22:47 15 Dezember 2017
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    Kein Alien: Der erste Mars-Mensch ist schon geboren

    CC BY 2.0 / Kevin Gill / Mars
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    60 Jahre Weltraumfahrt (12)
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    Die Erforschung des roten Planeten beschäftigte Ende September die „European Mars Conference“ (EMC) in Innsbruck. Zu dieser hat das Österreichische Weltraum Forum (ÖWF) gemeinsam mit der Universität Innsbruck eingeladen. Sophie Gruber vom ÖWF meint, der erste Mars-Reisende ist schon geboren. Worauf er achten muss, hat sie im Interview erklärt.

    „Der Mars hat die Menschheit schon immer fasziniert“, hob Gruber im Sputnik-Interview hervor. „Dadurch, dass er relativ nah an der Erde ist, hat dieser rote Punkt am Horizont die Menschheit schon immer beschäftigt. Auf der Venus regnet es zum Beispiel Schwefelsäure. Da bietet der Mars schon eher ein Umfeld, wo man sich sehr sicher ist, dass Leben hätte entstehen können. Nun ist nur die Frage, ob auch tatsächlich Leben entstanden ist. Diese Frage beschäftigt uns heute.“

    In den 60 Jahren Raumfahrt seit Sputnik 1 wurde der Rote Planet mit unbemannten Sonden und Fahrzeugen erforscht. Dadurch sei schon recht viel über die atmosphärische Zusammensetzung und über die Oberflächenbeschaffenheit bekannt, sagte die ÖWF-Mitarbeiterin. Das Wissen darum sei auf lange Sicht sehr wichtig dafür, dass auch Menschen zum Nachbarplaneten geschickt werden können. Worauf sich diese ersten Menschen auf dem Mars einstellen müssten, die Zustände auf dem Himmelskörper, beschrieb die Physikerin so:

    „Mars hat nur ein Drittel der Erdbeschleunigung. Man wird dort wesentlich leichter sein. Wegen der Sandstürme werden die Solarzellen permanent mit Sand bedeckt sein. Die Astronauten müssen dann wahrscheinlich viel putzen. Der Winddruck selber ist aber nicht sehr groß, Windräder wären auf dem Mars also nicht sonderlich effizient.“

    ​Beim ÖWF wird sogenannte Analogforschung zu dem Thema betrieben. Das heißt, es werden Arbeitsbedingungen, Experimente und Instrumente analog zum Mars auf der Erde getestet. In Gegenden, die dem Mars in gewisser Hinsicht sehr ähnlich sind, wie den Dachstein-Rieseneishöhlen in Österreich oder der Nördlichen Sahara in der Nähe von Erfoud (Marokko), werden beispielsweise Landungen simuliert. Dafür hat das ÖWF extra einen Raumanzugsimulator entwickelt, um jenen, die diese Experimente durchführen – den „Analogastronauten“ –, wirklich ein „Mars-Feeling“ verschaffen zu können. Eine erste erfolgreiche Simulation einer bemannten Marslandung erfolgte 2006 in der Wüste von Utah (USA) unter dem Namen „AustroMars“.

    Um tatsächlich zum Mars zu gelangen, muss ein Astronaut drei Jahre unterwegs sein. Gruber rechnete vor:

    „Ein One-Way-Flug zum Mars dauert ein halbes Jahr. Das Startfenster auf dem Mars ist sehr klein. Wenn es schlecht läuft, muss man zwei Jahre warten. Die Rückreise dauert auch ein halbes Jahr. Da ist man schon ein bisschen unterwegs."

    Das ÖWF gehe davon aus, dass der erste Mensch, der seinen Fuß auf den Mars setzen wird, schon geboren und jetzt im Kindergarten- oder Grundschulalter sei. In 20 bis 30 Jahren können wir bemannte Marsreisen miterleben, schätzte Gruber.

    ​Bis dahin sei die Kooperation zwischen der Europäische Weltraumorganisation (ESA) und der Weltraumorganisation der Russischen Föderation Roskosmos sicherlich wegebnend. 2020 solle im Rahmen des „ExoMars“-Programmes ein Rover, ein unbemanntes Fahrzeug, zum Mars fliegen und auf ihm landen. Dieser solle mit Hilfe eines Bohrers in bis zu zwei Metern Tiefe nach Spuren von Leben suchen. Dabei handele es sich aber nicht um Aliens aus Science-Fiction Geschichten, wie Gruber erklärte:

    „Spuren von Leben bedeutet gewisse Indikatoren, an denen man sehen kann, dass dort Leben gewesen ist. Wenn dort noch Leben ist, sind das eher gewisse chemische Verbindungen – das ist allerdings etwas sehr Ungreifbares für uns Menschen. Das Hauptproblem ist, dass wir Leben von der Erde kennen, wir wissen, wie es auf der Erde ausschaut, aber wir wissen nicht unbedingt, wie es auf anderen Planeten oder im Universum ausschaut. Für uns ist es also schwierig zu sagen, dass wir genau wissen, wonach wir suchen. Wir müssen unseren Horizont also noch etwas erweitern, um auch wirklich sicher zu gehen, dass wir da nichts übersehen."

    Bolle Selke

    Das komplette Interview mit Sophie Gruber zum Nachhören:

    Themen:
    60 Jahre Weltraumfahrt (12)

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    Tags:
    Simulation, Astronauten, Forschung, Europäische Raumfahrtbehörde (ESA), ÖWF, Erde, Weltraum, Mars, USA, Russland