02:26 23 September 2017
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    GAMESCOM-Ausstellung in Köln, Deutschland

    Vom „Schmuddelkind“ zum „Kulturgut“: Computerspiele in Deutschland auf Vormarsch

    © AFP 2017/ Patrik Stollarz
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    Fast drei Milliarden Euro setzt die Gaming-Branche hierzulande im Jahr um. Allerdings bleiben nur gut sechs Prozent des Geldes bei den deutschen Spieleentwicklern. Die Gründe sind vielfältig.

    Vorab eine gute Nachricht für alle Gamer: Computerspiele sind in Deutschland anerkanntes Kulturgut und damit auf einer Stufe mit dem Film, der Literatur oder der Fotografie. Bundeskanzlerin Angela Merkel „adelte“ Computer- und Videospiele Ende August auf der Messe gamescom nicht nur als „Wirtschaftsfaktor“, sondern eben auch als „Kulturgut“.

    Killerspiel-Diskussion als Bremse

    Wir betrachten das Geschäft mit x-Box, Playstation und den Spielen. Fast drei Milliarden Euro setzt die Branche in Deutschland um. Das ist ein großer Kuchen, von dem die deutschen Spieleentwickler nur ein sehr kleines Stück abbekommen – etwa sechs Prozent. „Deutschland gehört weltweit zu den TOP 5 Märkten, was den Umsatz angeht. Gleichzeitig ist die Situation der Entwickler sehr schwer“, erklärt Felix Falk, Geschäftsführer des Bundesverbands Interaktive Unterhaltungssoftware (BIU). Der Grund: Anders als andere Länder habe Deutschland wenig dafür getan, dass Fachkräfte im eigenen Land bleiben und Entwicklungsstudios entstehen. 

    „Das lag zum Teil an der gesellschaftlichen Debatte über Computer. In Deutschland wurde zu viel über die Herausforderungen, die Computerspiele mit sich bringen gesprochen als über die Chancen dieses Zukunftsmediums“, glaubt Falk. Der Experte spielt auf die „Killerspiel-Problematik“ an. In Deutschland war man lange der Ansicht, dass Spiele Gewalt verherrlichen und zur Nachahmung anregen. „Da haben wir ein bisschen gebraucht in Deutschland, um ein normales Selbstverständnis zu entwickeln.“

    Inzwischen habe sich das „Schmuddelkind zum Kulturgut“ entwickelt. Den Löwenanteil daran tragen für Falk die Spieler. Die hätten sich gegen Widerstände gewehrt und weitergemacht. Bei Schülern gehören Computerspiele inzwischen zum Alltag“, berichtet der Familienvater: „Videospiele sind das Leitmedium des 21. Jahrhunderts.“ In Klassenräumen und auf Schulhöfen werde über neue Spiele inzwischen mehr geredet als über neue Kinofilme. Sogar in den Unterricht haben es Spiele geschafft. So berichtet Falk von einem Physiklehrer, der anhand des Games „Minecraft“ Experimente durchführt. In Zukunft werde die Bundesregierung mehr in die Entwicklung stecken. Das versprachen nach Angaben des BIU-Geschäftsführers während einer Podiumsdiskussion bei der gamescom alle Generalsekretäre der großen Parteien unisono. Schon jetzt werden an deutschen Hochschulen Spieleentwickler ausgebildet. „Von 100 Euro Umsatz in der Gaming-Branche bleiben nur 6,50 in Deutschland. Das muss mehr werden“, fordert der Gaming-Lobbyist.

    Das komplette Interview zum Nachhören:

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    Tags:
    Aufschwung, Popularität, Computerspiel, Deutschland