14:55 21 Januar 2020
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    Einen Satire-Artikel nicht zu Ende zu lesen, die Auflösung damit zu verpassen und einfach zu behaupten, es handle sich deswegen um Fake-News – ist ein etwas schwacher Ansatz. Und ist der Bild in Bezug auf meinen Artikel passiert.

    In seinem Artikel vom Dienstag mit dem Titel „Bundestagswahl in der heißen Phase; Fake-News-Attacken aus dem Netz!“ beehrte mich Bild-Redakteur Julian Röpcke mit gleich drei Absätzen zu meinem Satire-Artikel über Chemtrails, den ich in freundschaftlichster Zusammenarbeit mit dem Scherzportal Paul Newsman realisiert hatte. Für den Wahrheitssucher Röpcke ließ der Artikel den Leser darüber im Unklaren, ob das nun Satire oder keine Satire gewesen sei.

    Um die Schärfe seines Arguments besonders augenscheinlich zu machen, wählte er auch den Screenshotbereich so aus, dass die Satire darin keinen Platz fand. So nämlich:

    Bild Screenshot
    © Foto : Screenshot
    Bild Screenshot

    Ich erlaube mir die Freiheit, den Rest des Absatzes, den Herr Röpcke in der Eile seiner Artikelniederschrift sicher nicht mehr aufzunehmen imstande gewesen ist, anzuführen: „Schließlich kann man dem austretenden Wasserdampf auch ganz andere Stoffe beimengen, ohne dass es jemand mitbekommen würde. Und wenn man es kann, dann tut man es auch. Das ist nun mal die unabänderliche Natur des Menschen.“

    Man muss keine Logikkurse an der Universität belegt haben, um den Schluss „Und wenn man es kann, dann tut man es auch“ als irgendwie falsch zu empfinden. Und in einem ernsthaften Artikel hat der Ausdruck „unabänderliche Natur des Menschen“ schon gar nichts verloren – aber vielleicht sieht das die Bild anders. Auch das Interview mit dem sogenannten Chefredakteur des Kölner Abendblatts Mike Lieser verlief ähnlich fröhlich und er war sogar so frei und sagte: „Man muss schon Eier haben, um solche Geschichten zu schreiben.“ Das ist natürlich etwas, was ein Chefredakteur für gewöhnlich sagt und sowieso etwas, das dann eine Nachrichtenseite in gemessenem Ernst zitiert. (Das war gerade ein Scherz.)

    Merkzeichen der Nachrichtenquelle und des Radiosenders Sputnik (Archivbild)
    © Sputnik / Aleksey Kudenko
    Danach wurden in meinem Satire-Artikel ein paar lustige Posts angeführt, die dadurch lustig waren, weil die dazugehörigen Nutzer auf den Artikel des Kölner Abendblatts hereingefallen waren. Der letzte Post lautete: „An alle, die mir diesbezüglich einen Aluhut aufsetzten.“ Ein Facebooknutzer hatte nämlich seinen Aluhut etwas voreilig ausgezogen, nachdem er den Artikel des Kölner Abendblatts gefunden und weiterverbreitet hatte. Im letzten Abschnitt klärten dann Mike und ich den Leser darüber auf, dass Paul Newsman Fake News produziert und das Ganze also ein Scherz sei. Mein Artikel endete mit den Worten „Hut wieder auf“, was sich auf den Aluhutträger bezog, der sich zu früh gefreut habe. Das gilt für jeden, der meinen Artikel weiterverbreitet in dem Glauben, er sei ernst zu nehmen. (Also auch für Herrn Röpcke?)

    Das alles fehlt jedenfalls im Artikel der Bild wie auch in dem Ausschnitt, den Röpcke für die Darstellung seiner großen Entdeckung auf dem Felde der Wahrheitsfindung so knauserig klein gewählt hatte. Vielleicht entspricht ja dieser Ausschnitt auch der Aufmerksamkeitsspanne eines Bild-Redakteurs oder dem Ausschnitt eines Artikels, den dieser für seine journalistische Arbeit zu konsumieren bereit ist. Vielleicht ist man bei der Bild auch nicht geschult in Satire-Signalen und liest alles in heiligem Ernst. Aber das sind alles Spekulationen. Fakt– und kein Fake – ist, dass alle aufgeführten Momente keinen Eingang in Röpckes Bericht fanden.

    Und ich? Wenn ich einen Artikel schreibe, gehe ich davon aus, dass mein Leser nicht blöd ist und erwarte von ihm auch, dass er nicht nur die Überschrift oder die ersten drei Sätze liest, sondern den gesamten Text. Wer nur den Anfang liest, fällt auf den Fake herein, wer den ganzen liest, genießt das Spektakel. Das ist im Grunde auch der Witz des Artikels und ihn gleich eingangs durch ein fettes „SATIRE!“ aufzulösen, halte ich für eine sehr witzlose Herangehensweise. Im Übrigen waren sehr viele Leser anscheinend lesebereiter als Röpcke und schrieben in den Kommentaren lautstark „Satire“ und lachten sich krumm.

    Und selbst wenn man den Artikel nicht zuende liest, glaube ich, dass es einen Unterschied gibt zwischen einer Erklärung zu Chemtrails von einem Herrn C. Elsius aus einem Bundesklimaministerium und einer Silvesternacht in Frankfurt (die es wirklich gegeben hat) mit einem Flüchtlingsmob (den es nicht gegeben hat), von der man berichtet, ohne mal die Polizei zu fragen. Ich würde sogar so weit gehen und sagen, dass in letzterem Fall die Verletzungsgefahr ein Stück weit höher ist.

    Jedenfalls: Vielen Dank, lieber Herr Röpcke, für diese freundliche Werbung unserer Nachrichtenseite!

    Und journalistischen Dank auch fürs Lesen des ganzen Textes sowie einen satirischen Gruß von Ihrem

    Wladimir W. Wahnowitz

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