06:24 23 Juni 2018
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    Kaffee (Archivbild)

    „Kaffee gesünder als Tee“ – Forscher räumt mit alten Mythen auf

    CC BY 2.0 / Andreas Poike / Coffee beans and a scoop
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    Vier bis fünf Tassen Kaffee am Tag bieten Schutz gegen Leberkrebs, Diabetes und Demenz. Zu Bluthochdruck führt regelmäßiger Kaffeekonsum dagegen kaum und auch nicht zum Herzinfarkt. So sieht das jedenfalls Ernährungswissenschaftler Prof. Vormann. Er räumt mit alten Mythen auf und vermittelt ein Kaffeebild, das auf Grundlage aktueller Studien steht.

    Das Zeitalter, in dem Kaffee verteufelt wurde, scheint sich dem Ende entgegenzuneigen. Stattdessen weisen neue Studien laufend positive Effekte des heiß begehrten Getränks auf. So soll Kaffee nicht nur den Alterungsprozess verlangsamen, sondern nach einer im Mai 2017 veröffentlichten Meta-Studie auch die Wahrscheinlichkeit von Leberkrebs um bis zu 50 Prozent senken.

    Sputnik entschied sich deswegen, eine Revision dieses alltäglichen Getränks vorzunehmen und zu schauen, was am Image des Kaffees Mythos und was der aktuelle Stand ist.

    Schutz vor Lebererkrankungen, Diabetes und Altersdemenz

    Eine Vielzahl von Studien habe gezeigt, dass Kaffee für die Gesundheit sehr zuträglich sei, bemerkt Prof. Jürgen Vormann, Ernährungswissenschaftler am Institut für Prävention und Ernährung sowie wissenschaftlicher Beirat beim Grünen Kreuz, gegenüber Sputnik. Es sinke das Risiko für diverse Lebererkrankungen, Diabetes vom Typ 2 (Altersdiabetes) und verschiedene Formen der Altersdemenz. Als Grund hierfür führt der Forscher die vielfältigen Inhaltsstoffe des Kaffees an. „Alle kennen natürlich das Koffein, das eine hochwirksame Substanz ist. Aber man weiß inzwischen auch, dass im Kaffee noch Substanzen enthalten sind, die als sogenannte Antioxidantien wirken und uns also vor diversen Schäden schützen können“, führt Vormann aus.

    „Neue Arbeiten auf dem Gebiet zeigten, so der Forscher, dass der Schutzeffekt bei einem Konsum von vier bis fünf Tassen Kaffee pro Tag ideal sei. Und wer jetzt ruft: Tee ist trotzdem gesünder, dem antwortet der Forscher: „Es sieht so aus, als ob Kaffee günstiger für die Gesundheit ist als die Teegetränke.“ Dafür würden nach Vormann die vielen Stoffe sorgen, die beim Röstprozess entstehen und antioxidativ wirken. Allerdings sollte man nicht übereifrig konsumieren, denn: „Der günstige Effekt des Kaffees verschwindet bei höherem Konsum nach und nach. Die Studien zeigen: Über zehn Tassen am Tag sollte man sicherlich nicht hinausgehen.“

    Gefährlich für die Gesundheit sollten nach Vormann aber auch solche hohen Mengen nicht sein.

    Eine Tasse setzt der Forscher übrigens bei 150 Milliliter Flüssigkeit an und zwei bis drei Teelöffel Kaffee. Die Wahl der Sorte spielt für Vormann keine Bedeutung und ist eher „Geschmackssache“. Und was die Zubereitung angeht, so bemerkt er, dass Espresso für den Magen etwas besser verträglich sei. Aber insgesamt wertet er die Unterschiede in den Punkten als gering ein.

    Mythos Bluthochdruck – bei regelmäßigem Konsum nicht nachweisbar, eher Gegenteil der Fall

    Es hält sich weiterhin die Meinung, dass Kaffeekonsum zu Bluthochdruck führe, Gefäßablagerungen erzeuge und zu Herzinfarkten führe. Dazu bemerkt Vormann: „Man weiß, dass Kaffee beziehungsweise das darin enthaltene Koffein akut zu einer leichten Erhöhung des Bluthochdrucks führt.“ Mit anderen Worten, wer die erste Tasse Kaffee trinkt, bei dem steigt der Blutdruck auch, weil der Körper den Stoff noch nicht kennt. Trinke man das Getränk aber regelmäßig, dann verschwinde auch dieser Effekt, so der Forscher. Und mehr noch:

    „Man hat sogar feststellen können, dass langfristig ein Kaffeekonsum eher davor schützt, einen Bluthochdruck zu entwickeln. Außerdem konnte man auch zeigen, dass ein höherer Kaffeekonsum einen Schutzfaktor vor Erkrankungen des Herzens und des Gefäßsystems bietet.“

    Schwangeren nicht mehr als drei Tassen täglich, Jugendlichen vor 14 besser gar keinen

    Einsamkeit (Symbolbild)
    © Sputnik / Konstantin Tschabalow
    Eine Regel gilt aber weiterhin, nämlich die, dass in der Schwangerschaft weniger Kaffee konsumiert werden sollte. Vormann spricht von nicht mehr als drei Tassen am Tag. Damit wird sicherlich jede Schwangere leben können. Aber besondere Einschränkung gelte bei Kindern, denn: „Die Fähigkeit, Koffein im Körper umzusetzen, ist bei Kindern deutlich geringer ausgeprägt als bei Erwachsenen.“ Deswegen sollte man mit dem Kaffee frühestens mit 14 Jahren anfangen. Im hohen Alter dagegen ist es geradezu förderlich, Kaffee zu sich zu nehmen, denn gerade für Demenzerkrankungen sinke bei regelmäßigem Kaffeekonsum die Erkrankungswahrscheinlichkeit.

    Valentin Raskatov

    Das komplette Interview zum Nachhören:

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    Tags:
    Forschung, Hilfe, Erkrankungsrisiko, Gesundheit, Kaffee, Studie
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