 und könne nicht rückgängig machen, was passiert ist, doch sie wolle durch ihren persönlichen Einsatz alles dafür tun, dass sich die Gräuel der Nazi-Zeit nicht wiederholen, erzählt sie.

    Die Identitären hält sie für gefährlich, weil sie nicht auffallen.

    „Die Identitären halte ich für fast noch gefährlicher, als die Springerstiefel-Nazis – die sieht man sofort und da weiß man, was man tun muss. Die Identitären können aber morgen neben mir in der S-Bahn sitzen. Sie arbeiten versteckt und machen auf gewaltfrei. Sie verbreiten aber Hetze.“

    Gewalt seitens des IB habe sie bei der Demonstration am Samstag nicht mitbekommen, räumt sie jedoch ein.

    „Ich habe von Attacken der Identitären auf Polizeibeamte gelesen, selbst habe ich keine gesehen. Wir sind von ihnen nicht angegriffen worden, sie haben mit uns nur rumgefrotzelt in ihrer blöden Art, aber das geht eh an mir vorbei.“ 

    Sie selbst habe sich in einer Sitzblockade positioniert, um den Zug des IB aufzuhalten. Sie betont, dass die Blockade friedlich war und zu keinem Zeitpunkt Gewalt von ihr ausgegangen sei. Den Einsatzkräften der Polizei wirft Mensah-Schramm vor, bei der Räumung der Blockade unnötig grob vorgegangen zu sein: „Die Reihe hinter mir wurde geräumt und ich sah, wie sie ganz rabiat mit einem Jugendlichen umgingen“. 

    Auch sie selbst sei erst von einem Anti-Konflikt-Beamten mehrfach gewarnt worden bevor sie dann weggetragen und festgenommen wurde. Diesen Moment haben umstehende Kamerateams festgehalten.

    „Als ich nach der Räumung der Blockade festgenommen worden war und mir der Ausweis zur Personalien-Feststellung weggenommen wurde, haben die Polizisten bei meinem Namen mitbekommen, wer ich bin. Das hat sie so verunsichert, das hat mir richtig gefallen“, erinnert sich die alte Dame amüsiert.

    Während ihre Personalien aufgenommen wurden, sei ein alkoholisierter Mann an ihr vorbeigelaufen, habe sie angepöbelt und gesagt, er fände Nazis gut. Die Sicherheitskräfte hätten ihn weggedrängt, doch ehe er aus der Sichtweite war, habe er den Hitler-Gruß gezeigt. Daraufhin hätten ihn die Polizisten festgenommen.

    „Ich hoffe, sie hätten das so oder so gemacht, aber ich hatte den Gedanken, ob sie sich wegen des anwesenden Fernsehteams genötigt sahen, etwas zu tun. Einen Hitler-Gruß zu zeigen ist für mich schlimmer, als mit einer Sitzblockade eine Nazi-Demo zu behindern.“

    Aus ihrer Erfahrung mit dem Entfernen von Nazi-Symbolen habe sie den Eindruck, die Polizei schütze die Rechten und gehe stattdessen gegen Linke vor.

    „Ich persönlich erlebe es oft, wenn ich mit Nazis aneinandergerate, die mich bedrohen und angreifen. Die Nazis bleiben auch brav da, wenn ich die Polizei rufe, denn sie wissen, dass sie nichts zu befürchten haben. Ich habe es erlebt, dass die Polizei in Gegenwart dieser Nazis mir ins Gesicht gesagt hat, dass sie ihre Sticker kleben dürfen. Ich darf sie nicht abmachen – das sei strafbar. Dann ist es doch nicht abwegig, wenn man auf den Gedanken kommt: Deutsche Polizisten schützen die Faschisten.“

    Nach Polizeiangaben sind am Samstag mehrere Hundert Demonstranten und etwa genauso viele Gegendemonstranten zu der angemeldeten Demonstration in Berlin-Wedding erschienen. Die Polizei war mit 1000 Beamten im Einsatz. Die Demonstration sei weitgehend friedlich verlaufen, einige Gegendemonstranten seien festgenommen worden, weil sie versucht hatten, den Demonstrationszug zu kreuzen bzw. mit Sitzblockaden aufzuhalten. 

    Bericht: Ilona Pfeffer


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    Tags:
    Demonstration, Identitären-Bewegung, Polizei, Irmela Mensah-Schramm, Berlin-Wedding