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09:00 19 Oktober 2019
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    Der saudische König Salman (rechts, im Vordergrund) mit seinem Sohn und Kronprinz Mohammed (Archivbild)

    Wände raus, Thron in Festsaal: Hamburger Hotelchef über Besuch der „VVVips“ aus Riad

    © AP Photo / Saudi Press Agency
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    Der Direktor des Hamburger Luxushotels „Vier Jahreszeiten“, Ingo Peters, hat zum G20-Gipfel den saudischen König Salman ibn Abd al-Aziz und dessen Gefolge zu Gast. Im Interview mit dem „Manager Magazin“ spricht Peters über die größten Herausforderungen bei den aufwendigen Vorbereitungen, notwendige Umbauten und über seinen Stresspegel.

    Für den Gipfel hat das saudische Königshaus das komplette Hotel vom 4. bis zum 9. Juli gebucht. In ganz Hamburg hat es 400 Zimmer und Suiten gemietet, 160 davon im „Vier Jahreszeiten“ an der Binnenalster. In der über 400 Quadratmeter großen Royal Suite in der vierten Etage des Hotels soll der 81-jährige König höchstpersönlich nächtigen.

    „Im Vorfeld des Gipfels hatte ich den Organisatoren meine Bedingungen genannt: Wir würden unser Haus nur komplett für eine Woche vermieten und nur geschlossen an eine einzige Delegation. Gegen Vorkasse. Es gab mehrere Interessenten, aber die Saudis hatten mit unseren Bedingungen kein Problem. Das war bei den anderen nicht unbedingt so“, sagt Peters gegenüber dem Magazin.

    Der „exzellent arbeitende“ Reisestab des saudischen Königs sei schon im Vorfeld des Gipfels mehrmals angereist, um die Suiten und Zimmer zu inspizieren. Sämtliche Räumlichkeiten seien fotografiert und allerlei bauliche Veränderungen geplant worden. Das saudische Delegation werde auch die Kosten für die nötigen Umbauten übernehmen, so der Hotelchef ferner.

    „In der Suite des Königs montieren wir temporär Panzerglas vor die Fenster. Ein paar Wände mussten umgesetzt werden. Und für den König ist auch unsere Royal Suite im Grunde viel zu klein — der braucht große Empfangsräume. Unsere Festsäle haben in etwa das Format königlicher Wohnzimmer und werden mit Sofas und anderen Möbeln für die Zeit seines Aufenthalts zu Lounges und Wohnbereichen umgebaut. Dort wird auch der Thron stehen, den der König mitbringen wird.“

    Zwar bringe der König seine eigenen Köche mit, doch diese würden nur ihr Oberhaupt und dessen engen Vertrauten bekochen. Die übrigen 130 bis 140 Leute sollen also vom Hotel versorgt werden. In diesem Zusammenhang nennt Peters die größte Herausforderung für sein Haus: die Logistik.

    „Die Gäste kommen ja alle zugleich an, und alle werden sofort etwas wollen. Das sind alles absolute VVVips, die gewohnt sind, dass ihnen mit einem Fingerschnipp auch nachts um drei jeder Wunsch sofort erfüllt wird — und wenn es ein halbes Lamm ist“, betont der Hoteldirektor.

    „Wir müssen das Gepäck aus fünf 7,5-Tonnen-Lkws sehr zügig und vor allem fehlerfrei auf die 160 Zimmer verteilen. Und dann die Wäscheberge, die ja gleich nach der Reise anfallen: Bis so ein traditionelles arabisches Männergewand, ein Thawb, gewaschen und gebügelt ist, das dauert. Und die arabischen Gäste erwarten Service rund um die Uhr, gegessen wird gerne auch nach Mitternacht oder morgens vor sieben. Wir müssen gewährleisten, dass wir diesen Service jederzeit bieten können.“

    Um das zu bewerkstelligen, gebe es für das gesamte Hotelpersonal eine komplette Urlaubssperre. Alle 60 Azubis seien an diesen Tagen von der Berufsschule freigestellt, zusätzlich kämen temporäre Kräfte, die das Haus bereits kennen. „Es wird ein Kraftakt“, gibt Peters zu.

    Das Fairmont Vier Jahreszeiten  an der Alster in Hamburg
    Das "Fairmont Vier Jahreszeiten" an der Alster in Hamburg

    Der Hoteldirektor wirkt müde: Mehrmals kann er während des Interviews sein Gähnen nicht unterdrücken, schreibt das „Manager Magazin“. Dennoch sehe man ihm die Vorfreude an.

    „Ich liebe so etwas. Dieses Haus ist 120 Jahre alt. Wir hatten viele berühmte Gäste hier. Jetzt schreiben wir weiter Geschichte. Der Besuch des saudischen Königs wird einen Ehrenplatz in unserem Archiv einnehmen. Ich freue mich wirklich immens darauf.“

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    Tags:
    Hotel, G20-Gipfel in Hamburg, Salman ibn Abd al-Aziz, Riad, Saudi-Arabien, Hamburg, Deutschland