00:18 19 Oktober 2017
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    Panzer und Heli für den Eigenbedarf: Wie Sie russisches Kriegsgerät ergattern können

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    Neulich in einer russischen Provinzstadt: Ein begeisterter Entenjäger kauft einen ausgedienten Radpanzer der russischen Armee – ganz legal, ganz normal in einem Autohaus. Für die Jagd sei das schwimmfähige Gefährt optimal, sagt er. Wollen auch Sie mal mit einem Panzer ins Grüne? In Russland finden Sie bestimmt den passenden Kampfkoloss.

    Kampfpanzer, Schützenpanzer, Radpanzer – die Russen können alles besorgen. Wer jetzt an Mafia-Machenschaften denkt, irrt aber gewaltig: Das Geschäft mit Kampftechnik der russischen Armee ist ganz legal. Man kann sie sogar über Online-Portale kaufen…

    „Das russische Verteidigungsministerium darf von Rechts wegen alte Technik aus den Armeebeständen verkaufen“, erklärt Sergej Warlamow, Sicherheits- und Antikorruptionsexperte des russischen Parlaments. Die Objekte würden einfach öffentlich versteigert – von Kranken- über Pritschenwagen bis hin zu ganzen Loks und Eisenbahnwaggons. „Das Militär hat dafür keine Verwendung mehr, also wird die Technik ausgemustert.“ 

    Besucherin eines russischen Musikfestivals steigt Panzerwagen ein
    © Sputnik/ Ilja Pitaljow
    Besucherin eines russischen Musikfestivals steigt Panzerwagen ein

    Dann landet sie bei Autohändlern oder eben im Internet. So etwa ein Schützenpanzer des Typs BTR-60. „Den haben wir aus einem Waffenlager ersteigert“, sagt der Verkäufer aus der Stadt Kirow, rund 1000 Kilometer nordöstlich von Moskau. Für umgerechnet 17.000 Euro ist das Gerät zu haben – bei gerademal 2000 Kilometern auf dem Tacho.

    „Da muss man nur die Kühlflüssigkeit auswechseln, die Batterie aufladen und es kann losgehen“, erläutert er. Er könne den Radpanzer auch direkt zum Kunden nach Hause liefern. Und nicht nur das: „Wir treiben jede beliebige Kriegstechnik auf – je nach Bedarf, auch Hubschrauber“, fügt er hinzu.

    Gekauft werden die Panzer meist von wohlhabenden Bürgern mit einem Hang zur Exotik. Die Händler bauen den Innenraum der Kampfkolosse nach Kundenwunsch aus: Von einer Disco bis zu einem Spa-Salon auf Rädern (wahlweise Ketten) ist alles drin – Platz genug haben die Panzer ja, Hauptsache der Rubel rollt.

    Panzer T-80 und Besucherin der Militärausstellung in Russland
    © Sputnik/ Aleksej Kudenko
    Panzer T-80 und Besucherin der Militärausstellung in Russland

    Nur eines geht gar nicht: Mit dem Kriegsgerät Krieg spielen. „Vor dem Verkauf müssen alle Waffen im Fahrzeug abmontiert und beseitigt werden“, betont Warlamow. Ein kleines Detail am Rande: Wer eine Straßenzulassung für die Panzer haben will, kann ewig warten – sie dürfen nämlich nur abseits befestigter Straßen gefahren werden.

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    Kauf, Kampfhubschrauber, Panzer, Militärtechnik, Russland