11:00 12 Dezember 2017
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    „Russischer Troll“ entpuppt sich als schottischer Wachmann mit „furchtbarem Englisch“

    © AP Photo/ Damian Dovarganes
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    In einem Artikel hat sich ein britischer Journalist mit der Frage befasst, wie man einen „russischen Troll“ identifiziert, schreibt die schottische Zeitung The Scotsman. Bei seiner Analyse ist ihm aber offenbar ein gravierender Fehler unterlaufen.

    Wie benimmt sich ein russischer Troll? Nach Meinung des unabhängigen britischen Journalisten James J. Patrick spricht ein solcher ein furchtbares Englisch, hat mehrere Accounts und befasst sich öfters mit „russischen Themen“. Und was macht ein russischer Troll noch? Richtig: Er kommentiert Posts über russische Trolle. Dafür schrieb der Brite auch gleich in seinem Twitter: „Ich habe eine Analyse über russische Brexit-Trolls und Bots gestartet. Es ist alles noch schlimmer, als wir uns gestern noch denken konnten“, schrieb er.

    Nachdem Patrick diesen Köder auslegte, tappte auch bald ein „Troll“ in seine Falle:

    „Wieso sollten sich denn russische Leute nicht in unsere Wahlen einmischen, wenn wir uns in die katalanischen, amerikanischen, russischen, syrischen und ukrainischen einmischen?“, kommentierte ein User unter dem Nickname Smoo in schlechtem Englisch.

    Ohne auf eine Diskussion einzugehen, untersuchte Patrick aber kurzerhand den Troll-Account und war sich kurze Zeit sicher: Dieses Geschöpf kommt nicht wie angegeben aus Schottland, sondern gehört zu einer russischen Gattung. Erstens würde sich der Troll in seinem Twitter öfters mit der russischen Außenpolitik oder mit „für Schotten ungewöhnlichem Themen“ (Pizzagate, Islam, Migration) befassen, zweitens seien auch seine Englischkenntnisse „furchtbarer“ als es in Schottland der Fall sei. „Ich habe noch nie gesehen, dass eine Schotte ‘wot, statt ‚what‘ schreibt“, so Patrick.

    Allerdings hatte der Journalist wohl nicht damit gerechnet, dass die in Edinburgh beheimatete Tageszeitung „The Scotman“ sich mit dem Mann kurzerhand in Kontakt setzt. Wie sich herausstellte, handelt es sich bei dem Mann aber tatsächlich nur um einen Schotten, der sich sehr wunderte, als er von den Anschuldigungen erfuhr.

    „Die Leute müssen meiner Meinung nicht zustimmen, aber das macht mich noch lange nicht zu einem russischen Troll“, sagte der etwas über vierzigjährige Schotte. Er habe nie vorgehabt, seine Identität vor irgendjemandem geheim zu halten – schließlich werde er auch im Alltag beim Necknamen Smoo genannt.

    Er arbeite als Wachmann in Glasgow, und in seiner 12-stündigen Schicht habe er nichts Besseres zu tun, als im Internet zu surfen. Um die Zeit schneller vergehen zu lassen, habe er sich auch mehrere Twitter-Blogs zugelegt.

    Sein Interesse für Politik brachte er jedoch mit dem Referendum über die Unabhängigkeit von Schottland im Jahr 2014 in Zusammenhang.

    Und das „furchtbare“ Englisch: Er sei ja immerhin ein Schotte. Ein Troll, aber kein russischer.

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    Tags:
    Unabhängigkeit, Interesse, Themen, Kommentar, Twitter, Schottland, Russland, Großbritannien
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