21:33 22 November 2017
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    Bienen auf dem US-Stützpunkt in Virginia (Archivbild)

    Wie Bienen Panzer kampfunfähig machen – Insekten als Waffen

    CC0 / U.S. Air Force/Master Sgt. Carlos Claudio
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    Experten schließen nicht aus, dass Mücken, Flöhe, Bienen und Käfer auch heute noch in Militärkonflikten eingesetzt werden könnten. Insekten wurden bereits in der Antike als Waffen eingesetzt. Der bekannte Insektenforscher Jeffrey Lockwood hat darüber das Buch „Sechsbeinige Soldaten“ geschrieben.

    Erste Nachweise, dass Insekten in Kriegen benutzt wurden, gibt es aus dem 4. Jahrhundert vor Christus. Aineias Taktikos schrieb damals in seinem Traktat „Über die Verteidigung belagerter Stellungen“, dass die Belagerten in ausgegrabenen Gängen Bienen und Wespen zurückließen. Sogenannte Bienen-Bomben – Gefäße mit giftigen stechenden Insekten – wurden von den römischen Kämpfern und ihren Gegnern genutzt. Der Historiker Herodian berichtete bei der Beschreibung einer gescheiterten Belagerung der Festung Hatra durch den römischen Kaiser Septimius Severus, dass die Verteidiger Tongefäße mit Insekten auf Legionäre warfen, die ihnen tödliche Verletzungen zufügten.

    Auch aus dem Mittelalter gibt es zahlreiche Nachweise des Kampfeinsatzes von Bienen. 908 versuchten Normannen bei der Belagerung der englischen Stadt Chester, durch einen unterirdischen Tunnel in die Festung zu gelangen. Doch die Stadteinwohner verteidigten sich mit Bienenkörben. 1289 wehrten die Einwohner der Festung Nemetujvar (heute Güssing in Österreich) mit Bienen die Truppen des Herzogs Albrecht I ab. Im 16. Jahrhundert setzten die Ungarn auf dieselbe Verteidigungsmethode, als die Türken Székesfehérvár belagerten, doch die Janitscharen eroberten dennoch die Stadt. Während des Dreißigjährigen Kriegs nutzten die Verteidiger deutscher Städte und Klöster ebenfalls insektologische Waffen.

    Schusswaffen verdrängten Bienenkörbe

    „Dass mit Bienenkörben während der Kriege der spanischen Reconquista geworfen wurde, ist bekannt“, so Lockwood. „Im 14. Jahrhundert wurde sogar eine kleine Wurfmaschine entwickelt, die einer Windmühle ähnelte. Jedes ihrer Blätter diente als Wurfhebel. Mithilfe dieses Geräts konnte man in kurzer Zeit viele Steine bzw. Bienenkörbe losschleudern“.

    Die Schusswaffen verdrängten irgendwann die Insekten-Bomben von den Schlachtfeldern. Allerdings legten während des Ersten Weltkriegs die Einheimischen in Ostafrika, die auf der Seite Deutschlands kämpften, so genannte „Bienenminen“ gegen die britischen Truppen im Dschungel. Die britischen Soldaten traten auf Seile, die mit Tongefäßen mit Bienen verbunden waren. Anschließend öffneten sich die Behälter und die Bienen attackierten die Briten. Während des Kriegs zwischen Italien und Äthiopien von 1935 bis 1936 setzten einheimische Partisanen Bienen gegen Panzer ein. Die Bienenkörbe wurden auf italienische Panzer geworfen. Die Fahrer konnten die Panzer nicht mehr lenken, einige stürzten die Abhänge in den Bergen hinab.

    Nach Aussage von Wissenschaftlern können Bienen, die einen hervorragenden Geruchssinn haben, für die Suche nach Drogen und Explosivstoffen genutzt werden. Wie Biologen aus Kroatien berichteten, können Bienen Minen viel besser als trainierte Hunde bzw. elektronische Geräte orten. Allerdings ist es ziemlich schwierig, Insekten zu lenken, weshalb Minenräumer mit traditionellen Mitteln nach Geschossen suchen.

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    Tags:
    Geschichte, Biotechnologie, Waffen, Bienen
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