18:10 11 Dezember 2017
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    Überreichung des Verdienstkreuzes am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland an Herrn Igor Chramow (Archivbild)

    Bundesverdienstkreuz-Träger Chramow hofft auf gute deutsch-russische Beziehungen

    © Foto: Sergej Medwedew/Deutschlands Botschaft in Russland
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    Die Beziehung zwischen Deutschland und Russland wird nach Auffassung des Schriftstellers und Wissenschaftlers Igor Chramow nach der Bundestagswahl doch ein bisschen aufwärts gehen. Vor wenigen Tagen wurde ihm in Orenburg das Bundesverdienstkreuz am Bande vom deutschen Botschafter Rüdiger von Fritsch überreicht.

    Chramow hat sich um seine Studien über die russischen Wurzeln der deutschen Widerstandsgruppe gegen den Nationalsozialismus „Weiße Rose“ und um die Förderung der deutschen Sprache in seiner Heimat verdient gemacht. Besonders gründlich beschäftigte er sich mit der Lebensgeschichte seines Landsmannes Alexander Schmorel, der lange Zeit im Schatten der Geschwister Scholl stand. Mit großem persönlichem Einsatz machte Chramow diesen Widerstandskämpfer einer größeren Öffentlichkeit in Russland und in Deutschland bekannt.

    Die von ihm wesentlich organisierten Kulturtage sind oft Themen gewidmet, die mit der Geschichte der „Weißen Rose“ verbunden sind, wie dem Widerstand gegen Diktaturen oder der Bedeutung von Zivilcourage. Durch die Arbeit von Igor Chramow haben zahlreiche Menschen in Russland erfahren, dass es auch in Deutschland Widerstand gegen den Nationalsozialismus gab.

    Im Interview mit Sputnik-Korrespondent Nikolaj Jolkin betonte der Wissenschaftler, dass Alexander Schmorell derjenige gewesen sei, der zusammen mit Hans Scholl die ersten vier von insgesamt sechs Flugblättern der „Weißen Rose“ verfasst und verbreitet habe. Und diese Rolle wurde bekannt, nachdem die Gestapo-Verhörprotokolle Alexander Schmorells im Moskauer Archiv in den 90er Jahren gefunden wurden. Chramow hat sie dann veröffentlicht und ins Russische übersetzt.

    Er hat auch Stefan Heym, Klaus Mann und Siegfried Lenz übersetzt, hat Konzerte und Wohltätigkeitsveranstaltungen organisiert, so die Beteiligung des Kinderchors „Neue Namen“ aus Orenburg an einer Aktion „ein Herz für Kinder“ und einer Gala in Bad Hönningen  sowie ein Konzert zugunsten des Wiederaufbaus der Lungenheilstätte Grabowsee bei Berlin, „damit die Aufmerksamkeit der Leute in Deutschland auch auf diesen leider schon zerfallenen architektonischen Komplex gerichtet wird.“

    Die Überreichung der Auszeichnung fand am 100. Geburtstag von Alexander Schmorell statt, „im Rahmen der alljährlichen Zeremonie der Verleihung von vier Alexander-Schmorell-Stipendien an Orenburger Studenten. In seiner Rede erinnerte sich Igor Chramow an einige Stationen seines Lebens. Er hat fünf Jahre in der DDR verbracht, weil sein Vater Offizier war.

    Seine Eltern haben darauf bestanden, dass er Deutsch in der Schule lerne und nicht Englisch, wie er eigentlich gewollt habe. So sei sein Weg als Germanist auch bestimmt worden. Dann studierte er Germanistik an der Universität Leipzig. „Es waren schon einige Dinge, die im Leben so gelaufen sind und vieles bestimmt haben. Ich konnte mir das kaum vorstellen, als ich, ein in Deutschland ausgebildeter Kaufmann, im großen Außenhandel in Ansbach saß und nur davon träumen konnte, dass ich irgendwann die Frankfurter Buchmesse besuche würde.  In den letzten Jahren haben wir schon zweimal größere Veranstaltungen in Frankfurt gemacht.“

    Am 11. Oktober um 17 Uhr findet auf dem russischen Nationalstand noch eine große Veranstaltung zum 100. Geburtstag von Alexander Schmorell statt, während der auch ein Film über ihn gezeigt wird. Denn in der Gemeinde Raunheim, einem Vorort von Frankfurt, wurde am 8. Mai 2017 der Schmorell-Platz eingeweiht.

    Vor wenigen Tagen hat Igor Chramow die deutsch-russische Wanderausstellung „Die Weiße Rose“, die schon in 35 russischen Städten gezeigt wurde, im Russischen Haus in Berlin eröffnet und den Film „Der Widerstand der Weißen Rose“ gezeigt. Dem folgen seine Auftritte in Nürnberg und natürlich auch in München. Er bedauert allerdings, dass über Alexander Schmorell in Russland heutzutage viel mehr gesprochen wird, als in Deutschland. „Das tut mir wirklich leid.“

    Das komplette Interview mit Igor Chramow zum Nachhören:

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    Tags:
    Verdienst, Studie, Beziehungen, Wahlen, Igor Chramow, Nikolaj Jolkin, Deutschland, Russland
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