16:40 14 Dezember 2019
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    Italienischer Schloß Rocca delle Caminate nahe Meldola

    Italiens Vampire bei Tageslicht - "Wir sind fast normale Menschen"

    © CC BY-SA 2.0 / Andrea / Rocca delle Caminate
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    Ein echter Vampir war neulich zu Besuch bei Sputnik. Es mag erstaunen aber der Moderator im Studio hat überlebt: Sein Gast hatte keine Reißzähne, es gab keine Bisse, kein Blutbad… Überhaupt ist die Blutsaugerei eines wahren Vampirs nicht würdig.

    Sie leben mitten unter uns, sie trinken Blut – fast so wie in den alten Dracula-Geschichten. In Italien gibt es mindestens 2000 Vampire und sie sind gut organisiert, haben einen eigenen Verband: Die Italienische Vampir-Liga, mit Stammsitz in der Kleinstadt Meldola.

    Davide Santandrea
    © Foto : Davide Santandrea
    Davide Santandrea

    Dort wird seit Anfang des Jahres eine TV-Serie über das echte Leben eines „Blutsaugers“ gedreht: „Die Tagebücher eines Vampirs“ wird sie heißen. Der Verbandspräsident, Davide Santandrea, hat das Drehbuch dafür geschrieben. Im Sputnik-Gespräch erklärt er, wie ein Vampir wirklich ist.

    „Die Italienische Vampir-Liga ist der offizielle Verband echter Vampire, so wie ich einer bin. 2013 habe ich die Organisation gegründet. Wir setzen uns für unsere Rechte ein und befassen uns auch medizinisch mit dem Phänomen“, erklärt Santandrea.

    In den USA seien Vampire seit 30 Jahren Gegenstand medizinischer Forschung.

    Und was macht ihn aus, einen echten Vampir?

    „Den Blutsaugern, die man im Fernsehen zu sehen bekommt, sind wir gar nicht ähnlich. Wir sind keine auferstandenen Toten, wir sind auch kein Scherz und keine Modeerscheinung“, versichert der Chef-Vampir. „Wir sind auch nicht unsterblich, schlafen nicht in Särgen, haben keine Angst vor Knoblauch und Weihwasser. Wir sind Menschen, doch medizinisch betrachtet unterscheiden wir uns von anderen Menschen.“

    Den Unterschied spürt man schon beim Händedruck. Vampire sind nämlich kälter als Normalos: Statt 36 Grad beträgt ihre Körpertemperatur 34 bis 34,5 Grad. Und zudem: „Wir sind empfindlich gegenüber Sonnenlicht, das ist schon wahr… Doch tödlich sind Sonnenstrahlen für uns nicht, wie man das vielleicht im Kino sieht. Aber einen starken Sonnenschutz brauchen wir schon und natürlich Sonnenbrillen – sonst kriegen wir Hautprobleme.“

    Auch mit dem Tagesrhythmus ist es so eine Sache: „Unsere innere Uhr tickt anders. Nachts sind wir hyperaktiv, tagsüber todmüde.“

    Das klingt ja so, als hätten Vampire kein leichtes Leben. Aber ein paar Vorteile gegenüber Normalbürgern hat die Natur ihnen schon beschert, wie Santandrea erklärt. „Unsere Knochen heilen schneller. Ich habe mir mal vier Rippen gebrochen. Die Ärzte sagten, es werde Monate dauern, bis alles verheilt ist. Aber ich war nach zehn Tagen schon topfit.“

    Das Schloss Rocca delle Caminate, eines der mystischen Symbole der Ortschaft Meldola (Archivbild)
    © CC0
    Das Schloss Rocca delle Caminate, eines der mystischen Symbole der Ortschaft Meldola (Archivbild)

     

    Richtig unheimlich wird’s aber jetzt: „Einige echte Vampire haben übernatürliche Fähigkeiten. Sie können die Vergangenheit sehen, wenn sie Dinge und Menschen berühren. Deshalb arbeiten wir sogar mit Polizei- und Sicherheitsbehörden zusammen. Auch sind unsere fünf Sinne besonders geschärft. Das alles ist bereits medizinisch dokumentiert“, so der Vampir-Chef.

    Ein echtes Problem hätten die Vampire indes mit ihrem Image, moniert Santandrea. Normale Menschen halten sie ja für bösartige Blutsauger. „In der Tat trinken wir Blut. Aber nur das, was freiwillig gespendet wird. Und eigentlich brauchen wir auch gar nicht so sehr den roten Saft als vielmehr das Prana: Die Lebensenergie, die dadurch übertragen wird“, erklärt der Santandrea.

    „Wegen unserer Besonderheiten und Fähigkeiten verbrauchen wir sehr viel mehr Prana als normale Menschen. Das brauchen wir, um wieder zu Kräften zu kommen. Bluttrinken ist nur eine Möglichkeit, Energie aus dem menschlichen Körper zu schöpfen. Prana kann auch dem menschlichen Geist und der Psyche entzogen werden.“

    Hat ein Vampir gelernt, wie man Prana auch ohne Blut gewinnt, hört er mit dem Bluttrinken auf. „In Italien wird Blutsaugen ja auch als verwerflich betrachtet.“ Wer aber noch nicht so weit fortgeschritten ist, muss strenge Regeln befolgen.

    „In unserem Verband gelten strenge Gesetze, was das Bluttrinken angeht. Unsere Spender müssen zum Beispiel volljährig sein. Auch können Minderjährige bei uns nicht Mitglied werden. Das Blut wird freiwillig gespendet und der Spender muss durch Attests nachweisen, dass er gesund ist.“

    Jedenfalls muss der italienische Vampir-Verband noch eine ganze Menge Überzeugungsarbeit leisten, um das negative Image seiner Mitglieder aufzupolieren. Diesem Zweck dienen auch „Die Tagebücher des Vampirs“, die TV-Serie von Santandrea. Sie zeige die Vampire nicht so, wie sie normallerweise in den Kinos zu sehen seien.

    „Das wird die erste Serie über den Alltag von Vampiren sein – fern von Bissen, Friedhöfen und anderen Märchen. Bei uns sind die Vampire so, wie sie im echten Leben sind: Keine Monster, sondern eigentlich fast normale Menschen.“

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    Tags:
    Blutsauger, Vampirismus, Interview, Italien