10:58 12 Dezember 2017
SNA Radio
    App Nina
    © Foto: bbk.bund.de/de/nina

    Nina – die bundesweite Warn-App, die bei Katastrophen Leben retten kann

    Panorama
    Zum Kurzlink
    0 152

    Sie hat vor dem Sturmtief Xavier gewarnt, aber auch vor vergifteten Lebensmitteln in Baden-Württemberg – die App Nina wird bei unterschiedlichsten Gefahrenlagen aktiv und ist dabei verlässlich, da sie nur behördliche Warnungen aufnimmt.

    Es ist Anfang Oktober in Berlin. Eigentlich stand Shopping in Mitte auf dem Plan, doch plötzlich vibriert das Handy in der Tasche und ein Blick verrät: Der Deutsche Wetterdienst (DWD) warnt vor dem Sturmtief Xavier mit orkanartigen Böen. Also brüht sich der Nutzer lieber einen Tee und verzichtet auf die spätere mehrstündige Rückreise nach Hause wegen stillgelegter S-Bahn und teilweise unterbrochener U-Bahnlinien.

    Oder Ende September: Die Einkaufspläne werden wieder durchkreuzt, diesmal aber nicht wegen eines Unwetters, sondern weil ein unbekannter Erpresser droht, in Lebensmittel- und Drogeriemärkten vergiftete Lebensmittel zu deponieren, wie das Polizeipräsidium Konstanz mitteilt. Aber der Nutzer entnimmt das nicht etwa einer Pressemitteilung oder den Nachrichten, sondern einer Pushup-Nachricht auf dem mobilen Endgerät.

    Von diesen beiden Fällen aus der jüngsten Vergangenheit berichtet eine Pressesprecherin des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK). Die App, die diese Warnungen ermöglicht hat, nennt sich Nina, ausgeschrieben: Notfall-Informations- und Nachrichten-App.

    Zu Ninas Aufgaben gehören Warnungen an die Bevölkerung für unterschiedliche Gefahrenlagen. Beispiele wären etwa die Ausbreitung von gefährlichen Stoffen nach Chemieunfällen, Großbrände oder Unwetter.

    Und zuverlässig soll die Information auch immer sein:

    „Alle Warnungen kommen von behördlichen Stellen und werden nur nach sorgfältiger Prüfung herausgegeben“, erklärt die Sprecherin.

    Quellen sind hier Stellen des Katastrophenschutzes, der Deutsche Wetterdienst im Fall von Unwettern und das länderübergreifende Hochwasserportal. Unter jeder Warnung ist zudem der Herausgeber mit Kontaktinformationen vermerkt.

    Auch polizeiliche Warnungen seien technisch möglich, teilt die Sprecherin mit. Alle Innenministerien der Länder seien mit dem Modularen Warnsystem (MoWaS) ausgestattet, über das Warnungen in Nina veröffentlicht werden können. Wenn sich die Polizei entscheide, eine Warnung über Nina herauszugeben, kann sie das also auch tun, wie im Fall der Lebensmittelerpressung. Damit sei die App „offen für ein breites Gefahrenspektrum“.

    Die Optionen in der App sind recht benutzerfreundlich. Dort lassen sich Orte einstellen, für die der Nutzer gewarnt werden möchte. Ebenfalls kann man sich für die Push-Funktion entscheiden, sodass die App nicht eigens geöffnet werden muss, sondern man durch ein Signal auf eine Gefahrenlage hingewiesen wird. Die App informiert den Nutzer nach Aussagen der Sprecherin selbst dann noch, wenn das Handy ausgeschaltet ist. Und schließlich bietet Nina auch Informationen, wie man sich in bestimmten Situationen verhalten soll.

    Und was geschieht mit den Daten? In dieser Frage gibt es von der Sprecherin Entwarnung, denn die App sammelt überhaupt keine standortbezogenen Daten, obwohl sie standortbezogene Informationen bereitstellt. Das haben die Entwickler durch eine knifflige Methode erreicht, denn das Handy des Nutzers empfängt einfach alle Warnungen und wertet diese dann aus in Bezug auf den aktuellen Standort sowie die ausgewählten Orte des Nutzers. Liegt für diese Orte eine Warnung vor, wird sie angezeigt.

    Die App Nina gibt es bereits seit 2015. Im Jahr 2016 kam mit der Version 2.0 noch die Funktion hinzu, dass man Informationen für Orte abonnieren kann, an denen man sich nicht aufhält. Die App wurde beim BBK entwickelt und steht im Playstore frei zum Download bereit. Aktuell nutzen 2,2 Millionen Menschen in Deutschland die App.

    Das komplette Interview zum Nachhören:

    Zum Thema:

    Neue iPhone-App findet Ihre Nacktfotos – und versteckt sie
    App Store als Waffe im Handelskrieg: Apple entfernt iranische iPhone-Apps – Medien
    Frankreich: Spyware-App macht Jagd auf homosexuelle Jugendliche
    Trotz staatlicher Blockierung: Facebook startet heimlich App in China – Medien
    Tags:
    Orkan, Lebensgefahr, App, Rettung, Unfall, Deutschland
    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren