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    Esel und Schäfer (Archivbild)

    „Blutig wie die Anfangsszene beim Film Der Soldat James Ryan“

    CC BY-SA 2.0 / David B. Gleason / Donkey!
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    Eigentlich sollte dies ein launiger Text über Esel, Schafe und Wölfe werden. Aber dem Autor ist der Spaß vergangen, als er die Geschichte von Schäfer Kay Krogmann hörte. Denn es ist eine blutige Geschichte.

    Wir beginnen mit den Eseln. Sie heißen Klaus und Claus und stehen an der Nordseeküste – ganz genau auf dem Deich neben den grasenden Schafen. Die Esel sind die Bodyguards der Schafe. Schäfer Kay Krogmann hat die Tiere angeschafft. Denn Krogmann und seine Schäferkollegen haben ein Problem: die Wölfe. Krogmann verlor seit 2012 rund 50 Schafe durch Wolfsrisse. Die Esel sollen das verhindern. Der Einhufer hat nämlich besondere Eigenschaften:

    „Ein Esel stellt sich der Gefahr. Er läuft nicht weg. Außerdem ist er besitzergreifend. Was ihm gehört, das verteidigt er.“

    Darum wurden die Esel in die Schafsherde integriert und das bisher erfolgreich, wie der Schäfer berichtet. Eine Frau hatte ihren Hund verbotenerweise auf dem Deich von der Leine gelassen:

    „Der Esel nimmt den Kopf nach unten und greift den Hund an – mit allem was er hat. Er beißt, er schreit, er tritt. Man kann ihn nicht stoppen. Da hat man keine Chance“.

    Laut Krogmann dauerte es eine ganze Weile, bis die Hundebesitzerin ihr verschrecktes Tier wieder einfangen konnte.

    Esel und Schäfer
    Esel und Schäfer

    Ob Klaus und Claus auch schon Kontakt mit Wölfen hatten, kann Krogmann nicht sagen. Zumindest gab es noch keine verletzten Schafe, wenn die Esel an ihrer Seite waren.

    Eigentlich könnte die Geschichte hier mit diesem positiven Zwischenfazit enden. Tut sie aber nicht. Anfang August waren die Esel nämlich bei einer anderen Herde. Krogmanns Schafe standen nachts allein auf dem Deich. Dann kam der Wolf. Vier Lämmer wurden getötet, viele Schafe verletzt, traumatisiert und versprengt.

    „Es sieht so aus wie bei der Anfangsszene von ‚Der Soldat James Ryan‘, wo alle an Land gehen. Nur das da nicht Menschen, sondern Tiere liegen. Das ist Übergriff durch einen Wolf. Das sind schon harte Bilder.“ Krogmann setzt auf Sarkasmus. „Den kleinen Bock, den sich der Wolf geholt hat, hatte ich am Abend vorher noch in der Hand. Alles, was ich am nächsten Tag von ihm wiedergefunden habe, waren sein Kopf und die Vorderläufe.“ Die harte Schädeldecke hatte der Wolf durchgebissen wie einen Stock.

    Wolf
    Wolf

    Nach Aussage des Schäfers fühlen sich auch Menschen bedroht: „Ich kenne Leute aus der Nordheide (im Landkreis Cuxhaven), die lassen ihre Kinder nicht einmal mehr mit dem Rad durch ein Waldstück fahren. Sie sagen, wir wissen nicht was passiert.“ Der Wolf ist den Schäfern ein Dorn im Auge. Sputnik will wissen, ob nicht Hütehunde das Problem lösen könnten. Krogmann schüttelt den Kopf: „Nein, das wäre das nächste Problem. Wir haben bis zu 2.000 Fahrradfahrer auf dem Deich, die durch meine Herde durchfahren. Herdenschutzhunde sind gefährlich – auch wenn Züchter sagen, sie sind es nicht. Ein Hütehund, der nicht gefährlich ist, der hilft auch nichts gegen den Wolf.“ Laut Krogmann hat der zuständige Deichgraf im Landkreis Cuxhaven angekündigt: Wenn Herdenschutzhunde über den Deich laufen, dann sperrt er den Wanderweg. Also bleiben als letzte Hoffnung Klaus und Claus, die beiden Esel.

    Das komplette Interview zum Nachhören:

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    Tags:
    Schafe, Esel, Wolf, Verteidigung, Interview, Deutschland