06:09 17 Oktober 2017
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    Gezielte CIA-Morde: Barschel, Palme, Colby – „Im Spinnennetz der Geheimdienste“

    © AP Photo/ Carolyn Kaster
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    „Im Spinnennetz der Geheimdienste. Warum wurden Olof Palme, Uwe Barschel und William Colby ermordet?“ So der Titel eines neuen Buchs, das der Journalist Patrik Baab mit dem US-Politologen Robert E. Harkavy in zehnjähriger Recherche erarbeitet hat. Bis heute liegen die Umstände der drei politischen Todesfälle im Dunkeln. Das Buch klärt auf.

    „Uwe Barschel, Olof Palme und William Colby hatten etwas gemeinsam“, sagte Patrik Baab, Fernsehjournalist und Autor des Buches, im Sputnik-Interview. „Sie waren eingebunden in den internationalen Waffenhandel im Rahmen der Iran-Contra-Affäre und sie hatten je auf unterschiedliche Weise zu tun mit der CIA und der Nato-Geheimarmee ‚Stay Behind‘.“ Zu diesen Morden habe er zusammen mit dem Politikwissenschaftler und ehemaligen Pentagon-Berater Robert E. Harkavy jahrelang recherchiert. Dabei vertrauliche Dokumente von sieben Geheimdiensten eingesehen, mit Ex-Geheimdienstlern gesprochen und auch Chemiker und Toxikologen (Gift-Experten) zurate gezogen.

    Am Freitag wurde das Werk, das im Westend Verlag erscheint, in Berlin vorgestellt. Es liest sich wie ein Krimi, basiert aber auf realen Begebenheiten: Es geht um verdeckte Operationen, um tieferliegende Geheimdienst-Strukturen und um die Hintermänner der „drei vielleicht spektakulärsten, noch unaufgeklärten, politischen Todesfälle des letzten Jahrhunderts“.

    Barschel: „Erst CIA-Kontakte, dann ermordet“

    CDU-Politiker Uwe Barschel war von 1982 bis 1987 der Ministerpräsident Schleswig-Holsteins. Er wurde am 11. Oktober 1987 in Genf in einem Hotel tot aufgefunden. Die offizielle Version lautet: Selbstmord. Baab erklärte hierzu: „Unsere Arbeit stützt sich im Wesentlichen auf die Ermittlungen, die Heinrich Wille in Lübeck geführt hat.“ Wille war Chefermittler der Staatsanwaltschaft Lübeck im Todesfall Barschel.

    „Dieses Undenkbare: Ein deutscher Ministerpräsident kommt im Ausland zu Tode unter ungeklärten Bedingungen“, bemerkte der ehemalige Ermittler auf der Veranstaltung. „Und keinen interessiert das. Die offiziellen Stellen machen es runter.“ Es habe keine wirkliche Aufklärung durch die deutschen Behörden gegeben. Dennoch ließ er nicht locker.

    „Ich habe feststellen können, dass Barschel einen offiziellen CIA-Kontakt hatte. Nicht nur geheim. Nein, er hatte ganz offiziell 1982 dem Landesamt für Verfassungsschutz mitgeteilt, er habe einen Kontakt zur CIA“, so Wille. „Barschel wurde von der CIA geführt“, ergänzte Baab. Barschel habe nach seinem Studium für ein Notariat gearbeitet. „Über dieses Notariat sind im Auftrag oder zumindest mit Stillschweigen der CIA Waffengeschäfte abgewickelt worden im internationalen Maßstab.“ So auch mit zentralen Waffenhändlern im Rahmen der Iran-Contra-Affäre.

    „Wir gehen davon aus, dass die CIA mit dem Tod von Uwe Barschel zu tun gehabt hat, dass es sich hier um einen Mord gehandelt hat.“ Ein weiterer Hinweis sei die Tatsache, dass der Mediziner, der die Leiche von Barschel zuerst untersucht hat, „selbst ein CIA-Doppelagent gewesen ist. Das würde das erste, aber falsche Obduktionsergebnis erklären.“ Der Buchautor gehe aufgrund toxikologischer Befunde davon aus, dass Barschel ermordet wurde.

    Patrik Baab und Robert E. Harkavy: „Im Spinnennetz der Geheimdienste. Warum wurden Olof Palme, Uwe Barschel und William Colby ermordet?“, Westend Verlag, Frankfurt/M.
    © Foto: Westend Verlag, 2017
    Patrik Baab und Robert E. Harkavy: „Im Spinnennetz der Geheimdienste. Warum wurden Olof Palme, Uwe Barschel und William Colby ermordet?“, Westend Verlag, Frankfurt/M.

    Palme: „Mord durch Nato-Geheimarmee“

    Olof Palme war von 1982 bis 1986 der Ministerpräsident von Schweden. Er wurde am 28. Februar 1986 auf offener Straße in Stockholm ermordet. „Uns liegt ein Besprechungsprotokoll des Secret Operations Planning Staff, des Führungsgremiums der Nato-Geheimarmee ‚Stay Behind‘ vom 15. Dezember 1985 vor. Daraus geht hervor, dass die CIA und MI6 unter Zuhilfenahme von ‚Stay Behind‘ den Mord an Olof Palme in Auftrag gegeben haben.“

    Die Akteure hätten sich hier eines ehemaligen iranischen Geheimagenten bedient, der CIA-Ausbildung genossen hatte. Motiv für den Mord laut ihm: Die Nato habe Sorge gehabt, dass Palme einen Annäherungskurs mit Russland suche und sich für ein atomwaffenfreies Europa einsetze.

    „Wir reden hier über einen speziellen Bereich geheimdienstlicher Operationen“, fasste der Autor zusammen. „Es geht hier um verdeckte Spezialoperationen. Palme, Barschel, Colby. Das heißt im CIA-Jargon: Gezielte Tötungen. Häufig werden diese Aktionen an Sub-Unternehmer vergeben. Man versucht so, zu vertuschen. Diese Aktionen wollen die Drahtzieher so weit von sich fernhalten, dass man hinterher immer glaubhaft beteuern kann, man habe mit der ganzen Aktion nichts zu tun und nie davon gewusst.“

    Colby: Erst CIA-Chef, dann Geldwäsche

    In den 70ern war Willam Colby CIA-Direktor. Er starb 1996 laut offiziellen Angaben bei einem Bootsunglück. „William Colby hat die Nato-Geheimarmee ‚Stay Behind‘ im vordergründlich neutralen Schweden aufgebaut“, schilderte Baab. „Er hatte deswegen bis zu seinem Tod Kontakte nach Schweden. Einer dieser Leute war CIA-Mann und Mitglied der Geheimarmee und zugleich der erste Ermittlungsleiter im Mordfall Palme".

    Colby war nach seinem Ausscheiden als CIA-Chef ein Justiziar der Nugan Hand Bank in Australien. „Diese Bank war eine Geldwäscheanlage der CIA für Drogen- und Waffengelder. Das wissen wir aus Unterlagen australischer Ermittler.“ Diese Bank habe auch einen Ableger in Hamburg gehabt: Die F. A. Neubauer-Bank.

    „Wenn man die bundesdeutsche Bankenaufsicht Bafin nach dieser Bank fragt, erhält man die Auskunft: Wir haben keine Angaben zu dieser Bank. Offensichtlich gab es diese Bank nie“, sagte Baab im Interview. Seine Vermutung: Die Bank war eine Tarnfirma der CIA, über die auch Waffengeschäfte liefen. Hier sei auch die Verbindung zu Barschel, der in Norddeutschland Waffendeals mit Wissen des US-Geheimdienstes durchführte.

    Patrik Baab und Robert E. Harkavy: „Im Spinnennetz der Geheimdienste. Warum wurden Olof Palme, Uwe Barschel und William Colby ermordet?“, Westend Verlag, Frankfurt/M., 384 Seiten, 1. Auflage Oktober 2017

     

    Alexander Boos

     

    Das Interview mit Patrik Baab zum Nachhören:

    Tags:
    Buch, Mord, Geschichte, CIA, USA