21:34 23 November 2017
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    Polizei in Berlin

    „Das darf niemand verschweigen“: GdP-Sprecher zu Kriminalität in Berlin

    © REUTERS/ Pawel Kopczynski
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    In einem Interview für die „Berliner Zeitung“ (BZ) hat Benjamin Jendro, Sprecher der Gewerkschaft der Polizei (GdP), über den Anstieg der Kriminalität in Berlin gesprochen und erläutert, warum sich Straftäter in der Hauptstadt oftmals relativ sicher fühlen. Er warnte zudem davor, diese Probleme einfach zu verschweigen.

    In Berlin gibt es laut Jendro mehr Kriminalität als vor 15 Jahren. In der Hauptstadt gebe es zahlreiche Straftäter, ein großer Anteil von ihnen habe Migrationshintergrund. Und das dürfe nicht verschwiegen werden. Das Schweigen trage nur zur Schaffung von Vorurteilen in der Gesellschaft bei.

    Der GdP-Sprecher beklagte einen spürbaren Personalmangel bei der Polizei. Obwohl die Einwohnerzahl in Berlin seit 2001 um mehr als 400 000 gewachsen sei, seien bei der Polizei im gleichen Zeitraum 1000 Stellen gestrichen worden. Dabei sei das Aufgabenspektrum der Beamten gewachsen. Heute brauche die Polizei 3000 Kollegen mehr.

    Der Personalmangel führt laut Jendro dazu, dass Delikte wie Fahrrad- oder Ladendiebstahl zu den Akten gelegt werden. Selbst schwere Rohheitsdelikte würden nicht so behandelt, wie sie es müssten.

    Mehr zum Thema >>> Berlin ist „Hauptstadt der Kriminalität“ – Versagen Polizei und Justiz?

    Dazu komme noch, dass die Straftäter weniger zu befürchten hätten, als beispielsweise in Bayern. Denn die besorgniserregende Realität bestehe darin, dass ein Täter, der womöglich aus einem anderen Land komme und  der monate- oder gar jahrelang auf die Verhandlung gewartet habe, oftmals mit einer Bewährungsstrafe lächelnd aus dem Gerichtssaal spaziere. „Repression ist ein Mittel des Rechtsstaates, von dem Berlin auch aufgrund des personellen Engpasses so gut wie nicht Gebrauch macht“, zitiert das Blatt den GdP-Sprecher.

    Auf der Webseite der Berliner Polizei gibt es interaktive Landkarten, auf denen die Schwerpunkte von Taschendiebstählen zu sehen sind.

    Diese Schwerpunktkarte zeigt die Bereiche in Berlin,in denen es vermehrt zu Taschendiebstählen kommt.
    Diese Schwerpunktkarte zeigt die Bereiche in Berlin,in denen es vermehrt zu Taschendiebstählen kommt.

    An gewissen Orten in Berlin sei es gefährlicher, als an anderen: Am Alexanderplatz gebe es beispielsweise mehr Tatgelegenheiten für Taschendiebe, am Kottbusser Tor und in diversen Parks werde mit Drogen gedealt, Prostitution, Diebstahl, Raub und sogar Tötungsdelikte seien oftmals milieubedingt und Teil der Beschaffungskriminalität.

    Die Täter wählen bewusst belebte und oft touristisch attraktive Gegenden. Besonders häufig kommt es zu Taschendiebstählen am Alexanderplatz, Potsdamer Platz, Hackescher Markt, Checkpoint Charlie und in der Friedrichstraße.
    Die Täter wählen bewusst belebte und oft touristisch attraktive Gegenden. Besonders häufig kommt es zu Taschendiebstählen am Alexanderplatz, Potsdamer Platz, Hackescher Markt, Checkpoint Charlie und in der Friedrichstraße.

    Politiker täten deshalb dem Sprecher zufolge gut daran, die Sorgen der Bürger ernst zu nehmen. Denn es sei die wichtigste Aufgabe des Staates, bestmögliche Sicherheit zu gewährleisten. Dafür brauche es außer der Polizeipräsenz vor allem „gesellschaftliche Prävention“ durch einen respektvollen Umgang mit anderen Menschen.

    Berlin sei im Vergleich noch immer eine sichere Metropole in Deutschland. Es sei aber wichtig, Probleme klar anzusprechen, und notwendige Maßnahmen zu ergreifen, damit das auch in Zukunft so bleibe.

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    Tags:
    Personal, Polizei, Kriminalität, Berlin
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