03:40 21 November 2017
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    Tourismus in Russland, Krasnodar, Dzhubga (Archivbild)

    Neugier auf die Anderen wecken – Russland und Österreich fördern gemeinsam Tourismus

    © Sputnik/ Witaly Timkiw
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    Lebenswirklichkeit und Schönheit Russlands und Österreichs soll das gemeinsame Tourismusjahr 2017 beider Länder den Menschen vermitteln. Das betont Emil Brix, österreichischer Botschafter in Russland, im Sputnik-Interview. Die Initiative ist bewusst angesichts des schwierigen Verhältnisses zwischen dem Westen und Russland gestartet, so Brix.

    „Das ist auch ein Ausdruck kultureller Verbindung beider Länder“, sagte der Botschafter Österreichs zu dem gemeinsamen Tourismusjahr. Mit ihm sprach Sputnik-Korrespondent Nikolaj Jolkin am Rande eines kürzlich organisierten russisch-österreichischen Workshops der Tourismusbranche.

    „Für den Tourismus ist Vertrauen, habe ich mir Erfahrung gemacht, ganz wichtig. Das ist eine entscheidende Voraussetzung, dass man überhaupt daran denkt, ein anderes Land zu besuchen, dass man eine positive Einstellung zu diesem Land hat.“

    Sich zu einem Land hingezogen zu fühlen, sei wichtig, nicht nur der Wunsch nach Hitze und Meer, meinte Brix fort, auch eine gewisse Neugier und eine Liebe für ein Land. „Und das ist das, was wir brauchen: mehr Neugier auf die anderen, auf das, was in dem anderen Teil der Welt passiert.“

    Das sei nicht immer einfach, weil die Politik es manchmal nicht leichtmache: „Es gibt Missverständnisse. Auf beiden Seiten, selbstverständlich. Österreich hat aber immer die Tradition gehabt, ein Brückenbauer zu sein. Und wir sind gerne ein politischer Brückenbauer. Gleichzeitig sind wir ein Land, in dem man selbst alles erleben kann, was es bedeutet: Europa, seine Vielfalt, seine Offenheit, seine trotz aller patriotischen Gefühle Bereitschaft, das Andere auch anzunehmen.“

    Das Interesse der Österreicher an Russland

    Gerade diese Neugier habe noch vor 500 Jahren Sigismund von Herberstein gehabt, als er als erster Botschafter Österreichs nach Moskau gegangen sei, erinnerte der heutige Vertreter seines Landes. „Für ihn war Russland so faszinierend, dass er ein Buch geschrieben hat, um dem Westen zu erklären, wie Russland tickt, wie Russland lebt, wie Russland denkt. Es hat sich nichts daran geändert. Denn wir haben in Österreich nach wie vor die Weltoffenheit, die auch heißt, Neues entdecken zu wollen. Daher gibt es für die österreichischen Touristen in Russland wirklich viel zu entdecken.“

    Tourismus in Russland, Dombay, Karatschai-Tscherkessische Republik
    © Sputnik/ Denis Abramow
    Tourismus in Russland, Dombay, Karatschai-Tscherkessische Republik

    Dieses Tourismusjahr sei für sie noch eine Chance, nicht nur Moskau und Sankt Petersburg zu erleben, sondern auch zu fragen: „Wo sind diese wunderbaren Schönheiten, die bis nach Kamtschatka im Fernen Osten reichen, die es alle zu entdecken gilt?“ Voraussetzung dafür sei, dass auch die russische Seite entsprechende Angebote und Infrastruktur habe. Der österreichische Tourist sei wie die meisten westlichen Touristen verwöhnt. Der Botschafter sprach sich dafür aus, im Tourismus zusammenzuarbeiten, um aufgrund der gegenseitigen Erfahrungen die entsprechende Infrastruktur „heute und morgen zu verbessern.“

    • Der russisch-österreichische Tourismus-Workshop
      Der russisch-österreichische Tourismus-Workshop
      © Foto: Igor Kazakov
    • Emil Brix (l.) im Gespräch mit Sputnik-Reporter Nikolaj Jolkin
      Emil Brix (l.) im Gespräch mit Sputnik-Reporter Nikolaj Jolkin
      © Foto: Igor Kazakov
    • Der russisch-österreichische Tourismus-Workshop
      Der russisch-österreichische Tourismus-Workshop
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    Der russisch-österreichische Tourismus-Workshop

    Tipps für den Russland-Trip

    Brix, der nach seinen Worten viel in Russland schon gesehen hat, empfahl seinen Landsleuten, unbedingt das Wolga-Delta zu besuchen. „Ich war in Astrachan und bin dann bis zum Kaspischen Meer gefahren. Es ist eine wunderschöne Naturlandschaft. Ich habe so viele Schwäne und Seeadler gesehen wie bisher nirgendwo anders auf der Welt. Das würde ich jedem empfehlen.“

    Die buddhistische Republik Kalmückien sei ebenso ein lohnens- und entdeckenswertes Reiseziel. „Ich war in der Hauptstadt Elista und habe eine Gelassenheit und auch eine Lebensfreude entdeckt, die ganz anders als in anderen Teilen Russlands ist, eine sehr sympathische Art zu leben. Und diese Steppe dort auch.“

    Auch die Teilrepublik Karelien faszinierte den Botschafter Österreichs. „In Karelien ist diese wunderschöne, für mich sehr klare nordische Landschaft, Murmansk selbst natürlich auch, aber mich haben die Solowezki-Inseln (Solowki) besonders beeindruckt. „Ich bin bei Eis und Schnee vor relativ kurzer Zeit mit einem Schiff auf die Solowezki-Inseln gefahren. Es war noch so viel Eis und Schnee, dass wir nicht einmal in den Hafen fahren konnten, und ich musste in das Schlauchboot umsteigen und wurde mit ihm dann auf die Insel gebracht, sodass ich Anfang Mai der einzige Tourist auf den Solowezki-Inseln war.“

    Tourismus in Russland, Nationalpark Wodloserski in der Republik Karelien
    © Sputnik/ Ilya Timin
    Tourismus in Russland, Nationalpark Wodloserski in der Republik Karelien

    Das russisch-östeгreichische Tourismusjahr hat dazu beigetragen, die Zahl der gegenseitigen Besuche zu erhöhen. Schon im ersten Halbjahr nahm die Zahl der Russen, die Österreich besucht haben, um 35 Prozent zu. Eine besondere Bedeutung hat auch der Umstand, dass Österreich russischen Bürgern einen sicheren Urlaub garantiert, was in den traditionellen Urlaubsländern der Russen wie Ägypten, Türkei und Tunesien derzeit nicht gewährleistet werden kann.

    Das komplette Interview zum Nachhören:

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    Tags:
    Offenheit, Tourismus, Nikolaj Jolkin, Österreich, Russland
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