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07:05 17 Oktober 2019
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    Star Trek - Spock (Archivbild)

    "Star Trek" und die USA – Parallelen zwischen Fiktion und blutiger Realität

    © AFP 2019 / Christophe Archambault
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    Der Weltraum, unendliche Weiten… Mit diesen Worten startet 1966 die erste Folge von „Star Trek“ im US-Fernsehen. Ob TV oder Kino – bis heute erfreut sich die Science Fiction-Serie großer Beliebtheit. Der Politikwissenschaftler und Historiker David X. Noack hat sie zum Anlass genommen und Gemeinsamkeiten zur US-Außenpolitik untersucht.

    Von den 60er Jahren bis heute hat sich die politische Weltlage mehr als einmal verändert. Ebenso wie in „Star Trek“, erfunden und entwickelt von Gene Roddenberry. Zur Zeit des Vietnamkrieges wurde die Originalserie einst als eine Vision des Friedens erschaffen. Dennoch gab es auch große Parallelen zur damaligen Realität, so der Experte David X. Noack im Interview:

    „Es gab nur die gute Föderation, die bösen Klingonen und die bösen Romulaner. Die standen sinnbildlich für die Russen und die Chinesen im kalten Krieg.“

    Obwohl mit Waffen ausgestattet, bevorzugte die Besatzung des Raumschiffs „Enterprise“ immer wieder eine friedfertige Lösung von Konflikten. Dies änderte sich auch nicht Anfang der 90er Jahre in der Folgeserie „Star Trek – Next Generation“. Hier waren ebenso Schnittstellen zur realen Welt dieser Zeit zu finden, so Noack: „Bei ‚Next Generation‘ gab es dann meist innenpolitische Konflikte, bei denen die Föderation – also sinnbildlich die USA – intervenieren mussten. Das, was sich also in den 90er Jahren mit Jelzin und Russland abspielte, fand auch seinen Widerhall in ‚Star Trek‘.“

    Anfang der 90er Jahre verstarb Serienvater Roddenberry. Das Format verlies mehr und mehr die friedliche Utopie in Richtung kriegerischer Realität. 1995 folgte bei „Star Trek“ auf die „Enterprise“ die neue Serie rund um das Raumschiff „Voyager“. Es war eine Zeit, die in den USA von Präsident Bill Clinton geprägt war. In der Serie spielte Gewalt derweil eine immer größere Rolle: „Die ‚Voyager‘ war am anderen Ende der Galaxis und musste sich den Weg zurück erkämpfen. Und dieses Kämpfen wurde dort auch wortwörtlich genommen, es war eine Hegemonie der Gewalt.“

    Action und Gewalt wurden immer mehr ein Hauptmotiv bei „Star Trek“. Michelle Nichols, die Darstellerin von Lieutenant Ohura in der Originalfassung, sagte in den 80er Jahren, die Sternenflotte sei das Erbe der NASA, also einer zivilen Institution und nicht der US-Air Force, also nicht des Militärs. Es gab somit schon in der 80er Jahren viel Kritik an den Veränderungen. In den 90er Jahren nahm diese Kritik dann weiter zu, bis hin zu den heutigen „Star Trek“-Kinofilmen von Regisseur J. J. Abrams. Noack meinte dazu: „Die Filme unter J. J. Abrams sind größtenteils nur Actionfilme im Weltall, ohne philosophischen Boden, ohne tieferen Sinn. Ich glaube, Serienschöpfer Gene Roddenberry würde mit dieser Version der Zukunft wenig anfangen können.“

    Bei seinen Analysen bemerkte der Politologe immer wieder Besonderheiten zwischen „Star Trek“ und dem jeweiligen Jahrzehnt der Veröffentlichung. In der letzten Serie "Star Trek Enterprise" aus den 2000er Jahren wurde der Kampf gegen den Terror im Weltraum nacherzählt, so Noack:

    „Da gab es den Zufall, dass einer der Erfinder dieser Serie zuvor eine Dokumentation über die Taliban gesehen hatte, noch vor dem 11. September. Und er hatte die Schurken in der neuen Serie dann Suliban genannt. Kurz nach dem 11. September kommt dann die erste Folge dieser Serie ins Fernsehen, das war dann hoch aktuell und eigentlich gar nicht beabsichtigt.“

    „Star Trek“ ist also seit den 60ern bis heute zu einer Action-Filmreihe mutiert, in welcher Gewalt als einziger Ausweg dargestellt wird. Laut dem Experten ist dies immer wieder auch ein Spiegel der inneren und äußeren Entwicklung der Vereinigten Staaten von Amerika.

    Marcel Joppa

    Das Video zum Interview mit David X. Noack in voller Länge finden Sie hier:

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    Meinung, Kampf, Krieg, Sanktionen, NASA, Marcel Joppa, Bill Clinton, USA, Russland