16:00 11 Dezember 2017
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    Facebook (Symbolfoto)

    US-Wahl von Russen via Facebook beeinflusst? Was deutsche Medien missachten

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    Facebook hat vor Kurzem einen Blogeintrag über seine Recherche zu Russlands angeblichem Einfluss auf die US-Präsidentschaftswahl vom Vorjahr veröffentlicht und diese mit Zahlen unterlegt. Deutsche Mainstream-Medien haben die Meldung – wie soll es auch anders sein – sofort aufgegriffen. Die „NachDenkSeiten“ haben nun die Zahlen verglichen.

    Laut Facebook sollen „russische Drahtzieher“ über Facebook den Wahlkampf in den Vereinigten Staaten beeinflusst haben. Rund 100.000 Dollar sollen diese für Anzeigenplätze bei dem sozialen Netzwerk ausgegeben haben. Etwa 470 Profile seien identifiziert worden, die zwischen Juni 2015 und Mai 2017 rund 3000 Anzeigen geschaltet hätten, heißt es im Blogeintrag. Für die deutschen Mainstream-Medien war das ein gefundenes Fressen: Erneut zierten die Wörter „Russland“ und „Einfluss“ die Schlagzeilen.

    Die „NachDenkSeiten“ haben das zum Anlass genommen, nachzurechnen, wie viel Geld eigentlich US-amerikanische Thinktanks Jahr für Jahr im In- und Ausland in die politische Meinungsmache investieren. Die 100 größten Denkfabriken und Stiftungen der USA, die als gemeinnützig eingestuft sind und sich maßgeblich mit politischer Einflussnahme beschäftigen, hat also die Webseite unter die Lupe genommen.

    Insgesamt sollen diese Thinktanks nach Recherchen der „NachDenkSeiten“ ein jährliches Budget in Höhe von 5,4 Milliarden Dollar haben. Hinzu komme ein Stiftungsvermögen von über 40 Milliarden Dollar. 

    Dem stehen also die angeblichen 100.000 Dollar gegenüber, die „russische Hintermänner“ für die Beeinflussung des US-Wahlkampfes ausgegeben haben sollen – für etwa 3000 Anzeigen. Dabei sei es außerdem um generelle politische Botschaften gegangen, nur kaum um Werbung für einen Kandidaten per se.

    Eine tiefer gehende Untersuchung, die beispielsweise auch Rechner mit US-IP-Adressen beinhaltet, deren Betriebssystem auf die russische Sprache eingestellt ist, kommt laut Facebook gar nur auf eine Summe von 50.000 Dollar für 2200 Anzeigen.

    Zum Vergleich: Die Trump-Kampagne hat nach Angaben von BBC allein für Werbung auf Facebook rund 85 Millionen Dollar ausgegeben, schreibt die Webseite ferner.

    „Vielleicht sollte man diese Liste ganz einfach mal den lieben Kollegen in den Redaktionen zuschicken. Offensichtlich wissen sie ja gar nicht, in welchem Umfang ‚der Westen‘ bezahlte politische Meinungsmache betreibt“, so die „NachDenkSeiten“. „Wenn die Kollegen die Zahlen kennen und dennoch anderer Meinung sind, liegt zumindest der Verdacht nahe, dass sie auf dem transatlantischen Auge blind sind und man die Russland-Berichterstattung als Kampagne einordnen muss.“

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    Tags:
    Werbung, Anzeige, Manipulationen, Einfluss, US-Präsidentschaftswahl 2016, Facebook, Deutschland, USA, Russland
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