22:32 18 Juli 2018
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    Seestadt „Erdöl-Steine“ in Aserbaidschan (Archivbild)

    Sieben vernachlässigte Megaprojekte der Sowjetunion

    © Sputnik / Mark Redkin
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    Nach dem Zerfall der Sowjetunion haben die neuen unabhängigen Staaten zahlreiche geheime Militärobjekte auf ihrem Territorium erhalten. Einige Länder konnten die Aufrechterhaltung dieser Komplexe rein wirtschaftlich nicht verkraften, andere brauchten sie einfach nicht. Deshalb sind viele dieser Objekte allmählich verfallen.

    Überhorizontradar „Duga“, Pripjat, Ukraine

    Überhorizontradar „Duga“ in Pripjat
    © Sputnik / Stringer
    Überhorizontradar „Duga“ in Pripjat

    Diese riesige Einrichtung wurde fünf Jahre lang gebaut und entstand 1985. Die wichtigste Aufgabe dieser Radaranlage bestand in der Beobachtung von Starts ballistischer Interkontinentalraketen. Diese Station hätte heute noch funktionieren können, aber in Wahrheit blieb sie weniger als ein Jahr im Einsatz. Die riesige, 150 Meter hohe und 800 Meter lange Antenne verbrauchte enorm viel Strom und wurde deshalb in der Nähe des Atomkraftwerks Tschernobyl gebaut. Nach der Katastrophe im AKW im April 1986 musste die Radarstation geschlossen werden.

    Balaklawa, Krim

    Der geheime Stützpunkt sowjetischer U-Boote in Balaklawa
    © Sputnik / Mikhail Mokruschin
    Der geheime Stützpunkt sowjetischer U-Boote in Balaklawa

    In Balaklawa auf der Krim lag ein geheimer Stützpunkt sowjetischer U-Boote. Das ist eines der größten Militärobjekte, wo gleichzeitig 14 U-Boote unter einem Dach untergebracht werden konnten. Der Stützpunkt wurde 1961 gebaut, 1993 aber vernachlässigt – gleich nach der Auflösung der Sowjetunion. Insider behaupteten, Balaklawa sei ein Umschlagpunkt gewesen, wo U-Boote repariert und mit Brennstoff samt Munition (unter anderem mit nuklearer Munition) versorgt wurden. Die hiesigen Bauten sind so stark, dass sie einem direkten Atomschlag widerstehen könnten. Aber inzwischen ist das nichts als ein verlassenes Militärobjekt. 2002 beschloss zwar die damalige ukrainische Führung, in Balaklawa ein Museum einzurichten, doch diese Pläne wurden nie umgesetzt.

    Raketenschacht Dwina, Kekava, Lettland

    Nach dem Zerfall der Großmacht UdSSR bekamen die einstigen Sowjetrepubliken geheime Militärobjekte, von denen sie nicht einmal gewusst hatten. In der Nähe von Riga liegen beispielsweise die Ruinen des einstigen Raketenkomplexes „Dwina“. Er war 1964 gebaut worden und bestand aus vier Startschächten. Jetzt sind diese 34,6 Meter tiefen Silos teilweise mit Wasser vollgelaufen, aber jede Person, die dafür Interesse hat, kann einen Stalker finden und in diesen Schächten tauchen. Es wird erzählt, dass in den Silos viel Raketenbrennstoff geblieben sein soll, auch wenn dieser nicht radioaktiv sei. Dennoch sei er hochgiftig, und deshalb sollte man lieber an die möglichen Folgen denken, ehe man sich für einen „Dwina“-Besuch entscheidet.

    Phosphoriten-Bergwerk, Lopatino (Gebiet Moskau)

    Zu Sowjetzeiten wurden in Lopatino (Gebiet Moskau) Phosphorite gewonnen, die unter anderem für die Produktion von Düngemitteln wichtig waren. Nach 1993 wurde das Bergwerk geschlossen, wobei die ganze Technik in Lopatino geblieben ist. Jetzt zieht die ehemalige Erzgrube Touristen aus aller Welt an. Falls Sie diesen ungewöhnlichen Ort besuchen wollen, sollten Sie sich beeilen, denn die Einheimischen verlieren keine Zeit und stehlen alles, was hier herrenlos herumliegt. In einigen Jahren wird hier offensichtlich nichts mehr bleiben, was man besichtigen könnte. Aber Lopatino wird wohl trotzdem ein touristisches „Mekka“ bleiben, denn die Gegend hier ist so gut wie außerirdisch.

    Station für Ionosphäre-Forschung, Smijew, Ukraine

    Diese Station wurde im Gebiet Charkow nur ein Jahr vor dem Zerfall der UdSSR gebaut und war im Grunde dem US-amerikanischen HAARP-Projekt auf Alaska ganz ähnlich, das immer noch erfolgreich funktioniert. Der riesige Komplex bestand aus mehreren Antennenfeldern und einer gigantischen, 25 Meter großen Parabolantenne, deren Strahlungsstärke bei 25 Megawatt lag. Aber die unabhängige Ukraine brauchte diese neuesten, aber kostspieligen Forschungsanlagen nicht, und jetzt interessieren sich für diese vernachlässigte Station nur noch Stalker und Buntmetallsammler – und natürlich auch Touristen.

    Seestadt „Erdöl-Steine“, Aserbaidschan

    Seestadt „Erdöl-Steine“ in Aserbaidschan (Archivbild)
    © Sputnik / Mark Redkin
    Seestadt „Erdöl-Steine“ in Aserbaidschan (Archivbild)

    In den 1940er-Jahren begann im Kaspischen Meer, 42 Kilometer östlich von der Apscheron-Halbinsel, die Erdölförderung. Bald wurde in der Nähe der ersten Bohranlagen eine ganze Stadt gebaut, die ebenfalls auf Ladebrücken und Schüttdämmen lag. So wurden auf hoher See, 110 Kilometer von Baku entfernt, Kraftwerke, neunstöckige Wohnbauten, Krankenhäuser, ein Kulturpalast, eine Brotfabrik usw. errichtet. Die Stadt bekam den Namen „Erdöl-Steine“. Sie bestand aus mehr als 200 Plattformen, und die Gesamtlänge ihrer Straßen erreichte 350 Kilometer. Bald wurde aber auch in Sibirien Erdöl entdeckt, dessen Förderung billiger war, so dass die Erschließung im Kaspischen Meer unrentabel wurde. Die Stadt Erdöl-Steine wurde allmählich vernachlässigt. Sie ist aber auch jetzt keine „Gespensterstadt“, denn hier leben immer noch etwa 2000 Menschen.

    Speicherring, Protwino, Gebiet Moskau

    Der sowjetische „Hadron Collider“ in Protwino (Archivbild)
    © Sputnik / Yurij Saritowskij
    Der sowjetische „Hadron Collider“ in Protwino (Archivbild)

    In den späten 1980er-Jahren entschloss sich die Sowjetunion, deren Agonie eigentlich bereits begonnen hatte, für den Bau eines riesigen Speicherrings. Dieser 21 Kilometer lange Ringtunnel in einer Tiefe von 60 Metern  existiert immer noch nahe der Stadt Protwino (Gebiet Moskau), weniger als 100 Kilometer südlich von Moskau, wo es mehrere Kernphysik-Laboratorien gibt. Der Tunnel wurde sogar teilweise mit diversen Forschungsanlagen gefüllt, aber dann begannen die politischen Turbulenzen, die zum Zerfall der Sowjetunion führen sollten. So blieb der sowjetische „Hadron Collider“ vernachlässigt.

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    Ruinen, Projekte, Militärobjekte, Sowjetunion, Gebiet Moskau, Aserbaidschan, Lettland, Russland, Ukraine
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