22:29 10 Dezember 2019
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    Kallstadt, Deutschland

    Trump ist Trumpf? Hat die Pfalz nicht nötig!

    © AFP 2019 / Uwe Anspach
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    Vor einem Jahr ist das beschauliche Kallstadt von den Medien förmlich überrannt worden, denn in dem pfälzischen Dorf steht das Geburtshaus des Großvaters von Donald Trump. Tourismusmanager Jörg Dörr bleibt aber dabei: Wir haben es nicht nötig, mit einer kontroversen Figur wie Trump zu werben. Im neuen Weinjahrgang werde es keinen Trump-Wein geben.

    Es sei ein wahrhaftiger Medienboom gewesen, den Kallstadt erlebt habe, erinnert sich Dörr. Die gesamte deutsche und auch die Weltmedienlandschaft seien bei ihnen eingefallen, weil  in Kallstadt das Geburtshaus des Großvaters von Donald Trump stehe.

    Von hier aus sei Friedrich Trump Ende des 19. Jahrhunderts nach Amerika ausgewandert. Zur Zeit der Präsidentschaftskandidatur von Donald Trump habe es ja noch nichts konkret Berichtenswertes gegeben, dementsprechend habe man sich auf die begleitenden Themen gestürzt.

    „Gott sei Dank gab es keinen Vandalismus. Aber es gab das große Interesse an diesem Haus. Da die Gasse relativ überschaubar ist, hat sich für die Menschen gerade zur Zeit des Wahlkampfes die Wohnsituation dort verändert – vom beschaulichen Dorfleben ist nicht viel übrig geblieben. Es gab sehr viele Leute, die ihre Neugier nicht zügeln konnten, die an die Fensterscheiben geklopft und fotografiert haben, geklingelt haben, um einfach mal zu schauen, wer da denn jetzt wohnt. Das war für die Bewohner des Hauses, die mit Trump nichts zu tun haben, ein großer Eingriff in die Privatsphäre. Die Bewohner hatten sich sogar überlegt, das Haus zu verkaufen, aber das scheint nicht mehr aktuell zu sein.“

    Der Rummel habe sich mittlerweile gelegt, jedoch würden noch immer zahlreiche Gäste nach dem Haus fragen.

    „Sehr Viele fragen: Wo ist denn das Geburtshaus? Es ist ja nur ein unscheinbares Wohnhaus, ein Privathaus in einer Kallstadter Gasse. Es kommen auch Leute, die auf dem Friedhof schauen, ob es eventuell noch Gräber gibt. Es gibt auch solche, die durch diese Geschichte auch wieder ihre eigene Ahnenforschung betreiben. Aber es ist nicht so, dass es einen touristischen Personenkult um Trump hier in Kallstadt gibt.“

    Donald Trump selbst sei noch nicht dagewesen, so der Tourismusmanager der Urlaubsregion Freinsheim.

    „Wenn sich eine politische Gelegenheit ergibt, dass er nach Deutschland kommt, und es einen sozialen Aspekt dieses Besuches gibt, dann wird vielleicht auch mal ein Besuch in der Pfalz auf der Agenda stehen. Wir selbst denken aber nicht darüber nach, ihn aktiv einzuladen. Das hätte immense Auswirkungen auf unsere Infrastruktur.“

    Damals wie heute gebe es zum US-Präsidenten sehr kontroverse Rückmeldungen, daher bleibe die 1 200 Einwohner zählende Kallstadt bei seiner Haltung, keine Werbung mit Trump zu machen, stellt Dörr klar.

    „Wir haben gemerkt, dass das Thema keines ist, mit dem sich auf touristischer Basis punkten lässt. Wir haben es auch nicht nötig!“

    Dieser Ansicht scheinen aber nicht alle Anwohner zu sein – manche scheinen einen neuen Geschäftszweig gewittert zu haben.

    „Wir wurden gefragt: Wird es ein Denkmal geben? Wird es am Ortseingangsschild einen Hinweis geben? Eine Plakette am Geburtshaus des Großvaters wäre das Mindeste, was wir machen müssten. Im Nachbarort gab es eine Bäckerei, die Trump-Schnitten verkauft hat. Aber einen Devotionalienhandel mit Trump gibt es nicht und auch bei dem neuen Weinjahrgang, der gelesen wurde, gibt es keinen Trump-Wein.“

    Ilona Pfeffer

    Das komplette Interview zum Nachhören:

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    Tags:
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