12:57 27 Oktober 2020
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    Trotz der Tatsache, dass Deutschland politisch und organisatorisch vereint ist, gibt es nach wie vor Ost- und Westbiographien. Und das findet Eugen Ruge, Autor des DDR-Buddenbrook-Romans „In Zeiten des abnehmenden Lichts“ gar nicht schlimm.

    Bei der Präsentation der russischen Ausgabe des Bestsellers in Moskau sagte er in einem Interview mit Sputnik, es sei vollkommen idiotisch zu verlangen, dass „sich die Menschen, die nun gleich sind, sofort in irgendwas Drittes oder in irgendeine dritte Art verwandeln. Viel interessanter ist doch, dass man mit Verschiedenheiten, mit Unterschieden zusammenlebt und sich gegenseitig mit diesen Unterschieden respektiert und achtet, darauf kommt es an.“

    Eugen Ruge signiert sein Buch
    © Sputnik / Nikolaj Jolkin
    Eugen Ruge signiert sein Buch

    Sind Russland und Europa verschiedener Natur?

    Diesen Gedanken wiederholte er, als während der Lesung die Aussage angeführt wurde, Russland habe eine weibliche Natur und Europa eine männliche. „Es gibt Menschen, die am liebsten den Unterschied zwischen Männern und Frauen aufheben würden. Es gibt auch Menschen, die danach schreien, wann endlich die Ostdeutschen und die Westdeutschen gleich sind.

    Ruge findet Unterscheide ganz interessant.

    „Es kommt nicht darauf an, gleich zu werden, sondern es kommt darauf an, sich gegenseitig unterschiedlich zu akzeptieren und zu respektieren. In dem Sinne wäre es schön, wenn sich Europa und Russland, die zweifellos verschieden sind – und das ist gut so – mit mehr Respekt, Achtung und mehr Aufmerksamkeit begegnen würden.“

    Der Schriftsteller glaubt, da gebe es Defizite auf beiden Seiten.

    Widersprüchlichkeit Ruges

    Der Roman von Eugen Ruge „In Zeiten des abnehmenden Lichts“ spiegelt die Geschichte der DDR anhand des Schicksals von vier Generationen wider: von den Großeltern, die überzeugte Kommunisten sind, über den Vater, den die Haftzeit in sowjetischen Arbeitslagern zwar ernüchtert hat, der dem demokratischen Sozialismus aber dennoch treu bleibt, und seinen Sohn, der in den Westen flieht, weil Freiheit und Sozialismus für ihn unvereinbare Gegensätze sind, bis hin zum Urenkel, der die DDR nur noch als eine merkwürdige Kindheitserinnerung im Gedächtnis bewahrt.

    Der Verleger Oleg Nikiforow schätzt das Werk Eugen Ruges gerade wegen seiner Widersprüchlichkeit:

    „Das Buch ist einfach und gleichzeitig kompliziert. Es ist einfach, weil es sich in einem Atemzug lesen lässt, und kompliziert, weil der Autor mit scheinbar einfachen literarischen Mitteln sehr komplizierte Probleme berührt. Das  sind nicht nur Probleme des 40-jährigen Bestehens der DDR, von ihrer Gründung bis zum Niedergang, sondern auch Probleme des Zusammenwirkens eines gewöhnlichen Menschen und der großen Geschichte.“

    Eugen Ruge ist ein Jahr vor der Wende aus der DDR geflohen, abgehauen, wie man so sagt. Er fand die DDR „langweilig und grau“ und sah in der Republik keine Zukunft für sich. Er konnte in der DDR kein Schriftsteller werden, was er sehr wollte. Und im Westen wollte er ein Wessi werden, und es ging nicht, bis er verstanden hat, dass man so sein sollte, wie man ist, und darüber schreiben, was man kennt.

    Das komplette Interview mit Eugen Ruge (einschl. Auszug aus der Lesung) zum Nachhören:

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    Tags:
    Sozialismus, Meinung, Buch, Interview, Nikolaj Jolkin, DDR, Russland