19:37 10 Dezember 2019
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    „Bombe - leicht gemacht“: Islamisten machen von Amazon-Tipps Gebrauch – Medien

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    Mehrere Terrorverdächtige haben sich laut „Spiegel“ über den Online-Versandhandel Amazon mit Material zum Bombenbau versorgt – auch der mutmaßliche Terrorist Yamen A. aus Schwerin. Ermittler stören sich an den automatischen Empfehlungen des Versandhandels, die potentiellen Verbrechern bei ihrer Recherche helfen könnten.

    Der Syrer Yamen A., der einen Anschlag in Deutschland geplant haben soll und am Dienstag in Schwerin festgenommen wurde, hatte nach „Spiegel“-Informationen seit Sommer über Amazon Chemikalien für die Herstellung des Sprengstoffs TATP bestellt. Dieser wird unter Dschihadisten auch „Mutter des Teufels“ genannt.

    Der 19-Jährige war nicht der Erste, der sich in den vergangenen zwei Jahren mithilfe der Internetplattform Zutaten für den Bombenbau beschaffte. Die drei 17-Jährigen, die im April 2016 einen Sprengsatz an einem Sikh-Tempel in Essen zündeten und dabei einen Priester schwer verletzten, hatten auf Amazon kiloweise Chemikalien und Zünder bestellt.

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    Auch der Islamist Jaber Albakr, der mutmaßlich einen Anschlag auf den Berliner Flughafen Tegel plante und sich im Oktober 2016 in einem Gefängnis in Leipzig erhängte, hatte nach Erkenntnissen der Ermittler die Bestandteile für einen TATP-Sprengsatz größtenteils über die Plattform erworben.

    Die deutschen Sicherheitsbehörden sind der Zeitschrift zufolge über diese Entwicklung „alarmiert“ und „erschrocken“, weil die Amazon-Algorithmen potenziellen Attentätern offenbar einen Teil der Recherche abnehmen, indem sie automatisch gefährliche Zutaten vorschlagen, nach dem Motto: „Kunden, die diesen Artikel gekauft haben, kauften auch…“

    Die Ermittler probierten es nach der Festnahme von Albakr selbst aus und legten Wasserstoffperoxid in den virtuellen Warenkorb – prompt bekamen sie weitere Chemikalien und Utensilien vorgeschlagen, die zum Bombenbau benutzt werden können.

    Amazon teilte auf „Spiegel“-Anfrage mit, dass das Unternehmen wie bisher mit der Polizei zusammenarbeite, um sie bei ihren Ermittlungen zu unterstützen. Zudem würden „im Rahmen der jüngsten Ereignisse“ Änderungen an der Internetseite vorgenommen, „um sicherzustellen, dass Produkte in geeigneter Weise präsentiert werden“. Verbotene Waren würden von Amazon nicht verkauft.

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    Medienberichten zufolge ist spätestens seit 2014 bekannt, dass die Kaufvorschläge auch im Fall von illegalen Aktivitäten funktionieren. Damals fiel Amazon-Kunden auf, dass sie beim Bestellen einer bestimmten Feinwaage Zubehör für die Verarbeitung und den Konsum von Drogen vorgeschlagen bekamen – möglicherweise, weil die Waage bei Drogendealern beliebt war. Die Empfehlungen werden nicht von Amazon kuratiert, sondern basierend auf der Kaufhistorie anderer Kunden automatisiert zusammengestellt.

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    Tags:
    Bombe, Terror, Amazon, EU, Deutschland