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    Council on Foreign Relations: Wenn Medien und Polit-Eliten gemeinsame Sache machen

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    Im Council on Foreign Relations saß schon so mancher amerikanische Präsident mit den Eliten aus Politik, Wirtschaft und Militär zusammen. Mit am Tisch bei dem einflussreichen amerikanischen Think Tank sind auch Vertreter nahezu aller etablierten US-Medien. Donald Trump stellt das Council nun vor eine große Herausforderung.

    Nicht nur Verschwörungstheoretikern ist klar: Wichtige weltpolitische Themen werden hinter verschlossenen Türen in elitären Clubs diskutiert und von deren einflussreichen Mitgliedern auf dem politischen Parkett umgesetzt. Gewagte Thesen sprechen gar von einer Schattenregierung, die aus dem Hintergrund die gesamte westliche Welt lenkt. 

    Selten wird hierbei jedoch die Rolle der Medien bedacht. Die Medienforscher von Swiss Propaganda Research haben in einer Übersichtsgrafik anhand von Mitgliederlisten dargestellt, wie die amerikanischen Leitmedien mit dem Council on Foreign Relations, einem der einflussreichsten Think Tanks weltweit, verbunden sind.

    Aus der Grafik geht hervor, dass führende Mitarbeiter nahezu aller bedeutenden amerikanischen Medienunternehmen mit am Tisch sitzen, wenn der CFR in Manhattan über die Weltpolitik berät. Zugleich zeigt das Schaubild auf, dass eine Reihe dieser Medienvertreter auch an der Trilateralen Kommission und den Bilderberg-Konferenzen teilnimmt.

    Swiss Propaganda Research weist ferner darauf hin, dass neben den Journalisten, die nur 5 Prozent der Mitglieder des Think Tanks ausmachen, auch Nationale Sicherheitsberater, CIA-Direktoren, hochrangige Militärs, einflussreiche Vertreter der Wirtschaft und sogar mehrere US-Präsidenten und Vize-Präsidenten beider Parteien Teil des elitären Clubs waren oder sind. 

    „Natürlich ist das eine Einrichtung, die nicht möglichst viele, sondern die richtigen Mitglieder haben will. Die „richtigen“ heißt, dass sie aus ihrem jeweiligen Bereich in Positionen sind, die durchaus auch Entscheidungskompetenz haben. Es überrascht nicht, dass es personelle Überschneidungen mit den Teilnehmern der Trilateralen Kommission und der Bilderberg-Konferenz gibt. Aber dass das so eine gelenkte Sache ist und diese Leute darüber entscheiden, wer Spitzenpolitiker in einem Land wird… Es ist eher umgekehrt“, sagt der Politologe und Amerika-Experte Dr. Martin Thunert vom Heidelberg Center for American Studies.

    Der CFR sei global ausgerichtete und setze sich für freie Märkte ein. Außenpolitik und Welthandel gehören zu den Kernthemen, dabei sei man auch durchaus bereit, Handelsbeziehungen mit Ländern zu unterhalten, die nicht unbedingt Demokratien sind. Wenn ein Gouverneur außen- und wirtschaftspolitisch ausgerichtet ist, kann er eine Einladung erhalten, Mitglied im CFR zu werden. So sei es auch im Fall von Bill Clinton gewesen, der damals Gouverneur von Arkansas war, erläutert Thunert.

    „Arkansas hat durchaus auch Industrie, er selbst hat International Relations in Georgetown studiert. Er war schon immer an mehr interessiert als seinem unbedeutenden Staat Arkansas. So ist er reingekommen und dann wurde er Präsident.  Swiss Propaganda Research interpretiert es so, als hätte der CFR entschieden, dass Clinton Präsident wird. Umgekehrt wird ein Schuh daraus. Da er Gouverneur war und erkennbare außenpolitische Interessen hatte, hat man ihn und nicht einen anderen Gouverneur reingeholt. Oft ist aber die Frage nach Ursache und Wirkung. Sicherlich haben Leute im Council gesagt: Wenn er sich um die Präsidentschaft bewirbt, dann unterstützen wir ihn, weil wir glauben, dass er diesen Konsens teilt, aber auch fähig ist und sich auskennt.  Aber solche Vorstellungen, dass Henry Kissinger und andere sagen „du wirst morgen Präsident“, sind aus meiner Sicht fragwürdig.“

    Infografik: CRF Mediennetzwerk
    Infografik: CRF Mediennetzwerk

    Auch die etablierten Medien, deren Vertreter dem Council angehören, sind laut dem Experten von dessen Denke geprägt. Und diese tragen sie in ihrer Berichterstattung in die Öffentlichkeit und prägen damit auch das Meinungsbild in der amerikanischen Bevölkerung. 

    Ein Paradebeispiel aus der jüngeren Vergangenheit, wo Medien ein Meinungsbild zu einem außenpolitischen Thema aktiv und alle Bedenken und Gegenargumente missachtend geprägt und damit den Weg für politische Entscheidungen von großer Tragweite geebnet haben, ist für Thunert der Irakkrieg.

    „Heute sind fast alle einig, die New York Times sagt es auch selber, dass sich beim Irakkrieg viele nicht getraut haben, die Zweifel, die da waren, aber auf randständige Personen wie Bernie Sanders reduziert wurden, deutlich zu artikulieren. Das gilt heute als Paradebeispiel dafür, wo die Medien sicher ihre Zweifel gehabt haben, aber aus patriotischen Gründen und im Hinblick auf 9/11 gesagt haben: So etwas darf sich nicht wiederholen und es ist zwar nicht bewiesen, dass Saddam Massenvernichtungswaffen hat, aber das Gegenteil ist auch nicht bewiesen.“ 

    Die Medien, aber auch der Kongress, seien ihrer Kontrollfunktion nicht gut nachgekommen. Es wäre wichtig gewesen, dass die Gegenargumente auch in den Medien stärker vertreten worden wären, fügt Thunert hinzu. Damals, kurz nach dem Anschlag, sei die Stimmung in den USA aber so gewesen, dass  Kritik sehr schnell als unpatriotisch empfunden wurde. Und die Medien, die ihre Leser und Anzeigenkunden brauchten, hätten sich nicht getraut, nach ihrem eigenen Selbstverständnis zu handeln.

    Heutzutage werde die Macht der Medien jedoch eher überschätzt, denn im digitalen Zeitalter würden sich die Menschen zunehmend im Internet selbst informieren und die Leitmedien hätten erhebliche Schwierigkeiten, ihre Gatekeeper-Funktion zu behaupten. Deutlicher als sonst habe sich das bei den Präsidentschaftswahlen im vergangenen Jahr gezeigt. 

    „Anders als in Deutschland gehört es für die amerikanischen Medien dazu, vor den Wahlen bestimmte Kandidaten zu unterstützen. 85 Prozent der amerikanischen Medien haben sich für Hillary Clinton ausgesprochen. So eine Eindeutigkeit hat es noch nie gegeben — selbst Medien aus Arizona, die noch nie einen Demokraten unterstützt haben, haben Clinton unterstützt. Es hat aber nichts genützt und das zeigt mir, dass die medienkritischen Netzwerke die Macht der Medien stark überschätzen“, so Thunert.

    Nun stehe das Council vor einer neuen Herausforderung: Mit Trump ist ein Präsident ins Weiße Haus eingezogen, der niemals Teil dieses Eliteclubs war und dessen Ansichten sich radikal vom Konsens des CFR unterscheiden.

    „Trump gehört zwar sozial zur Elite, aber er gehört von seinen Ansichten und seinem Verhalten nicht in diesen Zirkel hinein. Mit dem, was Donald Trump außenpolitisch will, ist er für diesen Kreis ein Spielverderber und eine Herausforderung, weil er den Konsens so nicht mitträgt. Mit ihm ist zum ersten Mal jemand Präsident, der in diesem Kreis nicht mit drin war und es wird spannend sein zu sehen, ob der CFR seinen Einfluss verliert, ob er versuchen wird, gegen Trump zu intrigieren. Wenn in den amerikanischen Medien Experten zu Wort kommen, die dem Council nahestehen, dann ist das jedenfalls nicht sehr positiv gegenüber Trump.“

    Bericht: Ilona Pfeffer

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    Tags:
    Elite, Verschwörungstheorie, Politik, Bilderberg-Konferenz, Swiss Propaganda Research, Trilaterale Kommission, Think Tank, New York Times, CFR (Council on Foreign Relations), Martin Thunert, Donald Trump, Hillary Clinton, New York, USA