11:06 23 September 2017
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    Nazi-Attache Bogislav von Studnitz (L) und Marschall von Polen Edward Rydz-Śmigły in Warschau (Archivbild)

    Nostalgie nach misslungenem Bündnis: wer wollte Hitlers engster Verbündeter werden?

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    Letzte Woche ist zwischen Russland und Polen (erneut) ein Streit um die Geschichtsdeutung entbrannt, nachdem der polnische Außenminister Witold Jan Waszczykowski dem polnischen Online-Portal "wPolsce" erklärt hat, die Sowjetunion hat entscheidend am Ausbruch des Zweiten Weltkrieges mitgewirkt gemeinsam mit Deutschland Polen überfallen.

    Wie das russische Geschichtsportal "nvo.ng.ru" berichtet,  zeigen die historischen Fakten und Dokumente allerdings ein ganz anderes Bild. Demzufolge hat Polen bis zum Ausbruch des Krieges nicht als Opfer sondern vor allem als Aggressor agiert. So habe Polen als erstes europäisches Land angefangen mit Hitler-Deutschland zu paktieren und bereits am 26. Januar 1934 mit Deutschland einen Nichtangriffspakt unterzeichnet.

    Diese Vereinbarung, die in geschichtlichen Kreisen als Piłsudski-Hitler-Pakt genannt wird, sei in mehreren geheimen Protokollen verzeichnet worden. Verschiedene zeitgenössische Verlage wie etwa die französische "L'Echo de Paris" oder die britische "New Statesman and Nation" nahmen dazu Stellung und berichteten, in den geheimen Protokollen gäbe es Pläne für einen gemeinsamen Angriff Deutschlands und Polens auf die Sowjetunion.

    Nach dem Tod des ersten Staatsoberhauptes des neuen polnischen Staates, Józef Klemens Piłsudski, übernahmen seine Nachfolger die antisowjetische Politik und träumten von der Wiederherstellung des „Großen Polens“ von der Ostsee bis zum Schwarzen Meer. Am 31. August 1937 erließ der polnische Generalstab die Direktive Nummer 2304/2/37, in der explizit das Ziel angestrebt wurde, „jegliches Russland zu zerstören“. Auch die polnische Militärdoktrin von 1938 erklärte, die Aufteilung Russlands sei das Grundziel der polnischen Politik. Der Hauptfokus richte sich auf „Schwächung und Niederschlagung Russlands.“

    Warschau habe 1938, dem Jahr der Eingliederung Österreichs in das Deutsche Reich, Hitlers Vorgehen offen akzeptiert und den „Anschluss“ vom 12. und 13. März 1938 ein „rein österreichisches innenpolitisches Problem“ genannt. Danach stellte Warschau zudem ein Ultimatum an Lettland und drängte selbst auf die Eingliederung neuer Territorien.

    So forderte die polnische Regierung am 21. September 1938 von der Tschechoslowakei die Abgabe des östlichen Teschener Schlesien, das Olsagebiet. Am 30. September verfasste Polen ein zweites Ultimatum an Prag und schickte anschließend am 1. Oktober gemeinsam mit dem Deutschen Reich Besatzungstruppen ins Teschener Schlesien. Am 2. Oktober wurde feierlich die Eingliederung des Gebietes in das „Mutterland“ gefeiert.

    Besatzung von der Tschechoslowakei
    Besatzung von der Tschechoslowakei

    Als Folge mussten Tausende Tschechen fliehen, all die umfangreichen wirtschaftlichen Kapazitäten des Gebietes gingen an Polen über.

    Polens Armee in der Tschechoslowakei
    Polens Armee in der Tschechoslowakei

    Später bewertete Winston Churchill in seinen Memoiren Polens Vorgehen als das eines aggressiven und expansionistischen Staates, „das sich… mit der Gefräßigkeit einer Hyäne an der Plünderung und Zerstörung des tschechoslowakischen Staates beteiligt hatte“.

    Die Pläne zur Ausweitung des polnischen Territoriums gingen dabei noch viel weiter. Im Dezember 1938 erklärte der polnische Diplomat Jan Karszo-Siedlewski, die „Ostfrage“ sei soweit klar: In wenigen Jahren werde Deutschland gegen die Sowjetunion kämpfen und Polen werde auf der Seite Deutschlands sein. Vor allem die weiten Gebiete der sowjetischen Ukraine seien für Polen von Interesse.

    Der deutsche Reichsminister des Auswärtigen Amtes Joachim von Ribbentrop bestätigte diese Einschätzung und schrieb, es sei offensichtlich, dass Polen an der sowjetischen Ukraine sowie dem Zugang zum Schwarzen Meer interessiert sei.

    Bemerkenswert ist, dass diese Einschätzungen auch heute in Polen weiter leben. So erklärte der Professor der Historischen Fakultät der Warschauer Universität Pawel Wieczorkiewicz, es sei schade, dass ein Bündnis zwischen Nazi-Deutschland und Polen nicht zustande gekommen sei, da sonst die „siegreichen polnisch-deutschen Truppen“ in Moskau die Siegesparade empfangen würden.

    Und so schenkt die polnische Regierung dem „Kampf gegen den Totalitarismus“ heute beachtliche Aufmerksamkeit. In seinem Rahmen lässt Warschau alle Andenken an die Rote Armee, die einst das Land von der Grausamkeit der SS und Wehrmacht befreit hatte, tilgen sowie die Geschichtsschreibung in seinen eigenen Interessen umdeuten.

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    Tags:
    Geschichte, Verbündete, Nazi-Deutschland, Adolf Hitler, Tschechoslowakei, Deutschland, Polen
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