19:41 14 November 2019
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    N. Satanik

    „U-Bahn-Stars“ in Wien – Künstler mit Honorar oder Sklaven für „Hutgeld“?

    © Foto : N. Satanik/privat
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    Ein Projekt für Straßenmusikanten in Wien sorgt für Debatten. Während die Künstler nur für das „Hutgeld“ spielen, fordert die österreichische Musikergewerkschaft ein ordentliches Honorar. Der Gewerkschaftsvorsitzende spricht von „Sklaven“. Die teilnehmenden Musikanten freuen sich unterdessen, an einem beliebten U-Bahnhof auftreten zu können.

    Mit offizieller Erlaubnis dürfen 14 Straßenmusikanten in Wien seit dem 19. Juli am hauptstädtischen Westbahnhof spielen. Sie nehmen am Projekt „U-Bahn-Stars“ teil, eingeladen von dem städtischen Verkehrsunternehmen „Wiener Linien“. Allerdings werden sie dafür nicht bezahlt, ärgert sich der Vorsitzende der österreichischen Musikgewerkschaft, Peter Paul Skrepek im Sputnik-Interview:

    „Den Herren gehört der Sklave, der Sklave tanzt und springt, das Publikum freut sich und der Herr braucht nichts bezahlen. So funktioniert das auch hier“.

    Chester Bennington (links)
    © AP Photo / Owen Sweeney/Invision
    Skrepek meint zum Projekt „U-Bahn-Stars“: „Wie so oft handelt es sich um eine sehr gute Idee, deren Umsetzung sehr zweifelhaft ist“. Er ist ganz sicher, dass die Leistungsschutzrechte der Künstler in diesem Fall ignoriert werden, wie er im Interview sagte. Die Leistungen der Musikanten könnten problemlos genutzt, mit Video oder Mikrofon aufgenommen und auf beliebige Weise verwendet werden. Das sei eine Verletzung des Prinzips, dass künstliche Leistungen etwas wert seien, so der Vorsitzende der Musikergewerkschaft. Er zog eine Parallele zwischen dem Projekt „U-Bahn-Stars“ und der Feudalgesellschaft:

    „Den Herren gehört der Sklave und er braucht nichts bezahlen. Das ist natürlich sehr überspitzt formuliert, aber was uns wirklich am meistens stört ist die Ignoranz mit der man diesem Vorgang gegenüber steht. Für ihre Leistungen verdienen die Musikerinnen und Musiker eine Gage“.

    Skrepek vermutet, dass die Teilnehmenden sich nicht bewusst seien, welche Rechte sie haben, und sich nur freuten, auftreten und spielen zu können.

    Straßenmusik wird für „Hutgeld“ gespielt

    Eine Sprecherin der Wiener Verkehrsbetriebe erklärte dazu gegenüber Sputnik: „Es gibt eine Vereinbarung zwischen uns und den Künstlerinnen und Künstlern, dass wir Fotos und Videos von ihnen für Werbung verwenden dürfen. Sie profitieren auch davon. Das ist eine Vereinbarung, die vom Beginn an den Teilnehmerinnen und Teilnehmern bekannt war. Alle Fragen wurden mit ihnen im Voraus besprochen. Unser Projekt ist eine Plattform, eine Bühne, die genutzt werden kann von den Künstlern und Künstlerinnen für die Straßenmusik.“

    Salvador Dalis Ausstellung (Archivbild)
    © REUTERS / Alexander Demianchuk
    Die Idee der „Wiener Linien“ sei es, mit den „U-Bahn-Stars“ die Stationen zu beleben und den Musikanten in den Bahnhöfen eine Auftrittsmöglichkeit zu bieten. Letztlich sollen sich auch die Fahrgäste wohlfühlen. Als Vorbild dienten ähnliche Projekte in London und New York, wo Umfragen gezeigt haben, dass sich die Passanten sicherer und wohler fühlen, wenn sie die Musik hören. Zum Thema Bezahlung sagte die Sprecherin des städtischen Unternehmens, dass Straßenmusik für das „Hutgeld“ gespielt werde. Die Musikanten, die bisher mitmachten, hätten sich positiv geäußert, weil der Westbahnhof ein stark besuchter Ort sei.

    Musikanten und Passanten haben etwas davon

    Die Teilnehmenden am Projekt sind zufrieden. Zu ihnen gehört der Straßenmusiker Niklas Satanik. Er findet es schade, dass ihm nichts bezahlt wurde. Aber „das kann noch werden“, meinte der Künstler im Gespräch und fügte hinzu: „Ich warte und habe Geduld.“ Er betrachtet das „Hutgeld“, das er bekommt, schon als eine Bezahlung, weil er in einem guten Platz spiele und ganz beliebt sei. Wahrscheinlich wird die Situation in der Zukunft sich verbessern, hofft Satanik. Die Musikanten freuen sich darauf, dass sie spielen dürfen, und die Passanten sind froh, dass sie die schöne Musik täglich hören können.

    Mehr als 200 Interessenten haben sich für das Projekt in Wien beworben. 14 „U-Bahn-Stars“ wurden teilweise durch eine professionelle Jury und ein Online-Voting ausgewählt. Sie sind in den folgenden zwei Monaten täglich von 15 bis 23 Uhr am Wiener Westbahnhof zu hören.

    Kristina Akopova

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