03:25 21 Oktober 2017
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    Folgen des Sturms Xavier in Berlin

    Anarchie von jetzt auf gleich: Sturm „Xavier“ legt Berlin lahm

    © REUTERS/ Hannibal Hanschke
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    Mit orkanartigen Böen ist Sturm "Xavier" über Deutschland hinweggefegt. Acht Menschen starben durch herabstürzende Äste und Bäume. In Berlin herrschte Ausnahmezustand. Die Feuerwehr wurde allein hier zu über 2.000 Einsätzen gerufen. Busse und S-Bahnen fuhren gar nicht mehr.

    Wer am Donnerstag im Berliner Feierabendverkehr unterwegs war, dem wird „Xavier“ noch lange im Gedächtnis bleiben. Gegen 16 Uhr entfaltete der Sturm seine gesamte Kraft. Äste und Bäume stürzten auf Autos, Häuser, Bahngleise und auf Menschen. Eine Frau starb. Auf beiden Flughäfen wurden sämtliche Starts und Landungen abgesagt. Bei der Deutschen Bahn und bei der S-Bahn ging ab dem Nachmittag nichts mehr. Der Verkehr wurde eingestellt.

    Folgen des Sturms Xavier in Berlin
    © AFP 2017/ Tobias Schwarz
    Folgen des Sturms Xavier in Berlin

    Viele Pendler stiegen deshalb auf Busse und U-Bahnen um. Diese platzten aus allen Nähten. Um kurz nach fünf zog die Leitstelle der Berliner Verkehrsgemeinschaft (BVG) die etwa 1.000 Busse auf den Straßen der Hauptstadt aus dem Verkehr. „Der Betriebsleiter ist auch juristisch für die Sicherheit des Fahrbetriebs verantwortlich. Es bestand eine Gefährdung für die Fahrgäste als auch für die Fahrer. Von daher war es sicher die richtige Entscheidung“, erklärt Markus Falkner, Sprecher der BVG gegenüber Sputnik.

    „Selbst von der Heftigkeit des Sturms überrascht“

    Schon um 16 Uhr fiel in der S-Bahn Leitstelle die Entscheidung, den Verkehr komplett einzustellen. Verantwortlich für die Berliner S-Bahnen ist die Deutsche Bahn.

    „Das betraf am Donnerstagnachmittag etwa 500 Züge. Wir wussten, dass der Sturm kommt und haben unsere Maßnahmen ergriffen“, sagt Burkhard Ahlert, Leiter der Pressestelle der Deutschen Bahn in Berlin gegenüber Sputnik. „Dass es aber so heftig kommt, haben wir natürlich auch nicht erwartet.“

    Menschenschlange wegen Zugausfalls auf der U-Bahn-Station Alexanderplatz in Berlin
    © REUTERS/ Hannibal Hanschke
    Menschenschlange wegen Zugausfalls auf der U-Bahn-Station Alexanderplatz in Berlin

    Sowohl Deutsche Bahn als auch BVG waren überrascht, wie heftig „Xavier“ zuschlug. „Der Sturm hat in ganz Berlin flächendeckend große Schäden verursacht. Das ist schon etwas Besonderes“, erklärt Bahn-Sprecher Ahlert. Auch BVG-Sprecher Falkner fällt kein Sturm ein, bei dem die Bundeshauptstadt so in Mitleidenschaft gezogen wurde: „Beim Orkan Kyrill (im Jahr 2007, Anm. d. Red.) gab es auch schwere Schäden. Da waren auch etliche Linien, aber nicht der gesamte Verkehr betroffen“.

    Aufräumarbeiten dauern an – „Das ist Wetter“

    Inzwischen sind die Straßen wieder frei, die Busse fahren wieder. Bei der S-Bahn und im Regional- und Fernverkehr der Deutschen Bahn sieht es anders aus. „Gleisbereich liegen noch immer jede Menge Bäume und Äste. Es sind jede Menge Kollegen im Einsatz, die dafür sorgen, dass die Strecken repariert und die Oberleitungen wieder gespannt werden“, beschreibt Ahlert die Situation.

    Wesentlich dramatischer sieht es im Regionalverkehr aus, erklärt der Bahnsprecher. Auch Stromschienen seien in Mitleidenschaft gezogen und werden peu a peu repariert. Die Strecken Berlin – Hamburg sowie Berlin – Hannover sind weiter nicht befahrbar. Wann sie wieder freigegeben werden, steht nach Ahlerts Angaben noch nicht fest.

    Alexanderplatz in Berlin am 05.10.2017
    © REUTERS/ Hannibal Hanschke
    Alexanderplatz in Berlin am 05.10.2017

    Ob man beim nächsten Sturm etwas anders oder besser machen könne, möchte Sputnik zum Schluss wissen. Man kann nur reagieren und das auf möglichst professionelle Weise, erklärt BVG-Sprecher Falkner und fügt hinzu: „Das ist Wetter und das liegt nicht in unserer Hand. Es war eine Extremlage, wie sie glücklicherweise nicht alle Tage oder alle Jahre vorkommt. Die Berlinerinnen und Berliner sind bekannt dafür, dass sie mit Ausnahmesituationen klarkommen und irgendwo ihren Weg finden.“

    Das werden die Berlinerinnen und Berliner auch müssen. Der nächste Sturm kommt bestimmt.

    Das komplette Interview mit dem Sprecher der BVG finden sie hier:

    Das komplette Interview mit dem Sprecher der Deutschen Bahn finden sie hier:

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    Tags:
    Folgen, Naturkatastrophe, Sturm, BVG, Deutsche Bahn, Berlin, Deutschland
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