07:17 19 Oktober 2017
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    Wikinger-Festival (Symbolbild)

    Wikinger-Festival in Polen bei Neonazis beliebt – Medien

    © Sputnik/ Kirill Kallinikow
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    Seit Jahren besuchen viele Menschen das Wikinger-Festival im polnischen Ort Wolin, um dort das mittelalterliche Leben der Nordmänner nachzuspielen. In der letzten Zeit sind diese Zusammenkünfte aber auch bei Neonazis aus verschiedenen Ländern beliebt, heißt es in einem Artikel von dem „Spiegel“.

    Im frühen Mittelalter war die polnische Stadt Wolin auf der gleichnamigen Ostseeinsel ein bedeutender Handelsplatz, wo die Wikinger Nahrungsmittel und Metalle vertrieben, schreibt der „Spiegel“. Dort befindet sich jetzt ein von Polen und der EU gefördertes Freilichtmuseum. Seit Jahren kommen Tausende Wikingerfans nach Wolin, um dort an den Wikinger- und Mittelalterfestivals teilzunehmen. Aber in der letzten Zeit gibt es unter ihnen viele Neonazis, merkt der „Spiegel“ an.

    Diese Leute gebrauchen offen Nazi-Symbolik, tragen T-Shirts der Kleidungsmarke Thor Steinar und stellen Hakenkreuze auf Schilden, Fahnen und Ketten dar. Karl Banghard, Leiter des Archäologischen Freilichtmuseums Oerlinghausen in Nordrhein-Westfalen, glaubt, dafür gebe es kein unmittelbares historisches Vorbild. Bei archäologischen Ausgrabungen seien solche Symbole gefunden worden, aber das sei selten gewesen. "Es gab keine Hakenkreuz-Schilde – und schon gar nicht in dieser Vielzahl", zitiert der „Spiegel“ Banghard. Das habe nichts mit der Wirklichkeit zu tun und sei nur ein Alibi der rechten Szene.

    Solche Treffen werden nicht nur von Neonazis aus Deutschland immer populärer sondern auch bei Anhängern rechtsextremer Organisationen aus Russland und Polen. Banghard nennt im Artikel Gründe, warum die Wikinger für die rechtsextreme Szene faszinierend sind. Erstens würden die großen Wissenslücken in dem Bereich das Bild der Geschichte besonders formbar machen. Das biete unbegrenzte Möglichkeiten für diejenigen, die sich mit Manipulationen beschäftigen und nach Alternativen zur verhassten Moderne suchen.

    „Die Wikingerzeit ist für die Neonazis eine Art trojanisches Pferd, mit dem sie versuchen, die rechte Propaganda in die Mitte der Gesellschaft zu ziehen“, so Banghard.

    Solche Versuche gab es schon zu Zeiten des Nationalsozialismus. An den Wikingersiedlungen hätten archäologische Grabungen unter der persönlichen Schirmherrschaft von Heinrich Himmler stattgefunden. Für Nazis hätten germanische Hinterlassenschaften als Heiligtümer und Zeugnisse arischer Frühzeit gegolten und sie hätten dadurch den Anspruch auf Weltherrschaft begründet.

    Banghard ist über die aktuelle Entwicklung besorgt: Solche Treffen würden immer öfter von Neonazis besucht und das nicht nur in Polen sondern auch in Ungarn. Er wirft den konservativen Nationalregierungen in diesen Ländern vor, dass sie solche Events und die Besuche rechter Gruppen auf dem Museumsgelände tolerieren würden. „Da entsteht eine neue National-Esoterik“, so Banghard.

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    Tags:
    Geschichte, Neonazis, Festival, Wikinger, Polen