15:55 16 Dezember 2017
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    Deutsche Bahn (DB) (Archiv)

    Hannover härter als Berlin! Ab Januar geht´s S-Bahn-Trinkern an den Kragen

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    Im Zug mit einem Gläschen auf das Wochenende anstoßen oder mit einer Flasche Bier das Wochenende einleiten? Das können Bahnfahrer in Norddeutschland künftig vergessen. Die Deutsche Bahn (DB) führt ab Januar ein Alkoholverbot ein. In Berlin gilt das ja schon lange. Oder?

    Es gibt Menschen, die sagen, selbst in der umsatzstärksten Berliner Kneipe wird nicht so viel getrunken wie in den öffentlichen Verkehrsmitteln. Ob im Bus, U-Bahn oder S-Bahn, bei jeder Fahrt sieht man jemandem, meist sind es Männer, mit einer „Molle“ in der Hand. Selbst am frühen Morgen genehmigen sich Handwerker in ihren Overalls ein Feierabendbier. An Wochenenden steigt die Zahl der Passagiere mit Flasche in der Hand. Dass das nicht erlaubt ist, stört niemanden.

    „Laut der geltenden Beförderungsrichtlinien des Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) ist es in Berlin verboten, Busse oder Bahnen mit offenen Speisen oder offenen Getränken zu betreten oder diese während der Fahrt zu konsumieren“, erklärte Markus Falkner, Sprecher der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) gegenüber Sputnik.

    Ein Alkoholverbot dagegen existiere nicht. „Wenn wir jemanden in der U-Bahn mit einer Flasche sehen, fordern wir ihn auf, nicht daraus zu trinken. Damit hat es sich.“ Bei einer Weigerung kann der Kontrolleur den Fahrgast auffordern, die U-Bahn zu verlassen. Anders als beim Rauchen gibt es beim Trinken aber keine Straf- oder Busgelder. Falkner erläuterte: „Das liegt an der fehlenden gesetzlichen Handhabe. Es gibt zwar ein Nichtraucherschutzgesetz, aber kein Nichttrinkerschutzgesetz.“ Anders als mancher denkt, kann das Trinken von Alkohol in den Öffentlichen Verkehrsmitteln in Berlin also nicht mit Geldbußen bestraft werden.

    Bahn-Sprecher: „Haarige Situation für die Kollegen“

    In Norddeutschland herrscht ja generell ein rauerer Wind. Hier zieht die Deutsche Bahn (DB) härtere Saiten auf: Ab Januar herrscht in Regionalzügen und in der S-Bahn in Niedersachsens Hauptstadt Hannover Alkoholverbot. Egbert Meyer-Lovis, Sprecher der DB-Regionalzentrale in Hamburg, erklärte:  „Es gibt eine Karenzzeit von zwei Monaten. Ab dem ersten März wird der Verstoß gegen das Alkoholverbot dann mit 40 Euro geahndet.“ Ursache für diese Maßnahme sei eine Kundenbefragung. „In Niedersachsen hat die Mehrheit der Fahrgäste ein generelles Alkoholverbot befürwortet“, begründet Meyer-Lovis die Maßnahme.

    Die Kontrollen, wie das Verbot eingehalten wird, sollen Zugbegleiter und das Sicherheitspersonal der Bahn übernehmen. Was plausibel klingt, kann aber an Wochenenden mit Tausenden Fußballfans in der Bahn schwierig werden. Der DB-Sprecher dazu: „Das ist sicherlich eine haarige Situation für die Kollegen. Aber ich kann mir schon vorstellen, dass das ganz gut klappt. Zur Not muss der Zug dann mal stehen bleiben. Zusammen mit der Bundespolizei haben wir in Sachen Fußballfans genug Erfahrung.“

    Der Verfasser dieser Zeilen weiß nur eins: Er möchte nicht derjenige sein, der einem Waggon voller angetrunkener Fußballfans das Bier aus der Hand nehmen soll. Zum Glück wohnt er in Berlin.

    Matthias Witte

    Das komplette Interview mit DB-Sprecher Egbert Meyer-Lovis zum Nachhören:

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    Tags:
    Sicherheit, Zug, Alkoholverbot, Deutsche Bahn, BVG, Deutschland
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