08:24 19 Dezember 2018
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    "Trend zu Wetterextremen": Forscher erläutert, was das für Deutschland bedeutet

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    Die Unwetterextreme werden zunehmen, aber nicht überall gleich. So soll es laut einem Klimaforscher vom Potsdamer Institut für Klimafolgenerforschung (PIK) in Nordeuropa zu immer mehr starken Regenfällen kommen, während der mediterrane Raum immer weniger Wasser abbekommen und weiter austrocknen soll.

    Kaum sind die Unwetter vorübergezogen, bricht die nächste Hitzewelle über Deutschland ein. Laut Jascha Lehmann, Postdoc und Wissenschaftler am Potsdamer Institut für Klimafolgenerforschung (PIK), sind das keine zufälligen Erscheinungen. „Es gibt einen Trend zu Wetterextremen“, sagt er. Die Regenfälle und Hitzewellen würden sich in Deutschland in Zukunft noch weiter verstärken.

    Infolge des Klimawandels hätten sich die Hitzewellen bereits verfünffacht. Die starken Regenfälle hätten innerhalb der letzten drei Jahrzehnte um knapp 26 Prozent zugenommen. Und das eine hänge mit dem anderen direkt zusammen:

    Pro Grad Temperaturanstieg könne die Luft sieben Prozent mehr Wasser aufnehmen. Dieses zusätzlich aufgenommene Wasser äußert sich dann in verstärktem Regen. Und da die Temperatur weiter steigt, werden auch die Extreme weiter zunehmen.

    Das heißt aber nicht, dass überall beides zunimmt: Hitze und Regen. Denn die Erderwärmung, so der Experte, fände nicht überall gleichmäßig statt. So würde sich die Arktis etwa doppelt so schnell erwärmen wie der Rest der Welt. Durch die Temperaturunterschiede veränderten sich dann auch die atmosphärischen Zirkulationen, Winde, Tief- und Hochdruckgebiete. Diese bestimmten unter anderem das Wetter in Europa.

    Und wie die Wetterextreme sich verschärfen werden, werden sich auch die klimatischen Eigenschaften von Regionen weiter zuspitzen: Für Nordeuropa sagt der Klimaforscher einen Trend zu mehr Starkregenfällen vorher, für den mediterranen Raum einen Trend zu weniger Regen. „Die eh schon trockenen Regionen werden in Zukunft also noch trockener werden und die feuchten Regionen noch feuchter“, so Lehmann.

    Von technischen Lösungen wie Geoengineering hält der Experte nicht so viel. Erstens sei das kostenintensiver als Vermeidung von Treibhausgasen und zweitens würden solche Maßnahmen kaum auf einem globalen Maßstab größere Auswirkungen versprechen. Was kurzfristige Maßnahmen der Wetterbeeinflussung betrifft, wie sie etwa in Russland betrieben werden, um die Siegesparade ohne Regen abzuhalten, sieht Lehmann darin vor allem Potential bei kleineren Aktionen. Man könne zum Beispiel Wolken oberhalb von Feldern so behandeln, dass kein Hagel auf die Früchte fällt und kein Schaden für die Ernte besteht.

    Angesichts des ungewohnten Wetters haben sich auch Theorien darüber verbreitet, dass es sich bei diesen Veränderungen um den Einsatz von Klimawaffen handeln würde. Auch wenn das nicht sein Fachgebiet ist, hält der Wissenschaftler von solchen Theorien nichts.

    Das komplette Interview zum Nachhören:

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    Wüste, Klimawandel, Regen, Forschung, Hitze, Deutschland, Russland