19:35 01 Juni 2020
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    Banknoten sind nicht nur begehrt wegen ihres abgedruckten Wertes. Sie erregen immer wieder auch Ärger und Debatten, vor allem wegen abgebildeter Persönlichkeiten: Manchmal geht es um Feminismus, Tierschutz oder auch um Literaturkritik. Wir haben eine Liste mit den bunten Geschichten des „umstrittenen“ Geldes erstellt.

    „Eine Dame“ aus der Türkei

    „Wir möchten lieber eine Dame aus dem Umfeld von Staatsgründer Kemal Atatürk sehen“, sagten die Kritiker im Jahre 2009, als die erste Frau auf einer türkischen Banknote zu sehen war: Das Porträt der Schriftstellerin und Frauenrechtlerin Fatma Aliye. Die Gegner fügten hinzu, Falma Aliye sei zu traditionell, um stilisiert zu werden. Sie habe doch zehn Jahre mit dem Schreiben gewartet, bis ihr Mann seine Erlaubnis gegeben habe. Die Kritik wurde aber ignoriert. Die Frauengruppe „Ka-Der“ betonte damals: „Sie lebte zwar traditionell, aber in ihren Werken forderte sie Veränderungen“. Es gibt heutzutage viele Fälschungen des Scheines:

    Falma Aliye gilt als Vorkämpferin der Emanzipation und als erste Schriftstellerin in der Türkei. Sie ging nicht zur Schule, lernte trotzdem selber Französisch. Ihre Übersetzungen unter dem Pseudonym „Eine Dame“ wurden nach dem Jahr 2009 mit der Herausgabe der Banknoten berühmt.

    „Ich stelle fest, dass es letztlich nichts Schöneres gibt als zu lesen.“

    Literaturkritiker in Großbritannien sind aufgeregt: Die Richtigkeit der vor einigen Wochen in Umlauf gebrachten Zehn-Pfund-Banknoten mit dem Porträt von der Schriftstellerin Jane Austen ist in Frage gestellt. So sieht der Schein aus:

    Der erste Kritikpunkt ist das Bild selbst, da es nur ein einziges Gemälde von Austen gibt, wo die Schriftstellerin ganz schlecht aussehe, wie manche meinen. Austens Neffe hatte selbst ein Porträt gemalt, das für die Banknote gewählt wurde. Er habe das nach ihrem Tod gemalt, deshalb könne niemand mit Sicherheit sagen, dass die Schriftstellerin wirklich so aussah.

    Es wird auch über das Zitat auf der Banknote gestritten: „Ich stelle fest, dass es letztlich nichts Schöneres gibt als zu lesen.“ Diese Worte gehören zur widerspruchsvollen Figur aus dem Roman „Stolz und Vorurteil“ Caroline Bingley. Dem Leser sei klar, dass sie Bücher nur als Statusobjekt betrachtet. Die Notenbanker meinen dazu, sie seien keine Literaturkritiker und dass die neue Banknote bei den Bürgern beliebt seien. Die Banknote wurde zum 200. Todestag von Jane Austen ausgegeben.

    Schmelzbare Banknote

    Die Debatte über die Banknote mit dem Porträt von Austen hat einen Vorgänger. Die im Jahre 2016 im Umlauf gebrachte Fünf-Pfund-Banknote enthielt tierische Fette, was die Tierschutzorganisationen auf die Barrikaden trieb. Der Schein sieht ganz ordentlich aus:

    „Wir sind sehr aufgebracht, denn wir wollen die Ausbeutung von Tieren beenden, müssen diese Fünf-Noten aber benutzen“, sagt eine Gegnerin in einem im Internet veröffentlichten Video. „Die Bank of England lässt uns einfach keine Wahl und das sehen wir als Verletzung unserer Bürgerrechte.“ Die neuen Scheine bestehen aus dem Kunststoff Polymer, der 0,003 Prozent  tierische Fette enthält. Im Internet erschien sofort eine Onlinepetition gegen die neue Banknote, die von mehr als 130000 Leuten unterschrieben wurde.

    Die Bank of England bestätigte, dass sich „eine Spur von Talg“ in den Fünf-Pfund-Scheinen befinde, aber nichts wurde geändert. Für die Banknote mit dem Jane Austens Porträt wurde derselbe Kunststoff genutzt.  Ganz spannend sind die Videos, wo die Banknoten bei mehr als 120 Grad Celsius schmelzen.

    Banknote als Mittel des Krieges?

    Diesen Monat begann in Syrien die Herausgabe einer neuen Banknote. Bis heute zeigten die Noten in Syrien nur Sehenswürdigkeiten. Auf dem neuen Schein ist Präsident Baschar al-Assad abgebildet:

    Angesichts des Krieges in dem Land gibt es Stimmen gegen die Herausgabe der Banknote. Sie betrachten den neuen Schein als Mittel, mit dem der Präsident seine Herrschaft im Land zeigt. „Die Welt“ teilt die Worte eines Mitgliedes  der regierenden Baath-Partei teil: „Er (Baschar al-Assad) gewinnt den Krieg. Er will, dass die Welt das klar versteht.“

    Allerdings: Es ist bekannt, dass die neuen Banknoten schon vor ein paar Jahren gedruckt worden waren, aber die Herausgabe wurde wegen des Krieges verschoben.

    Krim oder Tschetschenien?

    Ab kommenden Oktober werden die Bürger Russlands die 200-Rubel- und 2000-Rubel-Banknoten in die Hände bekommen. Die Debatte um die 200-Rubel-Note entzündete sich nicht am verwendeten Material oder abgebildeten Porträt, sondern am Motiv selbst.

    Auf der 2000er-Note werden zwei Sehenswürdigkeiten aus dem Fernen Osten gezeigt. Bei der mit dem niedrigeren Wert konnten die russischen Bürger online aus zwei Motiven auswählen: entweder historische Denkmäler von Sewastopol oder die Achmat-Kadyrow-Moschee in Grosny, die der Republikpräsident Ramsan Kadyrow das „Herz Tschetscheniens“ nennt. Das Ergebnis der Online-Abstimmung zeigte, dass die Bürger lieber Sewastopols Sehenswürdigkeiten auf der Note sehen möchten. Der Politiker war enttäuscht, hofft aber Berichten nach auf den zukünftigen Bedarf an weiteren Banknoten in der Zukunft.

    Das finale Design der 200-Rubel-Note soll Ende Juli oder Anfang August dargestellt werden. Die folgende Version wurde als mögliche den Bürgern vorigen Herbst gezeigt:

    Kristina Akopova

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    Tags:
    Politik, Geldscheine, Rubel, Pfund Sterling, Russland, Weißrussland, Syrien, Großbritannien, Türkei