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    Deutsche Journalismus-Studie: „Überregionale Medien haben Bevölkerung vergessen“

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    Zahlreiche deutsche Tages- und Regionalzeitungen haben während der Flüchtlingskrise zu unkritisch berichtet – so lautet das Fazit einer Studie der Otto-Brenner-Stiftung. Laut Michael Haller, Leiter der Studie, haben sich die Mainstreammedien mit den Ansichten der politischen Eliten gemein gemacht und die Bevölkerung völlig außer Acht gelassen.

    „Diese überregionalen Medien haben sich ganz auf die Szenerie der Politik in Berlin eingelassen und haben eigentlich einen internen Diskurs mit der Politik in Berlin geführt und dabei gleichsam die Bevölkerung vergessen, also die Menschen, die mit dieser Thematik unmittelbar zu tun haben und tun hatten“, so Haller im Deutschlandfunk.

    „Die Probleme, die sich in der Alltagswelt der Menschen stellten, kommen nur ausnahmsweise vor, regelhaft aber der Streit zwischen einzelnen Köpfen in der Politik, die kamen ganz prominent weg.“

    Er kritisierte ferner, die etablierten Medien hätten sich mit den Ansichten der politischen Eliten gemein gemacht.

    „Das ist nicht ein Vorwurf, sondern ein Befund.“

    Darüber hinaus sieht Haller auch abseits der Flüchtlingsthematik wenig Perspektivenwechsel in der deutschen Berichterstattung. Die Meinungen der Machthabenden seien dominant.

    „Man kann schon sagen, dass der große Komplex der Flüchtlingsberichterstattung wie eine große Fallstudie sich zeigt darüber, wie der, ich sage mal hier jetzt: der etablierte Journalismus, also insbesondere derjenige der großen Mainstreammedien, wie dieser Journalismus mit dem tagtäglichen Geschehen umgeht, und ich denke schon, dass man daran erkennen kann, dass auch jenseits der Flüchtlingsthematik, also auch heute in den Alltags-, in den relevanten Themen des Alltags die Perspektive der Machthabenden, der Entscheider dominant ist und der Perspektivenwechsel, auf den es so sehr ankäme in einer so ausdifferenzierten und komplex gewordenen Gesellschaft, der Perspektivenwechsel in Bezug auf die Beteiligten, die Betroffenen, die verschiedenen Einstellungen, Auffassungen, Gruppen und Haltungen, hier auch aus der Sicht derjenigen, die direkt damit zu tun haben, zu berichten, dieser Perspektivenwechsel fällt auch heute sehr schwer, obwohl viel darüber geredet wird.“

    Die Studie hat die Berichterstattung deutscher Tageszeitungen wie der „Süddeutschen Zeitung“, „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, „Welt“, „Bild“ und mehrerer Regionalzeitungen untersucht. 17.000 Artikel aus dem Zeitraum zwischen Februar 2015 und März 2016 wurden laut Haller „mikroskopisch genau mit entsprechenden tiefergehenden Analyseinstrumenten“ von der Universität Leipzig und der Hamburg Media School ausgewertet, um herauszufinden, in welchen Konnotationen über diese Thematik berichtet wurde.

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    Tags:
    Medien, Mainstream, Berichterstattung, Migranten, Flüchtlingspolitik, Deutschland