05:58 20 September 2017
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    Sperma (Symbolbild)

    „Sperma-Krise“ im Westen: Interview mit dem Macher einer erschreckenden Studie

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    Die Spermaproduktion westlicher Männer hat im Verlauf von 40 Jahren um über die Hälfte abgenommen – das zeigt eine neue Studie. Manche Ursachen für Spermarückgang wie Rauchen und Fettleibigkeit sind bekannt, aber es gilt nun schleunigst alle Ursachen zu erforschen, die für einen solchen Rückgang verantwortlich sind.

    Eine Studie der Hebräischen Universität Jerusalem zeigt: Bei westlichen Männern hat sich die Spermienproduktion beträchtlich verringert: So habe im Zeitraum 1973-2011 die Spermienkonzentration von männlicher Samenflüssigkeit um insgesamt 52,4 Prozent abgenommen, die Gesamtzahl vorhandener Spermien sei sogar um 59,3 Prozent gefallen, erklärt der Hauptautor der Studie Dr. Hagai Levine, Leiter Abteilung für Umweltgesundheit an der Hebräischen Universität Jerusalem.

    An dieses erschreckende Resultat schließt sich die Forderung des Forschers an: „Auf jeden Fall müssen wir jetzt dringend die Ursachen männlicher Unfruchtbarkeit und des Spermienabfalls untersuchen. Und gleichzeitig müssen wir Ursachen, von denen wir wissen, dass sie spermienschädigend sind, angehen und Männer von diesen katastrophalen Umwelteinflüssen zu schützen.“

    Für den Autor ergibt sich aus der Studie: „Die Zahl der Männer, mit eingeschränkter Fruchtbarkeit bis hin zu Unfruchtbarkeit hat sich bedeutend erhöht.“ Da geringe Spermienproduktion auch ein Indikator für Krankheit und Sterblichkeit ist, zieht er auch das Fazit: „Die allgemeine Gesundheit von Männern sinkt.“ Dieser Wandel könne nur auf schädigende Umwelteinflüsse zurückgeführt werden, weil genetische Veränderungen niemals so schnell passieren können.

    Aber warum gerade der westliche Mann? Man habe alle erhältlichen Daten ausgewertet, sagt Levine. Das seien Studien aus über 50 Ländern gewesen, darunter auch nicht-westlichen. Aber bei den letzteren gibt es einen Mangel an Daten, deswegen lässt sich da der Trend nicht genau ermitteln. Von den gegeben Daten her kommt er zu dem Schluss, dass bei nicht-westlichen Männern der Abfall der Spermienproduktion nicht so hoch sei.

    Über die Ursachen für dieses Phänomen selbst trifft die Studie keine Aussagen, diese Arbeit will der Autor als nächstes angehen. So viel sagt er aber: Dass man bereits um diverse chemische Einflüsse wisse, die sich negativ auf die Spermienproduktion auswirken. Hierzu zählt der Autor zum Beispiel Pestizide.

    „Hinzu kommt ein gewisser Lebensstil, zum Beispiel Rauchen, Fettleibigkeit und ein Mangel an Bewegung“, so Levine.

    Bei der Studie handelt es sich um die erste meta-analytische Studie in diesem Gebiet. Meta-analytisch bedeutet, dass darin eine Vielzahl von Studien verglichen und aus dem gesamten Material Trends abgeleitet wurden, die die Spermienproduktion betreffen. Aus insgesamt knapp 7500 Untersuchungen zu dem Thema hatte die Gruppe um Levine 185 geeignete Studien ausgewählt.

    Valentin Raskatov

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    Tags:
    Sperma, Rauchen, Folgen, Forschung, Gesundheit, Israel
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