01:56 27 September 2020
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    Ein syrischer Flüchtling soll die Behörden zweimal vor dem Berliner Weihnachtsmarktattentäter Anis Amri gewarnt haben, allerdings vergeblich. Dies berichtet das ZDF-Magazin „Frontal 21” in einer Vorabmeldung.

    Der Syrer Mohamed J. soll im Herbst 2015 dem Sozialarbeiter seiner Flüchtlingsunterkunft und im Juni 2016 in seinem Asylverfahren Anis Amri als gefährlichen Islamisten mit Kontakten zur Terrormiliz Daesh (auch „Islamischer Staat", IS) charakterisiert haben. Die Polizei habe den Zeugen aber erst Wochen nach dem Berliner Anschlag im Dezember 2016 vernommen.

    Laut internen Dokumenten teilte der Syrer im Herbst 2015 über Wochen in Emmerich am Rhein ein Zimmer mit Amri, der dort unter dem falschen Namen Mohammed Hassa lebte. Mohamed J. soll Amris richtige Identität gekannt und von dessen Kontakten zu der IS-Terrormiliz gewusst haben.

    „Anis hat sich nicht verstellt“, sagte der Zeuge gegenüber dem ZDF-Magazin.

    Zudem soll der Syrer im Juli 2016 dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge mitgeteilt haben, dass Amri „sehr islamistisch radikal“ sei. Er sei dann nach Berlin gezogen und habe dort „einen neuen Asylantrag gestellt mit einer neuen Identität“.

    Eine Kopie der Anhörung liege der „Frontal 21“-Redaktion vor. Das Bamf wolle sich aus datenschutzrechtlichen Gründen zum konkreten Fall nicht äußern.

    Moritz Körner, der für die FDP im Amri-Untersuchungsausschuss des nordrhein-westfälischen Landtags sitzt, kritisierte das Vorgehen der Ermittler:

    „Das wäre, sollte sich das so bewahrheiten, ein eklatantes Versagen unserer Sicherheitsbehörden.“

    Anis Amri hatte am 19. Dezember 2016 einen Lastwagen auf den Weihnachtsmarkt an der Berliner Gedächtniskirche direkt in eine Menschenmenge gesteuert. Dabei wurden zwölf Menschen getötet und 67 weitere verletzt. Der 24-jährige flüchtige Attentäter wurde wenige Tage später in Mailand von der Polizei erschossen.

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    Tags:
    Flüchtling, Terrormiliz Daesh, Anis Amri, Syrien, Berlin, Deutschland