05:37 21 November 2017
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    Schlacht von Stalingrad (Archivbild)

    Selbst die Wolga brannte: Wehrmacht legt Stalingrad vor 75 Jahren in Schutt und Asche

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    Es war einer der schwersten Luftschläge der Geschichte: Abertausende Bomben hat die Wehrmacht am 23. August 1942 auf Stalingrad abgeworfen. Auch Brandbomben mit Phosphor kamen damals zum Einsatz. Die russische Stadt war durch den Feuersturm praktisch vom Erdboden getilgt. Der russische TV-Sender „RT“ erinnert an die damaligen Ereignisse.

    Drei Stunden lang fielen deutsche Bomben auf Stalingrad, mehr als 40.000 Menschen kamen an jenem Tag im August 1942 ums Leben. Eine Parallele zum Luftangriff auf Dresden drängt sich auf: Den US-amerikanischen und britischen Bomben fielen im Februar 1945 an zwei Tagen rund 25.000 Menschen zum Opfer.

    Am Morgen des 23. August waren noch hunderttausende Zivilisten in Stalingrad. Deutsche Panzer rollten in die Offensive, gekämpft wurde schon innerhalb der Stadtgrenzen. In dieser Lage befiehlt Wolfram von Richthofen, Oberbefehlshaber der Luftflotte 4, den Bombenangriff auf die Stadt an der Wolga.

    Schlacht von Stalingrad (Archivbild)
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    Schlacht von Stalingrad (Archivbild)

    Circa um vier Uhr nachmittags heulten die Sirenen in Stalingrad, unmittelbar vor dem Angriff. Die Menschen liefen noch zu den Luftschutzbunkern, als die ersten deutschen Bomber am Himmel auftauchten. Die Wehrmacht setzte fast jeden Bombertyp auf Stalingrad an, den sie an der Ostfront hatte.

    Schlacht von Stalingrad (Archivbild)
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    Schlacht von Stalingrad (Archivbild)

    Die deutsche Luftwaffe hatte eine klare Mission: Die Industrie in der Stadt vernichten, den Gegner demoralisieren. Dafür wurden tausende Tonnen von Bomben auf Stalingrad abgeworfen, auch Brandbomben – jene mit Phosphor. Der Feuersturm wütete gleich nach der ersten Angriffswelle der Wehrmacht.

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    © Sputnik/ Oleg Knorring
    Schlacht von Stalingrad (Archivbild)

    Der Vorsitzende des Stalingrader Stadtkomitees, Alexej Tschujanow, erinnerte sich:

    „Häuser brennen, Gebäude von Schulen, Hochschulen, Theatern und vielen Behörden liegen in Trümmern. Die Stadt verwandelt sich in eine wahre Hölle. (…) Feuerwehrleute und Luftabwehrsoldaten räumen brennende Dächer weg, bergen Menschen aus den Trümmern. (…) Und vom geschwärzten Himmel fallen weiterhin Bomben. (…) Die Stadtmitte ist von einer unwahrscheinlich riesigen Flamme umfasst. Wegen der überheizten Luft und der Erschütterungen entstand ein starker Wind, er verlängert die Feuerflügel der Brände, und jetzt scheint es, dass der Himmel und das gesamte Areal – von Horizont zu Horizont – in Flammen ausbrechen“.

    Es brannten Häuser, Fabriken und sogar der Asphalt. Das Schrecklichste begann aber nach dem Schlag gegen die Öllager am Ufer der Wolga: Brennendes Öl geriet tonnenweise auf einmal ins Wasser, wovon umgehend die in der Zerstörungszone befindlichen Schiffe in Flammen aufgingen.

    Schlacht von Stalingrad (Archivbild)
    © Sputnik/ Georgij Selma
    Schlacht von Stalingrad (Archivbild)

    Dieses furchterregende Bild hat sich auch im Gehirn der Stalingrader Flak-Soldatin Sinaida Matwejewa eingeprägt:

    „Die Flammen schnellen in die Höhe, rollen sich in Rauchschwaden, stoßen schwarzen Rauch aus. Die Flammen breiten sich in Windeseile aus. Die Flammen fallen in den Fluss. Die Flammen lecken Wasser, fressen es, und ein breites Feuerband fließt die Wolga entlang. Ich stand wie gelähmt da – die Wolga brennt! Alles brennt – der Boden, der Himmel, das Wasser. In diesem Riesenbrand huschten junge Krankenschwestern hin und her, sie holten auf Tragen Verwundete aus dem Gefechtsfeld zum Uferwechsel und fielen unter Beschuss.“

    Die Brandherde, die von keinem gelöscht werden konnten, verschmolzen zu einer ungeheuerlichen Flammenflut. Gerade mit so einer Erscheinung, die sich Feuerwirbelwind nennt, werden in einigen Jahren Dresden und Hiroshima kollidieren: Feuerwirbelwinde saugen gigantische Luftmassen ein, am Rande des Brandes ersticken Menschen, und im Epizentrum werden sie einfach von dem monströsen Feuerrohr angesaugt. Keine Chance, vor so einem Wirbelwind wegzulaufen. 

    Schlacht von Stalingrad (Archivbild)
    © Sputnik/ Georgij Selma
    Schlacht von Stalingrad (Archivbild)

    Der Luftangriff dauerte etwa drei Stunden. Innerhalb von nur einem Tag war Stalingrad praktisch dem Erdboden gleichgemacht worden. In den Flammen der Feuerwirbelwinde ist ein Zehntel der in der Stadt verbliebenen Einwohner ums Leben gekommen – über 40.000 Menschen. Nach dem Umfang der Schäden übertrifft der Luftangriff an der Wolga um ein Vielfaches das, was Dresden erlebt hatte, wo Angaben aus Deutschland zufolge 25.000 Menschen getötet worden waren.

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    Tags:
    Ruinen, Kampf, Geschichte, Luftangriff, UdSSR, Russland
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