11:24 18 Dezember 2018
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    Passagierflugzeug Tu-134 (Archivbild)

    Vorpommern: Ein Russen-Jet kriecht in Rente

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    Das war wohl die kürzeste Strecke, die eine Tupolew der Aeroflot jemals zurücklegen musste: 240 Kilometer ging es für eine Tu-134 aus dem vorpommerschen Grünz ins südbrandenburgische Cottbus. Doch hat die Maschine für diese Kurzstrecke so lange gebraucht wie für keine andere Route zuvor, wie der „NDR“ berichtet.

    Sie flog einst im Liniendienst der russischen Fluggesellschaft Aeroflot, diente dann der Stasi in der DDR als Übungsattrappe und landete schließlich im Garten eines Sammlers. Jetzt soll die Tu-134A ihren Lebensabend in aller Würde in dem Flugplatzmuseum in Cottbus verbringen.

    Vorher aber musste die Passagiermaschine 240 Kilometer auf dem Landweg zurücklegen – sechseinhalb Stunden hat sie dafür gebraucht. Mit vier Schwerlasttransportern ging es über die Autobahn von Grünz nach Cottbus. „Gegen 4.30 Uhr rollte der Transport auf den Museumshof“, versicherte ein Museumsmitarbeiter dem „NDR“ am Dienstagmorgen. Dabei mussten auf dem Weg auch einige brenzlige Situationen gemeistert werden.

    „So stellte sich bei der Abfahrt am Montagabend heraus, dass Teile der Ladung 20 Zentimeter höher als die maximal vorgeschriebenen 4,45 Meter sind. Das hätte Probleme mit den Brücken gegeben, also wurden kurzerhand Teile der Maschine abgefräst“, berichtet der Radiosender.

    Eine Schrecksekunde habe es auch bei der Verladung am Montagnachmittag gegeben: Als der 130-Tonnen-Kran den über 30-Meter-langen Rumpf der Maschine angehoben habe, sei dieser plötzlich gekippt und auf der Nase gelandet. „Da ist mir fast das Herz stehengeblieben“, sagte der Vorbesitzer der Tupolew, Ernst Baumann, dem Sender. Aber alle seien mit einem Schrecken davongekommen.

    Doch bevor es überhaupt zum Verladen der Maschine kam, hatten etwa 20 Experten aus Cottbus in 3.800 Arbeitsstunden das Flugzeug über Monate in seine wichtigsten Teile zerlegt, wie der Sender berichtet. Der Transport allein habe 33.000 Euro gekostet. Für das Flugzeug selbst habe das Museum 10.000 Euro bezahlt, weitere 14.000 Euro hätten die Flugzeug-Fans durch Spenden eingenommen.

    1990 habe der Gastwirt Ernst Baumann das Flugzeug zu sich in den Garten geholt, ein Café sollte darin entstehen. Aus dieser Idee sei aber nichts geworden, und so habe Baumann beschlossen, die Passagiermaschine aus Altersgründen an das Flugplatzmuseum in Cottbus abzugeben. „Als der Transport sein Grundstück verließ, stand er nicht dabei. Der Abschiedsschmerz war wohl zu groß“, berichtet „NDR“.

    Jetzt wird die Tu-134 als größtes Ausstellungsstück unter den 47 Exponaten des Cottbuser Museums wieder zusammengesetzt und in die Sammlung aufgenommen.

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    Tags:
    Transport, Tu-134, Stasi, NDR, Aeroflot, Cottbus, Sowjetunion, DDR, Mecklenburg-Vorpommern, Deutschland