11:14 12 Dezember 2017
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    Wappnen sich Russland, USA und China für Dritten Weltkrieg? – Fakten

    © Foto: Hellenic Air Force
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    Die Militärausgaben der großen Länder, allen voran Russland, China und die USA, steigen immer weiter. Viel Geld wird für die Entwicklung modernster Technologien und Waffen ausgegeben. Inzwischen bleibt auch der Weltraum vom Wettrüsten nicht mehr verschont. Hier sind die Fakten im Einzelnen.

    Militärausgaben hoch wie nie zuvor

    Militärausstellung in Gebiet Leningrad (Archivbild)
    © Sputnik/ Konstantin Tschalabow
    Der US-Kongress hat jüngst den seit etlichen Jahren größten Verteidigungsetat gebilligt. Demnach sollen bis zu 700 Milliarden US-Dollar für Militärausgaben bereitgestellt werden. Damit bleiben die USA weiterhin der Staat mit dem größten Militäretat, gefolgt von China.

    Chinas Militärausgaben in diesem Jahr sollen nach Informationen der Agentur Reuters erstmals eine Billion Yuan (145 Milliarden US-Dollar) überschreiten.

    Nach Angaben des Stockholmer Friedensforschungsinstituts (SIPRI) liegt Russland beim Umfang seiner Rüstungsausgaben (unabhängig vom BIP) auf dem dritten Platz weltweit. Die PwC-Analysten erwarten zudem, dass die Welt bis 2021 zusätzlich aufrüsten werde. Beispielsweise werden die USA, die ihre Militärausgaben in den letzten Jahren etwas reduzierten, sie wieder aufstocken. Auch die Militärausgaben Chinas und Indiens werden einen Zuwachs erfahren.

    Der gesamte Verteidigungshaushalt der Nato-Länder soll 2017 rund 946 Milliarden US-Dollar ausmachen.

    Weltraum keine waffenfreie Zone mehr

    Laut dem Militärexperten Alexej Leonkow fängt das Pentagon nun damit an, das Weltall für Militärzwecke dienstbar zu machen – und zwingt Russland zu Gegenmaßnahmen. Erst Spionagesatelliten, jetzt die Pläne zur Stationierung von Angriffswaffen im Erdorbit: Dass der Weltraum zu einem potentiellen Schlachtfeld werde, hätten hochrangige Pentagon-Beamte mehrmals schon erklärt, sagte Leonkow dem Portal „rueconomics“.

    US-Weltraumshuttle X-37
    © NASA.
    US-Weltraumshuttle X-37

     

    Die USA haben bereits die ballistische Rakete Trident II entwickelt und haben nun vor, Festkörperstäbe für einen Luftschlag aus dem Weltall einzusetzen.

    Moskau optimiert im Gegenzug seine Raketenabwehr. Bald werden russische Streitkräfte die Raketensysteme A-235 Nudol in Dienst nehmen. Diese können Luft- und Weltraumziele bekämpfen sowie manövrierbare Satelliten. Auch die von russischen Rüstungsfirmen derzeit entwickelten Raketensysteme S-500 mit hoher und mittlerer Reichweite können als Raketenschild eingesetzt werden. Sie sollen in der Lage sein, US-Satelliten über Russland, wenn sie als Angriffswaffen identifiziert werden, zu vernichtet.

    Luftabwehrsysteme S-400 und Panzyr-S1 bei Astrachan erfolgreich erprobt
    © Sputnik/ Ruslan Krivobok
    Luftabwehrsysteme S-400 und Panzyr-S1 bei Astrachan erfolgreich erprobt

    Auch China ist sich Experten zufolge der wachsenden Gefahr aus dem Weltraum bewusst. Peking hat vor diesem Hintergrund bei der Entwicklung von Raketenabwehrwaffen bereits einige gute Ergebnisse erzielt. Es schaffte, einen Satellit in 800 Kilometern Höhe abzuschießen.

    Neue Etappe des Wettrüstens: Hyperschall-Waffen und Kampflaser

    Hier stehen wieder Russland und die USA im Wettbewerb. Wenn die USA bei der Entwicklung von Hyperschall-Wiedereintrittskörpern Russland offenbar deutlich unterlegen sind, so erzielen sie dafür beeindruckende Erfolge bei der Entwicklung von Hyperschall-Marschflugkörpern.

    Bereits vor Trumps Präsidentschaft haben die USA mit der Entwicklung von Hyperschallwaffen begonnen, die das strategische Gleichgewicht in der Welt beeinflussen könnten. Es wird gleichzeitig in drei Richtungen gearbeitet – Hyperschall-Flügelrakete X-51 WaveRider, Hyperschall-Gefechtsblöcke AHW und HTV-2 und Hyperschall-Drohne SR-72.

    Diesen kann Russland Hyperschall-Seezielflugkörper Zirkon entgegensetzen. Diese werden derzeit getestet und sollen bei Bedarf in der Lage sein, die Flugabwehr der Nato-Kriegsschiffe effizient zu überwinden. Dem russischen Militärexperten Alexej Leonkow zufolge ist die Zirkon-Rakete vor allem gegen seegestützte Ziele konzipiert. Ihr wichtigster Vorteil sei die Geschwindigkeit von ungefähr 9.600 km/h.

    Hyperschallrakete Zirkon
    © YouTube/ Screenshot
    Hyperschallrakete "Zirkon"

    Mit Laserwaffen experimentierten die Sowjetunion und die USA während des Kalten Krieges, doch kein einziges System wurde in die Bewaffnung aufgenommen. Um dem Laserstrahl eine todbringende Wirkung zu geben, waren zu große Energiequellen nötig. Allerdings werden die entsprechenden Entwicklungsarbeiten auch heute noch fortgeführt.

    Das bekannteste Projekt ist das experimentelle US-Flugzeug mit der bordgestützten chemischen Laseranlage Boeing YAL-1, das 2002 in den Himmel stieg. Auch in Russland wird in dieser Richtung gearbeitet.

    US-Wissenschaftler arbeiten zudem seit Ende der 1990er-Jahre an der Schaffung einer Waffe, die gegnerische Soldaten kampfunfähig macht, ohne ihnen dabei großen Schaden zuzufügen.

    Kluge Drohnen sind Kämpfer der Zukunft

    Das größte Ereignis in der Kriegsindustrie in den letzten zehn Jahren ist die Entwicklung von Drohnen. Diese werden ferngesteuert und können nur von elektromagnetischen Waffen außer Gefecht gesetzt werden.

    Das US-Militär hat seine Drohne MQ-1C Grey Eagle („Grauer Adler“) bei den Kämpfen im Irak gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS, auch Daesh) bei Mossul bereits eingesetzt. Earl Grey erinnert demnach an den seit Langem bekannten unbemannten Flugapparat Predator, unterscheidet sich in der Ausstattung aber stark von ihm. Insbesondere soll diese neue Kampfdrohne über einen Radar verfügen, der ihren Allwettereinsatz ermöglicht. Die Steuerung der Drohne kann zudem inzwischen dem Piloten eines Kampfhubschraubers Apache AH-64D übertragen werden.

    MQ-1C Grey Eagle vor dem Testflug (Archivbild)
    © AFP 2017/ Ken Scar
    MQ-1C Grey Eagle vor dem Testflug (Archivbild)

    Nach dem Zerfall der Sowjetunion erlitt der Drohnen-Bau in Russland herbe Rückschläge – doch nun verbessert sich die Situation allmählich. Zunächst wurden Drohnen des Typs Bird Eye 400 und Searcher Mk II beim israelischen Hersteller IAI gekauft. Später wurden solche Systeme auch in Russland hergestellt – mit den Codenamen Sastawa und Forpost. Dies gab der russische Branchenexperte Denis Fedutinow Anfang September in einem Gastbeitrag für die Tageszeitung „Iswestija“ bekannt.

    Wann alle Kriege auf der Welt enden

    Die Weltmächte testen immer öfter ihre militärischen Neuentwicklungen – Laserkanonen, Flugapparate mit Hyperschallgeschwindigkeit, Drohnen und Waffen, die neue physikalische Prinzipien nutzen.

    Mit seinen Hyperschallraketen und Robotern kann Russland zwar um die Überlegenheit auf See kämpfen, im Bereich Drohnen ist das Land aber noch kein Spitzenreiter.

    Hyperschall-Marschflugkörpers X-51A Waverider
    © Foto: US Air Force
    Hyperschall-Marschflugkörpers X-51A Waverider

    „Man kann nicht sagen, dass wir im Bereich Drohnen Spitzenreiter sind. Dennoch ist dies eine der wichtigsten Richtungen“, räumte der russische Präsident Wladimir Putin Anfang September bei der offenen Unterrichtsstunde „Russland ist zukunftsorientiert“ in der zentralrussischen Stadt Jaroslawl ein. „Viele Länder besitzen recht leistungsstarke Drohnen. Derweil entwickeln wir solche Apparate erst.“

    Laut Putin finden die Kriege weltweit erst dann ein Ende, wenn alle Drohnen eines Landes durch die eines anderen vernichtet würden. Dann würde es sinnlos sein, weiter zu kämpfen, so der russische Präsident.

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    Tags:
    Schaden, Soldaten, Hyperschallwaffen, Entwicklung, Raketenabwehr, Marschflugkörper, Rakete, Weltall, Laserwaffen, Drohne, Verteidigungsetat, Dritter Weltkrieg, China, USA, Russland
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