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23:05 16 Juli 2019
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    Radrennen Moskau-Wladiwostok „Red Bull Trans-Siberian Extreme“

    Radrennen über 9200 Kilometer: „Wenn nicht gewinnen, dann wenigstens überleben“

    © Sputnik / Nikolaj Jolkin
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    Das mit 9200 Kilometer weltweit längste Radrennen Moskau-Wladiwostok „Red Bull Trans-Siberian Extreme“ entlang der legendären Transsib-Eisenbahnlinie umfasst 14 Etappen und ist drei Mal länger als die berühmte Tour de France. Es verläuft unter anderem über Nischni Nowgorod, Kasan, Perm, Jekaterinburg, Tjumen, Omsk und Krasnojarsk.

    Zehn Ultramarathon-Radfahrer aus Deutschland, Dänemark, Irland, Brasilien, USA, Philippinen und Russland wollen in gut drei Wochen am 6. August das Endziel erreichen. Sie starteten am Mittwoch in Moskau und werden fünf Klima- und acht Zeitzonen passieren.

    „Wir haben dieses Jahr nur Solostarter und keine Zweierteams wie im vorigen Jahr“, sagte der Initiator des einmaligen Radrennens Paul Bruck von Bruck Consult & Most Management im Interview. Gegenüber Sputnik-Korrespondent Nikolaj Jolkin berichtete er vor dem Start: „Das erste Mal haben wir zwei Frauen, die mit dabei sind und auch solo fahren. Solo- und Duo-Rennen sind zwei unterschiedliche Rennen. Das hat uns 2016 schon Logistikprobleme gemacht, weil wir das härteste Radrennen der Welt machen wollen.“

    Radrennen Moskau-Wladiwostok „Red Bull Trans-Siberian Extreme“
    © Sputnik / Nikolaj Jolkin
    Radrennen Moskau-Wladiwostok „Red Bull Trans-Siberian Extreme“

    Frauen unter Extrem-Athleten

    Da es für jeden kompliziert sei, so eine lange Strecke zurückzulegen, kann Bruck sich gar nicht vorstellen, wie eine Frau das schaffe. „Wir haben aber zwei tolle Athletinnen.“ Ob sie die Tour bewältigen, zeige sich in 24 Tagen. „Wenn nichts zu Unerwartetes passiert, traue ich es allen zehn Startern zu, durchzukommen.“

    Radrennen Moskau-Wladiwostok „Red Bull Trans-Siberian Extreme“
    © Sputnik / Nikolaj Jolkin
    Radrennen Moskau-Wladiwostok „Red Bull Trans-Siberian Extreme“

    Der Russe Alexei Schtschebelin konnte wie andere Teilnehmer der Langstreckenfahrt vor einem Jahr das Endziel nicht erreichen. Nun macht er einen neuen Versuch, mit den Erfahrungen von 2016: „Damals war auf dem mit 1400 Kilometer längsten zwölften Abschnitt das Tempo des Rennens wegen der Wetterverhältnisse sehr langsam. Es regnete auch rund um die Uhr und es war ein starker Gegenwind. Bei mir stellten sich Erkältungssymptome ein. Ich schätzte den Zeitplan des Rennens ab. Es erwies sich, dass ich nur eine Stunde vor dem Start der neuen 750 Kilometer langen Etappe nach Chabarowsk an der Ziellinie ankommen würde. Dann beschloss ich mit einem Brasilianer und einem Österreicher, aus dem Rennen auszusteigen, um nicht zu erkranken. Rennen hin, Rennen her, aber die Gesundheit ist wichtiger.“

    Schwimmbekleidung mitgenommen

    Jetzt hat er Lehren aus dem Misserfolg gezogen und sich nach seinen Worten vor allem besser auf das Wetter vorbereitet. Schtschebelin wusste, dass im Osten Russlands der Sommer manchmal sehr heiß ist. Die Temperatur erreicht bis zu 40 Grad. Er habe im vergangenen Jahr nicht mit starken Temperaturschwankungen gerechnet und keine richtige Ausrüstung mitgenommen, „die es mir erlauben würde, beim kälteren Wetter bequem zu fahren.“ Diesmal hat er für den Fall des Regens keine Radbekleidung, sondern eher solche fürs Schwimmen mitgenommen, auch Neoprenhandschuhe und —socken dazu. „Unsere Wärmeregler sind ja die Hände und Füße. Sie müssen in erster Linie abgedämmt werden. Dies sorgt für einen Blutfluss, der für die Bewegung ausreicht.“

    Schluck Wasser vom Pazifik trinken

    Der einzige deutsche Teilnehmer und Sieger des Rennens „Race Across America 2016“, Pierre Bischoff, meint, je länger die Strecken seien, desto besser sei es für ihn. Ihm helfe seine mentale Stärke: „Ich kann nicht unbedingt schnell, aber sehr lange fahren. Ich habe eine gewisse Grundgeschwindigkeit. Damit kann ich das Ziel immer erreichen – und das ist mein Hauptziel.“

    Er folge dem Ratschlag des österreichischen Dichters Rainer Maria Rilke „Die Hauptsache ist nicht zu gewinnen, sondern zu überleben!“ Und gewinnen werde er sowieso, „weil ich einfach ganz tolle Erfahrungen machen und viele Freundschaften gewinnen wird, Russland kennenlernen kann, weil ich als Deutscher bis jetzt noch nicht in Russland war. Welche Platzierung ich habe, ist egal.“

    Radrennen Moskau-Wladiwostok „Red Bull Trans-Siberian Extreme“
    © Sputnik / Nikolaj Jolkin
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    Extrem-Radler Bischoff erwartet, dass die Menschen im ländlichen Gebiet noch freundlicher sein werden, „weil ich selber schon überrascht bin, wie freundlich und hilfsbereit es in Moskau ist“. Gleichzeitig ist er negativ überrascht, was die Verkehrssituation angeht – „weil sie wirklich sehr crazy hier ist“. Der Athlet hofft trotzdem auf tolle Erfahrungen: „Ich freue mich auf das, was kommt.“ Und er will „am Ende ein Schlückchen Wasser von dem Stillen Ozean“ trinken.

    Das komplette Interview zum Nachhören:

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    Tags:
    Extremsport, Radrennen, Red Bull, Nikolaj Jolkin, Deutschland, Russland