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    Nazi-Offiziere (von links nach rechts): Josef Kramer, Kommandant des KZ Bergen-Belsen; Dr. Josef Mengele - Engel des Todes, KZ-Arzt in Auschwitz; Richard Baer, Kommandant des KZ Auschwitz, und andere Offiziere

    Die Jagd auf NS-Verbrecher: Mossad gibt umfangreiche Berichte frei - FAZ

    © AFP 2019 / HO / Holocaust Memorial Museum
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    Der israelische Auslandsgeheimdienst Mossad hat unlängst umfangreiche interne Berichte über seine Jagd auf NS-Verbrecher freigegeben. Dies berichtet am Mittwoch die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (FAZ).

    Die Tatsache, dass der Mossad eine derart umfangreiche interne Dokumentation veröffentlicht habe, sei mehr als ungewöhnlich, schreibt das Blatt. Das liege daran, dass er das Thema – die langfristige Jagd der israelischen Geheimdienstagenten gegen hochrangige NS-Verbrecher, die an der Judenvernichtung beteiligt waren – längst für abgeschlossen halte.

    Die Judenvernichtung ist der Zeitung zufolge in einer dreibändigen Dokumentation von Yossi Chen, Mitglied der Geschichtsabteilung des Mossads, detailreich festgehalten. Die Berichte wurden demnach später an die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem zur digitalen Veröffentlichung übermittelt. Sie können auf deren Webseite unter dem Titel „Die Jagd nach Nazi-Kriegsverbrechern“ gefunden werden.

    Die Freigabe der Berichte soll angeblich den Gerüchten über die Verfolgung von Nazis durch den Mossad ein Ende setzen. Das Blatt vermutet, dass gerade deshalb auch zahlreiche Abbildungen der ursprünglichen Mossad-Dateien enthalten seien. An dieser Stelle verweist die FAZ darauf, dass zwischen der Fertigstellung und der Offenlegung der Dokumentation ein Jahrzehnt liege.

    Neuorganisation des Mossads

    1960 hat laut der Zeitung der Mossad-Chef Isser Harel (1912 bis 2003) eine Geheimdiensteinheit unter dem Namen „Amal“ gegründet. Zu ihren Höhepunkten zählen die Entführung des Nazi-Verbrechers Adolf Eichmann und ein teilweise erfolgreiches Attentat auf den NS-Schergen Alois Brunner.

    Nach der Ernennung von Meir Amit zum neuen Mossad-Chef im Jahr 1963 wurde, wie das Blatt ferner berichtet, die Suche nach Nazi-Verbrechern neu organisiert. Es standen demnach sechs Personen auf der Liste der „Ziele“. Die Israelis seien sich aber nicht über die Vorgehensweise nicht einig gewesen. Eine Entführung mit darauffolgendem Prozess wie bei Eichmann hätten sie nun für unmöglich gehalten. Gegen Tötungen habe gesprochen, dass sie ein schlechtes Beispiel für die israelische Jugend seien. Letzten Endes habe man eine harte Methode gewählt: 1965 wurde laut den Berichten der NS-Kollaborateur Herbert Cirkus getötet. Alle späteren Pläne, weitere Nazis zu eliminieren, wurden laut dem Blatt nicht verwirklicht.

    Jahrelange Jagd auf Nazis

    Für knapp zehn Jahre hat laut dem Blatt der israelische Geheimdienst 1968 auf Befehl der politischen Führung seine Tätigkeit eingestellt. Erst 1977 sollen die Agenten wieder die Erlaubnis für Liquidierungen von der Regierung erhalten haben.

    Fast alle Verbrecher, die später als weitere Ziele des israelischen Geheimdienstes zur Tötung ausgewählt wurden, starben laut der FAZ eines natürlichen Todes. Ihre Liquidierung sei entweder gescheitert oder aufgegeben worden. So, zum Beispiel, sei auch die Jagd auf KZ-Arzt Josef Mengele misslungen.

    Der Suche nach Mengele seien übrigens ganze 374 Seiten der Dokumentation von Yossi Chen gewidmet. Die Agenten sollen mit unvermindertem Eifer nach Mengele gesucht haben, als er schon längst tot gewesen sei – er soll 1979 an einem Schlaganfall gestorben sein, was seine Familie bis 1985 geheim halten konnte. 

    Die Agenten hätten unter anderem versucht, über Mengeles Sohn auf den Kriegsverbrecher zu kommen. Sie seien mehrmals in seine Wohnung eingebrochen und hätten sogar Wanzen installiert. Als er 1983 mit seiner Familie umgezogen sei, seien ihm die Geheimdienstler kurz darauf gefolgt. Ein Jahr lang sollen die Agenten die Telefonleitung von Mengeles Sohn abgehört haben. Und schließlich hätte der Mossad nach den gescheiterten Versuchen, den Sohn zum Reden zu bringen, aus unbekannten Gründen alle weitere Schritte in dieser Richtung aufgegeben.

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    Tags:
    Verbrecher, Dokumentation, Freigabe, Jagd, Nazis, Mossad, Israel, Deutschland